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Ich Ich Ich

Kleinkunst-Literatur: Frank Goosens gesammelte Prosa erzählt von Etappen der Adoleszenz

Von OLIVER FINK

Auch Frank Goosen, Jahrgang 1966, tummelt sich im Feld derer, die ihre Generation am liebsten in einem kunterbunten Koordinatensystem aus Limonaden, Fernsehsendungen, Schallplatten oder Automarken verortet sehen, geprägt zugleich durch das zwiespältig empfundene Erbe von 1968 und die nicht enden wollende Kanzlerschaft Helmut Kohls. Schon in zwei Romanen hat Goosen seine Helden zwischen diesen Bezugspunkten hin und her stolpern lassen, sein bevorzugtes Interesse galt dabei der Begegnung mit dem weiblichen Geschlecht. Die jetzt erschienene Sammlung "komischer Geschichten"wirkt bezogen auf diese beiden literarischen Vorgänger wie eine Art Resteverwertung, wogegen prinzipiell aber nichts einzuwenden ist.

Pommes frites und Spüli

Mein Ich und sein Leben beginnt stark. Die beiden ersten Kapitel "Bevor ich Ich war" und "Wie ich Ich wurde" versammeln bereits veröffentlichte, zum Teil aber auch noch unveröffentlichte Texte, die sich episodenhaft gar zu einem kleinen, offenbar autobiographisch gefärbten Entwicklungsroman zusammensetzen. Es fängt an mit den aufgeschnappten Geschichten der Großeltern, Onkels und Tanten ("Er hatte im Krieg ziemlich was auf die Mütze bekommen"), geht weiter mit der existenzstiftenden Liebesgeschichte der Eltern (rührend!) und mündet schließlich in die Stationen adoleszenten Daseins des immergleichen Ich-Erzählers bis zum Abitur. Begleitet werden sie zumeist von denselben Figuren ("Spüli, Pommes, Mücke"), obwohl diese Texte zu ganz unterschiedlichen Anlässen geschrieben und an ganz unterschiedlichen Orten publiziert worden sind. Der innere und äußere Werdegang des Ich führt tiefenpsychologisch zwar nicht sehr weit, ist dafür aber streckenweise ziemlich flott, geradlinig und witzig erzählt.

Frank Goosens humoristische Stärken liegen eindeutig im Bereich der Zote, seine Komik beruht in erster Linie auf Effekten: Sprachwitz, gut gesetzte Pointen, wirkungsvolle Sottisen. Daher stört es auch nicht, dass der Autor unverhohlen dem Klischee huldigt, seine Erzählungen nicht sonderlich originell zurechtzimmert und er bei Personalfragen mehr auf Stereotypen als auf individuelle Sonderlinge setzt.

Der erste Kuss, das Mysterium des zunächst noch aus der Distanz erfahrenen Geschlechterverkehrs, Tanzstunde, Lehrer, Mitschüler, Schullandheim - ein Sammelsurium altbekannter Jungmensch-Erlebnisse kommt da zum Einsatz, dargeboten von einem, dessen nicht immer gute Erinnerungen - an sich und seine Zeit - ganz im Zeichen des befreienden Gelächters stehen. Und abgesehen von ein paar Albernheiten und unvermeidlichen Kalauern verfehlen Goosens beste Lachvorlagen ihre Wirkung nicht.

Nach den ersten beiden Kapiteln - etwa der Hälfte des ganzen Buchs - franst die Sache allerdings ein wenig aus: Der begonnene Entwicklungsroman wird zwar bis in die Jetzt-Zeit durch mehrere Episoden fortgesetzt (Studium, Heirat, Dia-Abend). Doch dazwischen schaltet der Autor viele andere Texte, womit Schluss ist mit Homogenität und Geschlossenheit. Der Leser wird zwar belohnt mit einer Erweiterung der literarischen Ausdrucksmöglichkeiten - "Moderne Menagen" etwa ist eine hübsche und virtuose Etüde zum Thema "Wer mit wem?".

Experte der Zwanziger

Leider befinden sich in dieser zweiten Hälfte von Mein Ich und sein Leben aber auch die eher misslungenen Stücke: Manche Nummern, die aus Goosens Kleinkunstbühnen- Programmen stammen, wirken in ihrer schriftlichen Form oft nur albern, generell bleibt die Lebenswelt des gewordenen Ich auf diesen Seiten ein wenig unkonturiert.

Aber vielleicht ist der Autor ja auch mehr ein Experte für die ersten zwanzig Jahre seines Lebens und dem seiner Generation. Wen oder was er sich in seinem nächsten Roman, den er hier schon mal ankündigt, vorknöpfen wird, dem muss man daher mit einem gewissen Bangen entgegensehen.

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