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Krimi

Von Hippies und Klotzköpfen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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68er in der Provinz: Chaplets neuer Krimi

Groß-Roda ist wieder da. Ulla Abel fegt und macht Nudelsalat, Paul Bremer radelt und sorgt sich um die Nachbarn, Ortsvorsteher Wilhelm hustet und kümmert sich, Fanny bringt das Bier auf den Tisch, Kommissar Gregor Kosinski ist pensioniert und schreibt "Eine Chronik von Groß-Roda und Umgebung". Anne Chaplet ist zurückgekehrt zu ihren Krimi-Wurzeln, diesem Ort, der so gut erfunden ist, dass es ihn irgendwo im Oberhessischen geben muss. Und sie scheint zurückgekehrt zu eigenen Erinnerungen.

Denn es geht in "Schrei nach Stille" unter anderem darum, wie Ende der sechziger Jahre die rechtschaffenen Groß-Rodaer darauf reagieren, dass "Blumenkinder" in ihr Dorf ziehen. Drei junge Leute, ein Mann, zwei Frauen, die "freie Liebe" propagieren und auch mal ein besonderes Kraut rauchen. So weit musste man auch noch spät in den Siebzigern gar nicht gehen auf dem Land, um größter, vermutlich aus Verunsicherung geborener Intoleranz zu begegnen.

Eine der beiden jungen Hippie-Frauen von Groß-Roda ist damals spurlos verschwunden, die Polizei konnte den Fall - wenn es denn einer war - nicht aufklären. Anne Chaplet, die gern die Verbrechen der Gegenwart aus dem Unrecht der Vergangenheit entstehen lässt, schickt sozusagen einen Katalysator ins Dorf, eine Autorin namens Sophie Winter, deren 68er-Buch gerade verfilmt wird.

So raffiniert bringt Chaplet alte und neue Figuren ins Spiel, dass man Begegnungen und Handlungswendungen fast dem Zufall zuzuschreiben bereit ist. Ein neuer, sympathisch bedachter Ermittler ist plötzlich auch da, dabei sollte Giorgio DeLange, alleinerziehend und auf dem Abstellgleis, nur die Filmcrew bei den Polizeiszenen beraten.

Am besten aber gefällt, wie umsichtig die Frankfurter Autorin Konflikte beschreibt: Die Angst im Dorf, das Fremdeln, die über die Stränge schlagende Abwehr - aber auch die Illusion, der sich die drei jungen Leute hingeben, wenn sie glauben, sie könnten "frei" lieben, ohne jemandes Seele zu verletzen. Anne Chaplet spricht niemanden frei. Und stellt niemanden an den Pranger. Aber wie sollte sie: Wir haben sie doch schon ins Herz geschlossen, die klotzköpfigen Groß-Rodaer.

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