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Attentäter Doyle hat das Töten im US-amerikanischen Bürgerkrieg gelernt. Hier ein Bild von 1863, nahe Fredericksburg.
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Attentäter Doyle hat das Töten im US-amerikanischen Bürgerkrieg gelernt. Hier ein Bild von 1863, nahe Fredericksburg.

Noir

„Der Abstinent“ von Ian McGuire: Ein Ire, der in England seine Pflicht tut

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Ian McGuires historischer Noir „Der Abstinent“ erzählt auch vom Widerstand der Iren.

Die Unterdrückung der Iren durch die Engländer hat eine lange und unheilvolle Geschichte, sie brachte einen ebenfalls gewaltvollen Widerstand mit sich. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die sogenannten Fenians aktiv, Untergrund-Organisationen, die auch in England, Kanada, den USA für ein unabhängiges Irland kämpften. 1867 überfielen in Manchester Fenians einen Gefangenentransport, ein Polizist wurde dabei getötet. Am 23. November 1867 wurden drei angeblich an dem Überfall Beteiligte öffentlich gehängt, die Beweislage scheint dünn gewesen zu sein.

Diese überlieferte Hinrichtung ist Ausgangspunkt für Ian McGuires in Manchester und in den USA spielenden Roman „Der Abstinent“: Constable James O’Connor hat nach dem Tod seiner Frau so viel getrunken, dass er die letzte Chance bekam, abstinent zu werden und gleichzeitig von Dublin nach Manchester zu wechseln, wo man seine Vorgeschichte nicht kennt. So ist er nun ein misstrauisch beäugter irischer Polizist in einer englischen Stadt. „Ich tue meine Pflicht, Sir“, ist zwangsläufig einer seiner Standardsätze. Warum er seine Pflicht tut, obwohl man ihn drangsaliert, warum er zuletzt sogar nach Amerika reist, um einen irischen Attentäter aufzuspüren, bleibt sein Geheimnis.

Schon Ian McGuires Vorgänger-Roman „Nordwasser“ blieb beharrlich an der nachtschwarzen Oberfläche, war stark in der Beschreibung von Gewalt, Gestank, Kotze und Körperflüssigkeiten, verweigerte jede charakterliche und psychologische Deutung. Gewiss, O’Connor möchte auf keinen Fall zurück nach Dublin, wo ihn alles an seine Frau erinnert. Aber dann beginnt er doch wieder zu saufen, wird krank, wird ins Gefängnis gesteckt – und auch ein englischer Kollege und Freund kann ihm nicht mehr helfen. Was also treibt ihn an, lässt ihn dann auch noch seinen Neffen als Spitzel einsetzen und in Lebensgefahr bringen?

Das Buch:

Ian McGuire: Der Abstinent. Roman. Aus dem Englischen von Jan Schönherr. dtv Literatur, München 2021. 336 S., 23 Euro.

Als historischen Noir könnte man „Der Abstinent“ bezeichnen. Wie der US-amerikanische moderne Noir erzählt er von Männern, die ihren blutigen Weg gehen, weil sie glauben, ihn gehen zu müssen. Zwar gibt es reichlich Nebenfiguren, auf der einen Seite die britische Polizei, auf der anderen die in Manchester lebenden Iren, bei denen man eben nie genau weiß, ob sie mit den Attentätern sympathisieren, ob sie vielleicht gar selbst Anschläge planen.

Aber es läuft doch im Grunde auf ein Duell hinaus (das zuletzt ganz plötzlich und gleichsam im Off zu Ende geht), auf ein Duell zwischen O’Connor und dem irischstämmigen Stephen Doyle, der als Söldner im Amerikanischen Bürgerkrieg kämpfte und vielleicht einfach nicht wusste, wie man wieder „zivil“ werden, wie man aufhören kann mit dem Töten.

So lässt sich Doyle von Fenians in Manchester anheuern, um einen großen Anschlag zu verüben, einen, der die Engländer empfindlich treffen wird. Er kommt an und räumt erst einmal auf, unter denen, die James O’Connor in seinem Notizbüchlein stehen hat, weil sie ihn mit Informationen versorgen. Liegt es an seinem Alkoholkonsum, dass sich der Constable offenbar nicht einmal drei Namen merken kann?

Ian McGuire geht es auch in diesem Roman mehr um Atmosphäre als um Logik, mehr um das Symbolhafte, Schaurige, manchmal geradezu Biblische, als um Alltäglichkeiten. Mit breitem Strich trägt er Dunkelheit, trägt Schmerz, Blut, Grausamkeit auf, und für seine Figuren gibt es keine Erlösung.

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