„Ich empfehle immer denen, die ,Lügenpresse‘ rufen: Lest doch mal eine Zeitung“, sagt Meyer
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„Ich empfehle immer denen, die ,Lügenpresse‘ rufen: Lest doch mal eine Zeitung“, sagt Meyer.

Literatur

„Ich habe ein tief verankertes Misstrauen gegen Gruppenzwang“

  • vonCornelia Geißler
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Der Schriftsteller Clemens Meyer im Gespräch über sein neues Buch, über den Wandel im Osten und die Corona-Zwangspause.

Clemens Meyer, wir kennen Sie als Autor, der deutsche Zustände der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit besichtigt. Ihr neuestes Buch „Nacht im Bioskop“ spielt jedoch in Novi Sad im Jahr 1942, wie kamen Sie darauf?

Vor einigen Jahren hatte ich ein Stipendium in Belgrad. Da ergab es sich, dass eine Figur in dem Romanprojekt, mit dem ich damals schon angefangen hatte, sich in Novi Sad aufhielt. Das ist eine Autostunde entfernt. Also begann ich zu forschen und stieß auf das Massaker vom Januar 1942. Dessen Besonderheit war, dass die Ungarn, die damals die Stadt besetzt hielten, ihre Opfer – Juden und Serben – unter das Eis der Donau steckten. Dafür wurden eigens in diesen Strom, der sonst nie zufriert, Löcher gesprengt. Damals herrschten minus zwanzig Grad. Die Donau musste die Leichen alle aufnehmen. Dieses Bild hat mich sehr beschäftigt.

Und dann schrieben Sie lieber eine Erzählung?

Nein, es ist im Prinzip, obwohl es wie ein eigenständiger Text wirkt, eine Art Auskoppelung, eine Vorveröffentlichung. Das Buch erscheint deshalb auch in Lizenz des S. Fischer Verlags, als bibliophile Ausgabe im Leipziger Verlag Faber & Faber. Der eigentliche Roman kommt in wenigen Jahren.

Was ist das für eine Figur, die Sie in dieses unwirtliche Umfeld geschickt haben?

Das ist der Mann im Wolfsmantel. Mehrere Figuren dieses Romanprojekts, das sich über Jahrzehnte erstreckt, haben immer wieder Berührungen zu einer Person. Bei mir heißt sie nur Dr. May, das ist Karl May, den ich zu einer literarischen Figur mache. Der taucht auch in der Erzählung auf.

Im Kino?

Ja, sie schauen im Bioskop „Durch die Wüste“, einen Film aus den dreißiger Jahren nach Karl May.

Haben Filme Sie zum Thema Krieg geführt? In Ihrer Rede für die Ruhrfestspiele, die Sie nicht dort halten konnten, die es aber als Video gibt, sprechen Sie unter anderem von Andrej Tarkowskis Film „Iwans Kindheit“. In den Frankfurter Poetikvorlesungen erwähnen Sie zum Beispiel „Geh und sieh“ von Elem Klimow. Beide spielen im Krieg.

Der Krieg steht hinter dem Roman, ja, abgesehen von der Figur des May, dieses Märchenerzählers. Aber nicht wegen der Filme. Das Motiv des Krieges schien mir als nächstes Sujet plausibel. Mein erster Roman, „Als wir träumten“ ist im Prinzip der Roman über die Jugend und den Wandel der Zeiten. Der zweite, „Im Stein“, ist ein Roman über den Sexus und die Gier, da führt schon der Weg in die Gewalt hinein. Beim dritten großen Roman müsste das Thema nun fällig sein. Da fragte ich mich schon, wie ich das mache. Krieg habe ich nicht selbst kennengelernt. Da musste ich mir verschiedene Spiegel ausdenken und überlegen, wie ich das breche und gleichzeitig als großangelegte Saga erzähle, mit kleinen Schicksalen und Figuren.

