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Heiner Bastian

„Ich selbst nur Bilder von Bildern“

  • vonPeter Iden
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Zu Heiner Bastians Gedichten „Und Morgen/Morgen/Und Morgen“.

Die Lektüre der Essays von Heiner Bastian zu Werken der Kunst ist aus Respekt vor der kaum je eindeutig möglichen Analyse der thematischen Vorgaben kein Leichtes. Jedoch immer ergiebig – ob sie die Aufmerksamkeit auf Joseph Beuys verpflichten, dessen Bedeutung Bastian als einer der Ersten erkannte, auf die Abenteuer der frühen Jahre von Andy Warhol oder auf das provokante Wagnis der Skulpturen von Maurizio Cattelan. Im Durcheinander der häufig problematischen Meinungen und Entscheidungen der Kulturpolitik besonders in Berlin waren und sind die Interventionen Bastians bestimmt durch seine unbedingte Unabhängigkeit von politischen Machenschaften. Seine inzwischen aufgegebene Galerie im Museumsbezirk war eine erste Adresse der zeitgenössischen Moderne. Im Museum Hamburger Bahnhof ist anzusehen, was Bastian als maßgeblicher Berater des Sammlers Marx für Berlin gewonnen und dem Publikum zugänglich gemacht hat. Ein beträchtliches Konvolut der eigenen Sammlung hatte die Familie dem damals von Ingrid Mössinger geführten Museum in Chemnitz zum Geschenk gemacht.

Soeben liegt nun – wegen der Differenzen zwischen zwei Verlagen verspätet ausgeliefert – ein schmaler Band von Beobachtungen, fragmentarischen Erinnerungen, erkenntniskritischen Reflexionen Heiner Bastians vor, die er dem Genre des Gedichts zudenkt. Er verfolgt dabei Anregungen aus einem großen Fundus von Erfahrungen mit Menschen und Bildern, mit historischen Vorgängen, zeitnah sehr persönlichen Situationen wie der bisweilen anklingenden Geschichte einer Liebe und literarischen Bezügen.

Das Buch:

Heiner Bastian: „Und Morgen/Morgen/Und Morgen“. Gedichte. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2020. 30 S., 12 Euro.

Trotzig hervorgehoben

Bereits der Titel „Und Morgen/ Morgen/ Und Morgen“ nimmt, mit einer Umstellung, eine Zeile aus dem fünften Akt von Shakespeares „Macbeth“ auf: Dem Königsmörder wird, kurz bevor er selbst erschlagen wird, die Nachricht vom Tod der an dem Verbrechen beteiligten Lady Macbeth überbracht, sie hätte, sagt er (in der von Dorothea Tieck ausgehenden Übersetzung) „später sterben sollen: gekommen wär’ die Zeit für solch ein Wort. Das Morgen, Morgen, immer wieder Morgen (im Original „To-morrow, and to-morrow, and to-morrow“) kriecht so im kleinen Schritt von Tag zu Tag, hin bis ans letzte Wort gekannter Zeit …“ Die Veränderung Bastians hebt das mittlere „Morgen“ trotzig heraus – Ernst Bloch hätte den Eingriff vielleicht als ein Hoffnungszeichen gewertet.

Es gilt aber die Hoffnung des Autors, er bezeugt es in den „Gedichten“ mehrmals, weit weniger der Zukunft als dem Jetzt. An einem griechischen Sommermorgen auf der Insel Despotiko mit den Ruinen des Apollo-Tempels 500 v. Chr. – „wenn du diese Höhen aufsuchst, wirst du verstehen/dass jeder Augenblick jetzt heißt, nur jetzt“. Gang und Wesen der Zeit, das immerzu Fremde an ihr sind ein wiederkehrendes Motiv. Es eignet der Zeit, was an anderer Stelle auch der Sprache zugeschrieben wird: „…eine innere Ordnung die in Begriffen sich/nicht fassen lässt“. Zitiert wird die Definition Ludwig Wittgensteins, das Unsagbare sei das, „was sich zeige im Sagen des Sagbaren“. Damit in einer literarischen Traditionslinie der Moderne, die zurückreicht bis zu T. S. Eliots „The Waste Land“, stoßen die Texte Bastians an Sprachgrenzen: „Was spricht in uns, wenn wir von uns sprechen?“

Auch die in einer anderen als der verbalen Sprache sich ausdrückenden Werke der Malerei erlösen nicht von Shakespeares „Marterbank des Denkens“. Einige der Texte, die sich beziehen auf Bilder von Tizian, Velazquez und Goya, Munch, Cy Twombly und dem lebenden Ulrich Erben, sind sehr empfindliche Reaktionen einer über lange Zeit hin eingeübten Wahrnehmung. Derart intensiv, dass der Autor die eigene Identität darin bestimmt findet: „Ich selbst nur Bilder von Bildern“.

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