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Besucht seine 53. Buchmesse: der renommierte Literaturkritiker, Autor und Veranstalter Heiner Boehncke. (Archivbild)
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Besucht seine 53. Buchmesse: der renommierte Literaturkritiker, Autor und Veranstalter Heiner Boehncke. (Archivbild)

Buchmesse Frankfurt

Hoffnung auf Demos

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Dem Frankfurter Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke geht es auf der Buchmesse viel zu ruhig zu. Er sieht die Freiheit der Kultur bedroht und hofft auf Spontan-Demonstrationen.

Mit klopfendem Herzen ist er 1962 zu seiner ersten Frankfurter Buchmesse gefahren. Der 18-jährige Schüler aus Rotenburg an der Fulda war aufgeregt, würde er doch endlich ganz eng mit der Welt der Literatur in Kontakt kommen, die er so liebte. Diese Aufregung, diese Begeisterung hat sich bis heute nicht gelegt. Heute besucht der renommierte Literaturkritiker, Autor und Veranstalter Heiner Boehncke seine 53. Buchmesse.

Und der 71-Jährige kann sich noch immer aufregen. „Noch nie war die Freiheit der Kultur so bedroht wie heute“, urteilt der Frankfurter Literaturwissenschaftler. Er wettert gegen das „Wüten des ‚Islamischen Staates‘“ und die „Steinzeit-Islam-Menschen“ aus dem Iran, die ihre Teilnahme an der Buchmesse abgesagt hatten – wegen der Einladung der Messe an den Autor Salman Rushdie. „Die Buchmesse war noch nie von so gefährlichen Kriegen und Krisen umgeben wie heute“, sagt der frühere Sprecher des Hessischen Rundfunks.

Angesichts dieser Bedrohung geht es Boehncke auf der Buchmesse viel zu ruhig zu. „Ich hoffe noch immer, dass es Spontan-Demonstrationen gibt“, sagt er.

Protest gegen Putin

Zum Beispiel gegen das Vorgehen des russischen Präsidenten in Syrien. „Es wundert mich, dass auf der Messe nicht schärfer gegen Putin demonstriert wird.“ Hier brauche es unbedingt eine konzertierte Protestaktion der Verlagsvertreter aus mehr als 100 Staaten: „Sie müssten die Buchmesse als internationales Forum ausnutzen, das viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.“

Früher sei die Buchmesse der Ort des „intellektuellen Diskurses“ gewesen – „heute gibt es diese grundsätzlichen Debatten hier nicht mehr, alles ist viel segmentierter“.

Der langjährige Kenner urteilt scharf: „Die Messe ist in erster Linie eine Verkaufsmesse geworden, das Geschäft steht im Vordergrund.“

Dass Buchmessen-Direktor Juergen Boos Flüchtlinge zum Besuch der Buchmesse einlädt, nennt Boehncke „eine nette Geste“. Tatsächlich sei aber der Zugang zu Büchern und anderen Medien „nicht das größte Problem“ der Hunderttausenden von Menschen, die derzeit nach Deutschland kämen.

Grundsätzlich begrüßt der Autor zahlreicher historischer Bücher den öffentlichen Einsatz des Buchmessenchefs für das freie Wort. „Doch der Direktor geht nur deshalb hier voran, weil von den Verlegern und den Verlagen selbst nichts kommt.“

Dass die diesjährige Frankfurter Buchmesse ein besonderes politisches Gewicht entwickelt, wie von Direktor Boos behauptet, kann der Literaturkritiker „bisher nicht erkennen“. Es gebe lediglich „eine Flut von Büchern“ zu den verschiedenen Aspekten des Islam und des Islamismus.

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