Lesung mit Ingo Schulze

Ingo Schulze: Finden, was man nicht gesucht hat

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Die Reihe „Frankfurter Premieren“ macht vorerst im Internet weiter, zuerst mit Ingo Schulze.

Ironischerweise geht die Ankündigung des NDR, die Sendung „Bücherjournal“ zum Jahresende einzustellen, mit dem Start eines weiteren Internet-Lesungs-Formats einher, diesmal veranstaltet vom Kulturamt Frankfurt. Was daran ironisch ist? Dass die Präsentation von Büchern in Wort und bewegtem Bild nicht zu den kostspieligen, aber zu den noblen und fürs Lesepublikum wichtigen Formaten gehört, und dass ihre Stunde derzeit schlägt, wie auch die Stunde des anspruchsvollen öffentlich-rechtlichen Fernsehens schlägt. Der NDR hingegen macht darauf aufmerksam, dass es ja schon eine (1) Literatursendung in der ARD gebe, „Druckfrisch“. Enorm, was man bei dieser Berechnung (jeweils 1) alles wird einsparen können. Mutiges Argument insofern.

Unterdessen will/muss die Stadt die Reihe „Frankfurter Premieren“ zunächst im virtuellen Raum weiterführen. Dass die Wahl für die erste Nummer auf Ingo Schulze und seinen schon vielbeachteten Roman „Die rechtschaffenen Mörder“ (S. Fischer) fiel, war zwar mit Blick auf den Titel der Reihe ebenfalls kurios. Aber doch passend. Im Gespräch mit Alf Mentzer gibt Schulze einen Eindruck davon, wie all den Autoren der Frühjahrsnovitäten die Lesereisen fehlten, finanziell, aber auch um ihr Buch durch die Resonanz des Publikums besser kennenzulernen.

„Die rechtschaffenen Mörder“ ist dafür ein glänzendes Beispiel, denn die Einsamkeit der Lesenden angesichts des letztlich ungeklärten Todes des nach rechts driftenden Dresdner Antiquars Paulini ruft dringend nach Austausch und Beratung. Schulze selbst sagt über den mehrfach krass wendungsreichen Erzählverlauf: Er frage sich inzwischen, wie glaubhaft der Erzähler Schultze mit tz sei. Weiter kann das nach dem Verfertigen durch den Autor entstandene Eigenleben eines Romans kaum gehen.

Natürlich kam das Thema auch auf Antiquariate: Orte, sagt Ingo Schulze, an denen man nicht das finde, was man gesucht habe, aber das, was man nicht gesucht habe. Das gilt auch für gute Buchläden und Buchsendungen. Oder galt für sie. Könnte weiter gelten.

Das 45-minütige Gespräch, das sogar einen Vorspann hat (fast wie im Fernsehen) und von der Kameraarbeit her trotzig harmlos wirkt, kann jeder mit Internetanschluss auf Youtube sehen. Weitere sollen in loser Reihe folgen.

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