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Im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin.
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Im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin.

Literatur

Und immer noch winkt Italien

  • VonCornelia Geissler
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Drei Bücher, in denen Berlin eine Rolle spielt, von Eva Sichelschmidt, Rudolph Herzog, Johannes Groschupf.

Tagmenschen mit Geheimnissen: Aus sieben Episoden besteht dieses Buch, die eigentlich sieben Kurzgeschichten sind, sie hängen zusammen durch ihren Handlungsort: Berlin. Rudolph Herzog, als Filmautor längst erfolgreich (er ist übrigens der Sohn Werner Herzogs), legt hier ein eigenwilliges und atmosphärisch starkes Debüt vor. In jeder der Geschichten beginnt er an einer Oberfläche in unterschiedlichen Milieus wie etwa in einem von Gentrifizierung betroffenen Viertel, in der Partywelt oder in einem Start-up zu erzählen. Auch wenn er ein paar Klischees reinmischt, wirken die Szenen lebendig. Und dann blickt der Autor tiefer, um unter den Erfolgsgeschichten oder hinter den Schädeldecken der Hipster Geheimnisse zu finden. Geheimnisvolles auch, denn „Truggestalten“ heißt sein Buch. Denn es sind zum Teil gruselige Erscheinungen und Begebenheiten, die seinen Figuren zu schaffen machen. Hinterlassenschaften des letzten Krieges sind dabei, auch Narben, die die Staatssicherheit zufügte. Fragen drehen sich dann im Leserkopf weiter.

Familienmenschen vorm Neustart: Den Stadtbezirk, in dem sich die folgende Szene abspielt, erkennt man sofort: Familien kehren von ihren Wochenenden im Umland zurück, suchen nach den raren Parkplätzen. „Blaue Ikea-Taschen versperren die Gehwege, und jammernde Kleinkinder wurden eilig in die Wohnungen getragen...“. Na klar, es ist Berlins Prenzlauer Berg. In ihrem ersten Roman erzählt Eva Sichelschmidt mit Kennerblick von Menschen in den Dreißigern und Vierzigern, die von großen Plänen reden und immer in irgendwelchen Projekten hängen, sich aber in ihrer Lebensplanung verhakelt haben. Die Kinder, durchaus gewünscht, muss man nicht nur verpflegen, beaufsichtigen, sondern für sie auch noch die besten Schulen finden. Und wie startet eine Mutter als Frau wieder durch? Wirken ihre Reize noch? „Die Ruhe weg“ hat die Hauptfigur Marlies eigentlich nicht, eher ist ihre Ruhe weg. Ein Ausweg winkt im Sehnsuchtsland der Deutschen, in Italien.

Nachtmensch mit Ängsten: „Du hast Angst vor Berlin“, sagt Jule in Hamburg zu Lennart. Er streitet es ab. Doch auch wenn er sonst nichts mehr weiß, spürt er doch, dass die Träume, die ihn jede Nacht bis zum Angstschweiß führen, zu dieser Stadt gehören. Nicht zur trüben Heerstraße oder dem funkelnden Fernsehturm, wo er schließlich mit Jule entlangfährt. Ihre eigentliche Tour beginnt im Club Berghain, wo sich sein Körper an die Musik erinnert und seine Nase an die Menschen, die er für Freunde hielt. Johannes Groschupf führt in seinem schnellen, dicht erzählten Roman „Lost Boy“ einen Jungen durch Berliner Nächte, von denen tagsüber nicht gesprochen wird. Am Innsbrucker Platz sucht Lennart den geheimen U-Bahnhof wieder auf, wo die Wurzel seiner Ängste liegt. Hier, wo einst für die U-Bahnline 10 geplant wurde, setzte sein Hirn aus. Die Orte stimmen, Johannes Groschupfs Buch ist mithin ein dunkler Stadtführer.

Eva Sichelschmidt: Die Ruhe weg. Knaus, München 2017. 320 Seiten, 19,99 Euro.

Rudolph Herzog: Truggestalten. Galiani, Berlin 2017. 256 S., 20 Euro.

Johannes Groschupf: Lost Boy. Jugendbuch ab 14. Oetinger, Hamburg 2017. 240 S., 12,99 Euro.

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