Zur Person

Clemens Meyer, 1977 in Halle/Saale geboren, hat am Deutschen Literaturinstitut in Halle studiert. Sein Debütroman „Als wir träumten“ erschien 2006 (inzwischen auch auf dem Theater gezeigt und von Andreas Dresen verfilmt). 2008 folgte der Kurzgeschichtenband „Die Nacht, die Lichter“, 2010 „Gewalten. Ein Tagebuch“, 2013 der Roman „Im Stein“ und 2019 die Erzählungen „Die stillen Trabanten“. Meyer schreibt auch Drehbücher. Er arbeitet mit dem Regisseur Thomas Stuber zusammen, mit dem er den Spielfilm „In den Gängen“ sowie den sensationellen Tukur-Tatort „Angriff auf Wache 08“ (2019) machte. Die Erzählung „Nacht im Bioskop“ erscheint in der zweiten Augusthälfte bei Faber & Faber in Leipzig.

Novi Sad ist 1999 noch einmal Kriegsschauplatz geworden.

Das spielt im weiteren Verlauf auch eine Rolle. Da müssen Sie sich gedulden. Die Donaubrücken wurden zweimal zerschossen. Ein Mann, der im Zweiten Weltkrieg 20 Jahre alt war, kann das locker wieder erlebt haben. Es war der erste Nato-Einsatz, an dem Deutschland sich beteiligt hat. Man begibt sich beim Scheiben im wahrsten Sinne auf vermintes Geländes.

Wenn wir zurückkehren zur Zeit Ihres ersten Romans, ist da auch schon die Gewalt präsent. Ein Redakteur der „Zeit“ nannte die frühe Nachwendezeit im Osten die „Baseballschlägerjahre“. Was halten Sie von dem Begriff?

Er trifft nur einen Aspekt. Man kann sie auch die Bananenjahre nennen. Die neunziger Jahre sind ein ziemlicher Irrsinn gewesen. Die Städte hier wurden saniert, natürlich auch durch Geschäftemacher wie den Baulöwen Schneider. Die Landschaften blühten zwar bald, aber anders als gedacht. Denn die Umwelt erholte sich ja, weil die Industrie verschwand. Die Leute wollten allerdings nicht nur die D-Mark, die hätten gern ihre Arbeitsplätze behalten. Und es gab Gewalt, aber da spielte es keine Rolle, ob es Baseballschläger oder Schreckschusspistolen waren oder nur die Fäuste. Aus dieser Atmosphäre ist auch der NSU entstanden – dort, wo es gerade noch einen antifaschistischen Staat gegeben hatte. Darüber ist noch gar nicht genug nachgedacht worden.

Und was denken Sie? Liegt es daran, dass die Völkerfreundschaft in der DDR nur behauptet worden ist oder weil in den 90ern so viel Fehler gemacht wurden bei der Einführung der neuen Strukturen?

Sowohl als auch. Die Versäumnisse der neunziger Jahre muss man ernstnehmen. Und ein verordneter Internationalismus kann eben nicht funktionieren. Eine öffentliche Debatte über Antisemitismus und Alltagsrassismus hat in der DDR nicht stattgefunden, weil beides nicht sein durfte. Nach 1945 sind zwar die führenden Köpfe entnazifiziert worden, doch der braune Bodensatz, der war noch da. Der wurde hochgespült, als 1989/90 Heerscharen von Agitatoren hierher kamen.

Agitatoren? Die gab es doch im Osten!

Neonazi-Agitatoren, geschickt vom Republikaner Schönhuber oder Michael Kühnens „Nationaler Alternative“, die suchten sich ihre Anhänger. Im Grunde ist es egal, ob es nun aus dem Westen gekommen ist oder im Osten gewachsen. Es ist ein Land, es ist ein deutsches Phänomen, wie eben auch die AfD nicht nur im Osten gewählt wird, auch wenn immer so über sie geredet wird. Da hat längst eine Verquickung stattgefunden.

Leipzig war die Heldenstadt der friedlichen Revolution. Hat es hier damals auch Nazis gegeben oder man hat sie nur nicht bemerkt?

