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Abgelegen ist Alexanders Farm, bedrohlich findet Liese die Weite der Natur.
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Abgelegen ist Alexanders Farm, bedrohlich findet Liese die Weite der Natur.

Chloe Hooper „Die Verlobung“

Was ist hinter diesen Türen, die die Farbe saurer Milch haben?

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Zart gruseliges Geheimnis: Bei dem eleganten Psycho-Roman der Australierin Chloe Hooper wird ein Liebes-Spiel zum Indizienfall.

Ein ähnliches Psycho-Spiel, Gillian Flynns raffinierter Thriller „Gone Girl“, kommt gerade in die Kinos – davon ist Chloe Hoopers „Die Verlobung“ eine stillere, unblutige, aber nicht weniger spannende Variante. Ausgangspunkt beider Romane sind ein Mann, eine Frau, die sich, Zug um Zug, in eine vorteilhafte Beziehungsposition zu bringen versuchen. Sie spielen Rollen, erzählen Märchen (schnöder formuliert: sie lügen), sie haben zwar einerseits Spaß an der Täuschung, bringen sich andererseits damit auch selbst in Bedrängnis.

Während Gillian Flynn die Erzählperspektiven wechselt und den Leser dadurch ins Dilemma stürzt, wem er vertrauen soll, macht die Australierin Chloe Hooper eine  englische Architektin namens Liese zur alleinigen Ich-Erzählerin. Liese jobbt als Immobilienmaklerin, lernt dabei Alexander kennen, trifft sich bald regelmäßig mit ihm zu Besichtigungen – und hat dort, in leerstehenden Häusern und Wohnungen, Sex mit ihm.

Er bezahlt sie dafür, wie er ihr auch Geld dafür gibt, dass sie einige Tage mit ihm auf seine Farm kommt: Schließlich hat sie vorgegeben, seit Jahren auch als Prostituierte zu arbeiten. Für ein (Lust-)Spiel hält Liese diese Zusammenkünfte, jederzeit, glaubt sie, kann sie den Vorhang fallen lassen, kann sagen: aber ich bin doch gar keine .... Auf der abgelegenen Farm, in der Einsamkeit und Härte australischer Natur, begreift sie, dass Alexander seine Rolle eines Pretty-Woman-Retters verdammt ernst nimmt – und schon die Kinderzahl plant.

Ist Alexander ein Blaubart in seinem großen alten Farmhaus mit den vielen Türen – „Türen, die alle in der Farbe saurer Milch lackiert waren“? Sperrt er sie ein (so Liese) oder klemmt die Außentüre halt einfach nur (so Alexander)? Es ist ein Fall, der nur auf Indizien beruht; auch Liese selbst ist keineswegs sicher, dass sie sie richtig deutet. Denn dann wieder sitzt Alexander am Frühstückstisch wie „ein Modell hagerer Geradlinigkeit“. Sie, ist ihr nachts bibbernd klar geworden, hat ihn mit ihren Prostituierten-Geschichten in ihr „allerprivatestes Zimmer eingeladen. Einmal drinnen, hatte er meine Fantasie ergriffen und sie umgebogen.“

Chloe Hooper, geboren 1973, hat mit „Die Verlobung“ ihr erst drittes Buch vorgelegt (eins davon eine hochgelobte Reportage). Es bestechen hier die elegante, penible Rätselstruktur, die Freiheit von Sprachklischees, obwohl doch gängige Motive des Thrillergenres zum Einsatz kommen. Man fühlt mit Liese, man misstraut ihr aber auch gehörig. Und selbst wenn man vom Ende her zurückblättert, bewahren die „Verlobungs“-Ereignisse ihr zart gruseliges Geheimnis.

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