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Bei Shakespeare und Tyler gilt es, eine Frau "unter die Haube" zu bringen.
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Bei Shakespeare und Tyler gilt es, eine Frau "unter die Haube" zu bringen.

Anne Tyler „Die störrische Braut“

Die Hochzeit und die Mäuse

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Die Amerikanerin Anne Tyler lässt Shakespeares „Widerspenstige“ im heutigen Baltimore leben und lieben.

William Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ ist heutzutage eine heikle Sache. Denn sie legt, jedenfalls ohne einen mehr oder weniger dezenten Eingriff eines Regisseurs, allzu nahe, dass eine Frau, die nicht heiraten will, gefälligst „gezähmt“ gehört. Psychologischer und anderer Druck wird auf die störrische Kate ausgeübt, und das nicht zu knapp. Sie knickt am Ende freiwillig ein, gewiss, aber Petruchio ist doch ein gehöriger Macho.

Vor dem Problem, eine selbstbewusste Heldin zu beschreiben, die trotzdem einen Mann braucht und schließlich auch will, stand nun die amerikanische Schriftstellerin Anne Tyler, die in ihren Romanen eine ebenso behutsame wie präzise Beobachterin durchschnittlicher, unspektakulärer Familienverhältnisse ist. Denn Tyler hat sich als dritte eingereiht in die Shakespeare-Reihe des britischen Hogarth-Verlags, der bekannte zeitgenössische Autoren gebeten hat, Stoffe Shakespeares in Romanform ganz neu zu fassen. Jeanette Winterson und Howard Jacobson starteten mit dem ?Wintermärchen? und dem ?Kaufmann von Venedig?, Tyler suchte sich die „Widerspenstige“ aus. In Deutschland veröffentlicht der Knaus-Verlag ebenfalls nach und nach die achtteilige Reihe.

Eine heitere, unkomplizierte kleine Lektüre ist „Die störrische Braut“. Freilich kann selbst eine so hellsichtige Menschenzeichnerin wie Anne Tyler nicht ganz einsichtig machen, warum Kate Battista, kluge und praktisch veranlagte Tochter eines Wissenschaftlers – Vater Louis forscht an der Johns Hopkins University über Autoimmunerkrankungen –, sich doch recht zügig Pjotr Shcherbakov ergibt, dem Assistenten ihres Vaters. Der für seine Arbeit mindestens ebenso viel Leidenschaft zu empfinden scheint wie für die Tochter seines Chefs. Ihm ist es wichtiger, die entführten Labormäuse wiederzufinden, als pünktlich zu seiner Hochzeit mit Kate zu erscheinen.

Anne Tyler, Jahrgang 1941, transportiert die Handlung in ein heutiges Baltimore. Kate führt ihrem Vater den Haushalt und hilft außerdem in einem Kindergarten aus. Ihre 15-jährige Schwester Bunny, eigentlich Berenice, ist blond und sehr hübsch und ein bisschen dumm. Der Nerd-artige Nachbarjunge Edward spielt bereits eifrig den Nachhilfelehrer für Spanisch und korrigiert seine Schülerin, Schwester Kate sei nicht „un zicko“, vielmehr „una zick-A“. Zum Kuppler aber wird Kates Vater natürlich nicht, weil die ältere Tochter vor der jüngeren unter die Haube soll, sondern um seiner „brillanten“ rechten Hand Pjotr den Aufenthaltsstatus zu sichern (da ist der Roman ganz auf der Höhe der Zeit). Eine Scheinehe muss her. Oder doch nicht?

Denn Pjotr sieht immerhin auf eine blonde, stattliche, polnische Weise gut aus und hat auch andere Vorzüge: „Es hatte etwas Befreiendes“, denkt Kate, als sie ihn kennenlernt, „mit einem Mann zu reden, der des Englischen nicht hundertprozentig mächtig war.“ Seine Komplimente macht er darum (er muss sie erst irgendwo aufschnappen), „wie eine Katze, die eine erbeutete Maus präsentiert“. Kate kann dem was abgewinnen. Ein wenig schwankt sie noch in Richtung des melancholisch-dunkeläugigen Kindergarten-Kollegen, der selbstgebastelte Traumfänger verschenkt. Aber am Ende lässt Tyler sie die richtige Entscheidung treffen – wie ein „Epilog“ zeigt, der elf Jahre nach der überstürzten, chaotischen (die Mäuse, die Mäuse!) Hochzeit spielt.

„Die störrische Braut“ ist, was sonst, eine Liebeskomödie in Romanform, von Anne Tyler mit zarten Ironien versehen. Aber doch eher ein Nebenwerk einer großen amerikanischen Autorin.

Anne Tyler: Die störrische Braut. Roman. Aus dem Englischen von Sabine Schwenk. Knaus 2016. 229 S., 19,99 Euro.

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