Es gab sie, das kann ich sogar aus der Perspektive des Kindes von damals sagen. Ich hatte gleich 1989 eine Schülerzeitung gegründet. Meine erste Reportage war über Neonazis an der Schule. Damals standen hier Jugendliche in der Innenstadt, die schrien „Deutschland den Deutschen“. Schon 1990 wurden die vietnamesischen Bananenverkäufer durch die Stadt gejagt und die rumänischen Hütchenspieler. Dabei war Beate Zschäpes Vater selbst Rumäne. Aber heute muss ich sagen, haben wir in Leipzig schon eine Art Sonderstatus.

Wie meinen Sie das?

Hier ist die Stimmung nicht so gereizt. Als der Pegida-Ableger Legida demonstrieren wollte, kamen vielleicht 200 Leute, nicht mehr. Obwohl wir hier in den ersten Jahren auch an die zwanzig Prozent Arbeitslosigkeit hatten. Das Arbeitsamt war wie ein Dorf in der Stadt. Die Leute fuhren da in Scharen hin, standen Schlange, saßen, waren frustriert, man konnte das richtig fassen. Dennoch hat das hier nicht so verheerende Auswirkungen wir auf dem Lande.

Oder in Dresden.

Ja, Dresden ... Dort fühlt es sich ganz anders an als in Leipzig. Hier ist es weltoffener. Dresden ist die Landeshauptstadt. Dort sitzen immer noch die sächsischen Königstreuen und müssen ihre Gartenzwerge bewachen, so kommt es einem manchmal vor.

Wie kommt es, dass das Wort Lügenpresse häufiger im Osten fällt als im Westen?

Weil man hier keine Erfahrung mit Presse hat. Ich empfehle immer denen, die so etwas rufen: Kauft euch doch eine Zeitung und lest sie mal. Ihr könnt eine „taz“ kaufen oder die „Süddeutsche“, meinetwegen auch die „Junge Freiheit“. Der Höcke und der Meuthen von der AfD fürchten doch immer um die deutsche Leitkultur. Warum empfehlen sie denn ihren Anhängern nicht, dafür mal in die Bibliotheken zu gehen oder in die Buchläden? Da müsste doch die Kultur zu Hause sein. Aber ich finde auch, man muss andere Auffassungen ein bisschen besser aushalten, man sollte nicht jedes Mal schreien, wenn jemand einen rechtskonservativen Furz lässt.

Ist es wirklich möglich, dass Sie an Beate Zschäpes Flohmarkt-Stand Videokassetten gekauft haben, wie Sie sich einmal fragten?

Ich frage mich noch ganz andere Sachen: Nämlich auch, ob ich das selbst hätte sein können, durch irgendwelche Zufälle oder Umstände. Nun kam ich allerdings aus einem kirchlichen Elternhaus.

Und Sie gehörten nicht mal zu den Pionieren, was ja nicht einfach war in der DDR.

Das stimmt, wir waren nur drei in der Klasse. So habe ich früh gemerkt, wie man Druck ausgesetzt werden kann. Ich habe ein tief verankertes Misstrauen gegen Gruppenzwang.

Hat Sie vielleicht auch die Literatur davor gerettet, bei den Rechten zu landen?

Tatsächlich habe ich damals sogar überlegt, ob es nicht möglich wäre, ein cooler Nazi zu sein. Dann wäre man auf der Seite der Stärkeren gewesen. Die Punker oder Anarchisten aus Connewitz, die lieber ihr eigenes Ding machen wollten, waren mir schließlich doch sympathischer. Und ja: Einen Zustand von Empathie, die Möglichkeit, sich in andere hineinzuversetzen, erreichen eher Menschen, die viel lesen. Dann schlägt man nicht so schnell jemanden zusammen.

In den Frankfurter Poetikvorlesungen, „Der Untergang der Äkschn GmbH“, sprechen Sie über viele Schriftsteller. Dass ein Unangepasster wie Wolfgang Hilbig Ihnen wichtig ist, war mir klar. Wie kommt es, dass Sie da auch über Autoren wie Erik Neutsch sprachen, die Sie nicht mehr hätten lesen müssen in den Neunziger?

