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Hillary Clinton.
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Hillary Clinton hat einen Roman mitverfasst (Archivbild).

Roman von Ex-US-Außenministerin

Thriller von Hillary Clinton und Louise Penny: „State of Terror“ – Von Terror und Freundschaft

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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„State of Terror“: Ex-Außenministerin Hillary Clinton und Schriftstellerin Louise Penny veröffentlichen einen gemeinsamen Thriller.

Auf Seite 94 notiere ich mir voller Bewunderung „So funktioniert Spannung!“ Die letzten zehn Seiten hatte ich kaum Zeit gefunden zu atmen, so war ich den Autorinnen auf den Leim gegangen. Sie hatten mich in einen Bus in der Nähe Frankfurts gesetzt. Es war klar, er würde in wenigen Minuten in die Luft gesprengt werden. Wie wenige Tage zuvor schon Busse in London und Paris mitsamt ihren Insassen und wie Menschen am Straßenrand Bombenattentaten zum Opfer gefallen waren.

Ich mag keine Politthriller. Sie erfüllen die engen Regeln eines Genres. Das ist nicht das, was mich beim Lesen interessiert. Politthriller werden bestimmt von den Tricks, mit denen Spannung erzeugt wird und den Vorurteilen, die wir Nicht-Politiker von der Politik haben. Eine Mischung, die mir im Kino gefällt – „Die drei Tage des Condor“ von Regisseur Sydney Pollack mit Robert Redford und Faye Dunaway zählt zu meinen immer wieder heruntergeladenen Filmen –, die mich aber eher davon abhält, ein Buch in die Hand zu nehmen.

„State of Terror“ von Hillary Clinton: Ein sehr guter Thriller

Hier aber war mein Anti-Thriller-Immunsystem zusammengebrochen. Der minutiösen Schilderung dieser Frankfurter Busfahrt mit tödlichem Ausgang war es nicht gewachsen und so erlag ich dem Spannungsvirus.

Dabei hatte ich den ersten Roman von Hillary Rodham Clinton mit sehr spitzen Fingern angefasst. Ein Roman über eine Außenministerin der USA, geschrieben von einer Ex-Außenministerin der USA, und einer der erfolgreichsten Krimiautorinnen der Welt, der auch in Deutschland viel veröffentlichten Kanadierin Louise Penny – das musste schon sehr gut werden, um erträglich zu sein. „State of Terror“, so der Titel auch der deutschen Ausgabe des Buches, ist sehr, sehr gut. Säße ich in einer Thriller-Jury, das Buch bekäme den ersten Preis.

Das Buch

Hillary Rodham Clinton/Louise Penny: State of Terror. A. d. Engl. v. Sybille Uplegger. HarperCollins. 603 S., 24 Euro.

Dabei stehen gleich auf Seite sechs zwei Sätze, die mich das Buch erst einmal zuklappen ließen: „Ihr Make-up war dezent und betonte ihre intelligenten Augen, ohne dass sie jedoch damit versuchte, ihr Alter zu verschleiern. Sie hatte es nicht nötig, so zu tun, als wäre sie jünger, aber älter erscheinen wollte sie auch nicht.“ Das ist nicht nur schrecklich bieder geschrieben, das ist auch eine gar zu dick aufgetragene Reklame der Autorin für ihre Heldin, die sie selbst ist.

Buch von Hillary Clinton: Geschichte von „State of Terror“ spielt nach Donald Trump

Aber dann siegte die Neugierde und ich griff wieder zum Buch. Jetzt geriet ich in eine andere Falle. Ich verwechselte die Außenministerin des Romans immer wieder mit der Außenministerin, die die Autorin des Romans ist. Von diesem Spiel lebt das Buch. Es bewegt sich immer auf beiden Ebenen. Nicht nur in den Köpfen von Leserinnen und Lesern. Sondern die Autorinnen sind viel zu klug, sich diesen Effekt entgehen zu lassen. Wenn es um Intrige und Verrat am Kabinettstisch geht, denkt man sich: Das sieht zwar aus wie in jedem anderen Politthriller, aber wenn es ganz und gar erfunden, nichts als das Spiel mit den Genreregeln wäre, dann hätte die Autorin, die doch weiß, was sein kann und was nicht, doch nichts hingeschrieben, das nicht wenigstens möglich wäre. Die politischen Debatten, an denen es genregemäß nicht fehlt, müssen doch der Autorin plausibel, also halbwegs realistisch vorkommen, sonst würde sie sie nicht schreiben.

