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Auch Schafs-DNA ist noch ziemlich unerforscht.
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Auch Schafs-DNA ist noch ziemlich unerforscht.

"Dolly ist tot"

Immer noch eine Art Blackbox

Die Biotechnologie in der Krise: Vor fünf Jahren starb das walisische Bergschaf "Dolly", von schweren chronischen Krankheiten geplagt.

Von MATTHIAS-MARTIN BECKER

Vor fünf Jahren starb das walisische Bergschaf "Dolly", von schweren chronischen Krankheiten geplagt und nach kurzem Leben schließlich eingeschläfert. Ein zweifelhaftes Vergnügen offenbar, einen wissenschaftlichen Durchbruch zu verkörpern. Immerhin, das Tier lebte, während 277 Versuche vor ihm scheiterten. Wenn heute Wissenschaftler tierische Eizellen mit Zellkernen verschmelzen, liegt die Erfolgsquote etwas höher; von gezielter Züchtung kann dennoch keine Rede sein. Klonen, sagte der Genetiker Robert Lanza vergangenes Jahr treffend, sei "letztlich immer noch eine Art Blackbox". Zwischen Versprechen und Leistung des reproduktiven Klonens klafft eine Lücke, die so weit ist wie die von Paracelsus zu Darwin.

Für den profilierten Gentechnikkritiker Christoph Then ist die Krise der angewandten Genetik die notwendige Folge ihrer falschen Ausgangsbedingungen: Lange herrschte ein strikt lineares Modell vor, demzufolge alle wichtigen Erbinformationen in der DNA gespeichert sind, die die Produktion der Proteine steuert. Die wiederum bestimmen die Eigenschaften des entstehenden Lebewesens. Verantwortung und Kompetenzen sind in diesem Bild klar verteilt, nur: Vererbung funktioniert so nicht. Beispielsweise regulieren DNA-Abschnitte, die selbst keine Proteine "codieren", die Funktion anderer Gene, ebenso die so genannte Epigenetik. Die Bedeutung eine DNA-Abschnitts kann ohne seine Umgebung gar nicht definiert werden.

Was in der Grundlagenforschung mittlerweile unumstritten ist, lässt sich (noch) nicht technisch anwenden, das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen der Genregulation ist in weiten Teilen unerforscht. Deshalb, argumentiert Then, der auch bei Greenpeace aktiv ist, müsse die Beweislast umgekehrt werden: Die Befürworter der Gentechnik sollten nachweisen, dass ihre Eingriffe in den evolutionären Prozess keine schädlichen Folgen haben - was vorerst das Ende der meisten Anwendungen bedeuten dürfte.

Die Rollenverteilung in Thens biopolitischem Drama ist schlicht: hier traditionelle Kleinbauern und Züchter, dort eine skrupellose Agro-Industrie, die ihre Zentrale, wo sonst, in den Vereinigten Staaten hat. Einen wesentlichen Aspekt aber macht er klar: Die Biotechnik weiß nicht, was sie tut, und tut es dennoch.

Christoph Then: Dolly ist tot.

Biotechnologie am Wendepunkt.

Rotpunktverlag,

Zürich 2008, 290 Seiten, 22 Euro.

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