Mein Vater hat mir eines Tages große Teile seiner Bibliothek geschenkt. Da standen die wichtigen Bücher aus der DDR alle. Ich habe mich im Laufe der Zeit eher als Enkel oder Nachkomme oder Sohn dieser Autorengeneration gesehen. Später habe ich auch gewisse Ahnschaften bei westdeutschen Autoren entdeckt, bei denen ich dachte, die gehören zur Familie, wie Jörg Fauser oder Hubert Fichte. Mit den Ostdeutschen wollte ich mich zumindest auseinandersetzen. Mich beschäftigte die Frage, was von denen überhaupt noch künstlerisch haltbar ist. Auch bei Erik Neutsch gibt es tolle Passagen, aber er hat sich später an die Kulturpolitik verkauft. Werner Heiduczek dagegen steht auf der anderen Seite, „Tod am Meer“ ist ein großer Roman, leider vergessen heute. Bei Faber & Faber sind die alle erschienen, in der DDR-Bibliothek. Und auch deswegen finde ich es schön, wenn ich nun auch ein Buch in dem Verlag mache.

Dieser Begriff DDR-Literatur wird von vielen Autoren abgelehnt.

Es ist nun mal ein anderes Schreiben gewesen als im Westen. Nur manche haben es genutzt, um mit ihrer Ästhetik drumherum zu schreiben wie Wolfgang Hilbig.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie als ostdeutscher Autor bezeichnet werden?

Das ist mir im Prinzip egal. Ich bin jetzt 43, Schriftsteller, ob ostdeutsch oder nicht.

Schriftsteller sind fast immer Heimarbeiter. Wie ist es Ihnen in der Corona-Zeit ergangene?

Nicht gut, muss ich sagen. Ich arbeite an dem großen Buch, der Vorschuss dafür ist längst geflossen, ich brauche also auch ein Tagesgeschäft. Auf der Leipziger Buchmesse hätte ich drei Veranstaltungen gehabt. Ich moderiere auch Kollegen, das macht mir nicht nur Freude, es gibt dafür ein Honorar, doch ist in den vergangenen Wochen alles abgesagt worden. Ein paar Fernsehsachen, für ich das Drehbuch geschrieben hatte, sind verschoben worden. Ohne die Hilfe der Sächsischen Aufbaubank hätte ich das nicht so einfach überstanden. Jetzt geht es erst langsam wieder los.

Haben Sie überhaupt schreiben können?

Ich dachte erst, wenn das öffentliche Leben zusammenbricht, habe ich Ruhe. Aber dann war immer Ruhe, ein komisches Gefühl. Es war leider nicht so, dass es da nur so aus mir herausgebrochen wäre. Dabei hatte ich ja den Stoff. Manchmal saß ich nur an meinem Schreibtisch mit einem Glas Whisky oder zwei und schrieb nur alibimäßig ein paar Sätze. Man hängt ein bisschen in der Luft, wenn das, wodurch man lebt, nicht da ist: Theater, Kino, Buchhandlungen. Und dann fragte ich mich auch, wer das überlebt. Wenn das alles verschwinden würde, was wird dann aus den Städten? Auch die Rennbahn hier, bei der ich als Vizepräsident des Rennvereins involviert bin: Hier fand nichts statt.

Wird die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Stuber weitergehen?

Wir sind in den Vorbereitungen für einen „Polizeiruf 110“ mit Peter Kurth, der spielt in Halle wird im November gedreht. Und nächstes Jahr gehen wir den Kinofilm „Die stillen Trabanten“ an. Aber machen wir uns nicht vor: Mit so einem Polizeiruf kann man ein bisschen Geld verdienen, bei einem Arthouse-Film wie „In den Gängen“ kann ich nichts zur Seite legen. Wir sind nicht in Hollywood, zum Glück.

Wenn Sie so ein Drehbuch schreiben, oder überhaupt wenn Sie schreiben, haben Sie das Gefühl, etwas über den deutschen Osten erzählen zu müssen?