So denken wir Unschuldslämmer. Vielleicht aber ist es gerade das Hauptvergnügen einer Ex-Außenministerin, die Realität lächelnd hinter sich zu lassen und schwimmen zu lernen in den ganz anderen Regeln folgenden Wassern der Fiktion.

Die Geschichte spielt nach Donald Trump. Der Präsident, der vier Jahre lang die USA ins Unglück gestürzt hat, ist abgewählt und jetzt gibt es eine neue Regierung. Hillary Rodham Clinton erzählt, wie viel Intelligenz, Mut und Witz nötig sind, um dem Terrorismus und dem Intriganten-stadl der heimischen Politik trotzend, das geliebte Land wieder auf die Beine zu stellen und zu einem zuverlässigen Bündnispartner zu machen. Das wäre eher ein Argument gegen das Buch, wenn es nicht so gut gelaunt vorgebracht würde.

„State of Terror“: Autobiographische Elemente in Thriller von Hillary Clinton

Es gehört zum Genre, dass die Autorinnen sich viele Gedanken über den Plot gemacht haben, um ihn dann so geschickt zu verstecken, dass wo immer sie ein Geheimnis lüften, der Blick auf ein nächstes freigegeben wird. Wie Matheaufgaben. Einfach nur begeistert zu sein, gelingt mir offenbar nicht. Aber zu dem Spiel von fact und fiction, das hier dank der partiellen Personalunion von Heldin und Autorin jederzeit eröffnet werden kann: Es ist wie beim Mühlespiel, in dem man, stehen die Figuren einmal richtig, nur noch gewinnen kann.

Kaum hat man sich klar gemacht, dass die Heldin ja gerade keine mit allen Wassern gewaschene Politikerin, sondern eine Seiteneinsteigerin aus der Medienindustrie ist, wird mit der Schilderung der misogynen Anfeindungen, denen sie ausgesetzt ist, die Beziehung der beiden wieder kurzgeschlossen. Ich habe dieses Spiel der Autorin mit ihrer Heldin sehr genossen. Natürlich hat „State of Terror“ nichts mit dem heute wieder so beliebten autobiographischen Schreiben zu tun. Dazu ist der Roman zu sehr ein Thriller. Aber Elemente davon sind überall spürbar und sie machen die Lektüre zu einem großen Vergnügen.

Hillary Clinton und Louise Penny: „State of Terror“ wird ein Weltbestseller

Es ist rührend, wie Hillary Rodham Clinton diesen Roman, der natürlich ein Weltbestseller sein wird, nutzt, um ihrer lebenslangen Freundin und Beraterin Betsy Ebeling in der Figur der Betsy Jameson ein Denkmal zu setzen. Jedes Mal, wenn sie oder wenn Louise Penny „Betsy“ schrieben, dann schrieben sie über Betsy Jameson, hatten aber dabei immer Betsy Ebeling vor Augen. Man spürt das. Die inzwischen verstorbene Freundin gibt dem Buch eine Wärme, die den Weg aus dem Leben in die Fiktion fand.

Der Gatte der US-Außenministerin im Buch ist tot. Hillary Clinton, danach befragt, antwortet lachend: „In den Thrillern, die Bill Clinton zusammen mit James Patterson schrieb, ist die Frau des Präsidenten tot. Ich denke, wir sind quitt.“ Das Schreiben hat ihr offenbar auf sehr vielen Ebenen – auch auf der des innerfamiliären Wettbewerbs – Spaß gemacht. (Arno Widmann)

Über die ehemalige Außenministerin der USA werden seit Jahren Verschwörungserzählungen verbreitet – insbesondere von Rechtsradikalen. So soll das Containerschiff „Ever Given“, das den Suezkanal im März 2021 mehrere Tage lang blockiert hatte, laut QAnon entführte Kinder für Hillary Clinton transportieren. Wahrhaftige Anhaltspunkte für die krude These gibt es keine.

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