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„Also trotteten sie zusammen los nach Nirgends.“

Marc-Uwe Kling

Ein Horn sagt nein

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Das sehr lustige und märchenhafte Buch der Känguru-Kapazität Marc-Uwe Kling.

Wer sich schon immer gewünscht hat, als Einhorn im Land der Träume zu leben, der kann aber hier mal sehen, wie das da auch manchmal nervt. Die schimmernden Silberseen. Der supersonnige Sonnenhügel. Der hübsche Herzwald. Die zahlreichen zauberhaften Zypressen. Das ist nämlich alles nicht nur ein Zuckerschlecken!

Die Erkenntnis verdanken wir Marc-Uwe Kling (Text), Astrid Henn (Illustration) und natürlich vor allem ihrem Neinhorn. Das wurde als Einhorn geboren, hat aber schon sehr bald keinen Bock mehr auf diesen ständigen Plüsch, das Rosarot, auf die allgegenwärtige Zuckerwatte und den überall lauernden Glücksklee. Das Neinhorn sagt zu allem nur noch: nein. Daher der Name.

Die Eltern machen sich selbstverständlich Sorgen und versuchen alles, um ihren kleinen Widerborst aufzuheitern, verschlimmern damit aber die Lage noch. Nein, das Neinhorn will eben nicht auf Kuschelwölkchen Mittagsschlaf halten und mit den sieben güldenen Feen im Blütenstaub tanzen. Nein! Zu allem Überfluss ist die ganze Geschichte in Versform angelegt, was dem Neinhorn irgendwann auch mächtig auf den Keks geht: „Ach, euer Lächeln, das ist euch doch ins Gesicht geleimt/Und mich nervt auch, dass sich jeder Satz hier immer reimen muss.“

Marc-Uwe Kling / Astrid Henn (Ill.): Das NEINhorn.- Carlsen. 48 S., 13 Euro.

Also bricht das Neinhorn eines Tages auf, da ist dann auch im Buch Schluss mit der Reimerei. Das Ziel heißt Nirgends und ist sogar auf der Karte eingezeichnet. Na ja, jedenfalls die grobe Richtung. Das Neinhorn trifft auf seinem Weg lauter ganz normale Leute, die nicht dauernd froh und glücklich sein müssen. Die allerdings auch sehr lustige Namen haben, wie beispielsweise der Waschbär, der immer „Was?“ fragt und daher der Wasbär ist. Mehr lustige Namen werden jetzt aber nicht verraten. Es ist nämlich viel interessanter, selbst dabei zu sein, wenn die Tiere mit den lustigen Namen im Buch auftauchen und sich auf ihre kauzige Art vorstellen. Eine Prinzessin ist auch dabei.

Kling hat schön recht, das Neinhorn von seinen süßlichen Fesseln zu befreien, er macht das höchst amüsant und auch ein bisschen rührend. Erfahrung mit aus der Reihe tanzenden Tieren hat er bereits in seinen berühmten und preisgekrönten Känguru-Chroniken um ein sprechendes Beuteltier gesammelt. Henn hat jede Menge Bilder-, Kinder- und Minibücher schön gemacht und ist aktuell mit „Emil im Schnee“ für den Huckepack-Bilderbuchpreis nominiert.

Am Ende diskutieren die Hauptdarsteller selbst, ob ihr Abenteuer eine Moral haben soll. Auf jeden Fall geht es in der Geschichte vom Neinhorn um Freundschaft und darum, dass man ruhig anders sein darf. Anderssein schadet nicht und muss niemanden davon abhalten, einen zu mögen, eigentlich eher im Gegenteil. (Ab drei Jahren)

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