Für mich ist das zweitrangig. Ich schreibe über Menschen, über Charaktere. Es geht mir viel mehr um die Verbindungen zwischen ihnen und wie sie miteinander interagieren, als um die Räume, in denen sie sich bewegen. In der Literatur ist es was anderes, da geht es mehr um die Sprache. Da frage ich mich, wie gelingt es dir, daraus ein Kunstwerk zu machen, das weit mehr erzählt als über den Osten. Es soll etwas Universales sein, also die ewige Geschichte von Liebe, Freundschaft und Tod, sage ich mal ganz pathetisch.

Wie entsteht dann das Kunstwerk genau? In der Erzählung „Nacht im Bioskop“ geht die Figur, der wir anfangs in einer konkreten Situation begegnen, durch die Stadt und gerät wie in eine Art Delirium. Bilder und Zeiten verschwimmen. Wie bekommen Sie das hin?

Ich versuche die einzelnen Teile eines Romans als abgeschlossenen Formen zu behandeln, und die haben natürlich ihre Gesetze. Wie das losgeht, sich entwickelt, und wenn da so eine Kreisbewegung herrscht, da frage ich mich auch: Von welcher Stelle kommt man zu einer anderen? Wenn sich zum Beispiel ein Mund öffnet, und ein Schrei kommt heraus und wandelt sich in das Schrillen einer Lokomotivpfeife. So kann ich Bögen ziehen. Das geht nicht dokumentarisch, denn das Grauen lässt sich nicht so einfach beschreiben. Deshalb wird es auch ausgespart. An so einem kurzen Stück, das vielleicht zwischen 35 und 40 Buchseiten lang wird, arbeite ich mehrere Monate. Weil man es nur auf eine besondere Art und Weise erzählen kann, dass es verschwimmt, dass es surrealistisch wird, dass die Filme reindringen.

Ist Ihre Sprache durch das Filme-Schauen geschult?

Wenn ich Bilder überblende, kommt das vom Film, harte Schnitte auch. Nicht zu sagen: Ich befinde mich jetzt dort, sondern einfach dorthin zu wechseln. Auch sonst ist vielleicht was hängengeblieben.

Und von wem lernten Sie? Andrej Tarkowski?

Es sind viele. Ich war Kinogänger schon als Kind. Seit ich alt genug war, alleine ins Kino zu gehen, bin ich gegangen, manchmal täglich nach der Schule, in den Ferien sowieso jeden Tag, auch mal mit meinem Vater. Nach der Wende machte hier ein Programmkino auf, das Kino im Grassi-Museum. Und ich habe mich auch zu Hause mit einer riesigen Videosammlung durch die Filmgeschichte geschaut.

Leipzig hatte schöne Kinos, das Studio-Kino, das Casino, das Capitol, in dem das Dokfilmfestival stattfand…

Das Casino-Kino wurde bald nach der Wende einfach geschlossen. Dass man das nicht unter Denkmalschutz gesetzt hat! Das Capitol hat lange durchgehalten, heute ist da ein Schuhladen drin. Da hätte ich mir mehr Sorgfalt gewünscht von dem jeweiligen Bürgermeister. Städte leben auch durch ihre alten Kinos.

Wenn so viel vergeht, was wünschen Sie sich für die Zukunft, wenigstens fürs nächste Jahr?

Erst einmal, dass die Buchmessen stattfinden. Und dann sollten wir unsere Schlüsse aus diesen Wochen ziehen. Denn man hat ja jetzt gesehen, was gefährdet ist: so ein Gut wie Bildung, so etwas wie Literatur, Theater und Kunst. Ich wünsche mir, dass erkannt wird, wie sehr eine Gesellschaft Kultur braucht, was natürlich Geld kostet, Subventionen. Ich wünsche mir, dass nicht nur die Talkshows mit irgendwelchen Idioten vollgemüllt werden, sondern dass man auch die Schriftsteller und Dichter ein bisschen in die Öffentlichkeit holt, damit die Leute die lesen. Und dass auch das Kino weiterlebt, dass das Streaming nicht alles kaputtmacht.

Interview: Cornelia Geißler

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