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Literaturdienst - "Ankommen" von Bülent Ceylan
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Cover des Buches "Ankommen" von Comedian Bülent Ceylan (undatierte Aufnahme).

Spaß beiseite

In „Ankommen“ wählt Komiker Bülent Ceylan ernste Töne

Viele kennen Bülent Ceylan als Comedystar mit extralangen Haaren oder Sänger in Fernsehsendungen. In einem Buch befasst er sich nun mit Dingen, die ihn prägen und beschäftigen. Keine leichte Kost.

Mannheim - Mit Hallentourneen und TV-Shows hat sich Bülent Ceylan in den vergangenen Jahren einen Namen als Komiker gemacht - in seinem tiefgründigen Buch „Ankommen“ ist aber schnell Schluss mit lustig.

Offen und oft schonungslos erzählt der 45-Jährige unter anderem von dem schwierigen Aufwachsen im Mannheimer Arbeiterviertel Waldhof, der schmerzlichen Sehnsucht nach Anerkennung und seiner Auseinandersetzung mit Politik und Religion. Humor fehlt zwar nicht völlig. Wer das Buch jedoch als eine Art schriftliche Zugabe von Ceylans Spaßprogramm versteht, wird mindestens überrascht.

Der jüngste Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters muss früh gegen Klischees kämpfen. Bei der türkischen Verwandtschaft ist er der Deutsche, bei seiner deutschen Schulklasse der Türke. Und dann noch dieser Vorname. „Er war mir auf eine Art genauso fremd wie meinen Lehrern, unseren Nachbarn oder den anderen Kindern“, schreibt Ceylan. Er nennt sich schließlich Billy. Ein anderes Problem bleibt. Er wird von Mitschülern geschlagen und gedemütigt. Eltern und Lehrern erzählt er nichts davon. „Ich fraß alles in mich hinein.“

Verletzungen wurden zu Narben

Jahre später bittet einer der Übeltäter ihn am Rande einer Show um Verzeihung. Das habe gutgetan, meint Ceylan. Die Verletzungen von damals sind zu Narben geworden. Verheilt sind sie nicht. „Es ging über viele Jahre, es war schlimm, es zerfraß mich innerlich.“ Er rächt sich mit Lerneifer. „Es verschaffte mir schon als Zehnjähriger eine unendliche Genugtuung, dass ich bessere Schulnoten hatte als die Jungs, die mich verprügelten.“ Auch in der Oberstufe ist es nicht leicht - bis er bei Schulfesten Boris Becker und Helmut Kohl parodiert. Der Saal tobt. Erst mit Witzen wird er ernst genommen.

Einfühlsam schildert Ceylan seine Aufsteigerträume. Der Sohn eines Betonmischer-Fahrers aus Anatolien und einer aus Budapest geflohenen Ungarndeutschen will es als Komiker schaffen. Ohne große Längen berichtet er im Buch von einer fast zehn Jahre langen Ochsentour durch kleine Clubs und Provinztheater. Die Angst vor dem Scheitern ist ein ständiger Begleiter - aber auch jenes Durchhaltevermögen, das ihn schon in der Schule das Mobbing ertragen ließ. 2009 kommt mit großen Shows und TV-Auftritten der Durchbruch. Der Zweifel allerdings lässt ihn nicht los. „Bin ich in meinem Leben wirklich angekommen?“

Seltene Einblicke

In seinem Buch gibt Ceylan seltene Einblicke in sein persönliches Leben. Zum Beispiel Religion: Er wusch seinen gestorbenen Vater nach islamischer Bestattungskultur, erzählt von einem spirituellen Erlebnis in einem Hotelzimmer und ließ sich taufen. Oder Familie: Eine erste, frühe Ehe scheiterte. Heute lebt er mit Frau und zwei Kindern bei Mannheim. Oder Karriere: Neben dem Erfolg gab es Niederlagen. TV-Formate floppten. Der Kartenverkauf war mancherorts schon mal höher. Und natürlich die Pandemie, die auch Ceylan stoppte.

Um dem Buch die Schwere zu nehmen, gibt es augenzwinkernde Dialoge des Ehepaars Ceylan und ein Kapitel mit Fragen und Antworten, in dem es auch um eins der Markenzeichen des Künstlers geht: seine langen Haare - die er an den Schläfen schwarz nachfärbt, wie er berichtet.

„Ankommen“ ist ein ernsthaftes Werk, das die öffentliche Figur Bülent Ceylan mehr als nur ergänzt. Oder, wie er es selbst nicht ohne Schmunzeln ausdrückt: „Das hier soll das Buch eines Komikers sein?“ dpa

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