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Max Goldt liest im Mousonturm

Der heutige Spießer

  • VonStefan Michalzik
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Max Goldt mit neuen und älteren Beobachtungen in Frankfurt. Ein offenkundig nicht versiegender Quell, der seit 25 Jahren und beinahe ebenso vielen Büchern ein gleichbleibend hohes Niveau sichert. Von Stefan Michalzik

Max Goldt ist, sieht man einmal von Robert Gernhardt ab, der komischste deutschsprachige Schriftsteller seit Arno Schmidt. Mit Schmidt teilt er, eingedenk andersartiger Ergebnisse, eine schweifende, durch Präzision und prätentionslose Finesse gekennzeichnete Schreibweise. Zugleich ist Goldt ein Vortragskünstler ersten Ranges. Etwas onkelhaft ist sein Grundton, den Erzähler über das allgemeine Gewese hinaushebend, ohne dass auch nur eine Spur von Arroganz in seiner Haltung zu erkennen wäre.

"Spracherörternd" nannte Max Goldt bei der zweiten seiner diesmal drei Lesungen im Frankfurter Mousonturm einen bestimmten Typus seiner Arbeiten. Erörterungen: Das ist eine brauchbare Kategorisierung für viele seiner Texte. Eine Ernsthaftigkeit des Anliegens und des Verfahrens jedenfalls ist damit treffend bezeichnet. Leidige Erscheinungen in Sprache und Sitten unserer Gesellschaft sind häufig Goldts Motiv. An diesem Abend - Goldt las Texte aus dem jüngst herausgekommenen Band "Ein Buch namens Zimbo" und Älteres - umriss er den Typus des heutigen Spießertums. Selbiges kennzeichnet sich eben nicht mehr durch die in Comedynummern noch immer verbreitete Kassenbrille aus. Es stellt sich vielmehr dar als der "Sexy-lecker-geil-Mensch" mit bedenkenlosem Sprachgebrauch und Ablagerungen der Achtziger-Jahre-Kultur.

Gleichsam als Gegentypus lobt Max Goldt den zu Unrecht in Verruf geratenen Snob, der nicht erst die derzeit in der Politik penetrant beschworene "Exzellenzinitiative" brauchte. "Warum gilt es heutzutage als Todsünde, etwas Besseres sein zu wollen?", fragt Gold. "Ist das, was uns umgibt, so herrlich und perfekt, dass jeder Wunsch nach Besserung automatisch eine Unverschämtheit ist?" Ein jeder möge bei seiner eigenen Person anfangen, wo es einiges zu tun gebe.

Eine zweite Textsorte ist auszumachen, die sich, frei nach Robert Schumann, als Fantasiestücke charakterisieren lässt. Da ist es dann vorbei mit der Ernsthaftigkeit. Goldt lässt etwa zwei von der Natur nicht sonderlich gesegnete Menschen aufeinandertreffen, die sich ungeniert über allerlei abstoßende Merkmale austauschen.

Eigenem Bekunden nach entwickelt Goldt seine Arbeiten aus dem ständigen Denkstrom heraus. Ein offenkundig nicht versiegender Quell, der seit 25 Jahren und beinahe ebenso vielen Büchern ein gleichbleibend hohes Niveau sichert. Immerhin einen also gibt es auf Erden, der sich, zumindest in seiner Profession, nicht mehr zu bessern braucht.

Max Goldt: 8.1. in Köln (Comedia Colonia), 9.1. in Mainz (Frankfurter Hof), 10.1. in Bad Vilbel (Alte Mühle).

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