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Herta Müller berichtet im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur von ihrer Reaktion auf die Hinrichtung des rumänischen Diktators Ceausescu.

Literaturnobelpreisträgerin

Tränen bei Nachricht von Ceausescus Hinrichtung - Herta Müller über Diktatur und Populismus

Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller berichtet im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur von ihrer Reaktion auf die Hinrichtung des rumänischen Diktators Ceausescu, dem Leben in einer Diktatur und der Fragilität der Demokratie. 

Berlin - Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (66) erzählte im Rahmen eines Gesprächs mit Deutschlandfunk Kultur, dass sie bei der Nachricht von der Hinrichtung des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu 1989 einen „unglaublichen Weinkrampf“ erlitten habe. 

Aufstieg des Rechtspopulismus und Diktaturerfahrung

Im Zuge der Revolution in Rumänien war Ceausescu im Dezember 1989 gestürzt, zum Tode verurteilt und am 25. Dezember erschossen worden. Herta Müllers Tränen über diese Tatsache waren ihr zufolge Ausdruck einer ambivalenten Gefühlslage: „Eigentlich habe ich es mir gewünscht. Andererseits wusste ich, ich bin gegen die Todesstrafe. Und das muss man dann mal im Kopf zusammen aushalten“, sagte die Schriftstellerin, die in Rumänien aufwuchs und 1987 in die Bundesrepublik übersiedelte. 

Da Müller in den 1970er Jahren die Zusammenarbeit mit dem berüchtigten rumänischen Geheimdienst Securitate verweigert hatte, war sie anschließend jahrelang Verfolgung, Denunziation und Arbeitslosigkeit ausgesetzt. Laut Müller gehe ihr deshalb der aktuelle Aufstieg des Rechtspopulismus in Deutschland und anderen Ländern wahrscheinlich auf andere Art nahe als Menschen, die nicht in einer Diktatur gelebt haben. 

„Wenn die Demokratie müde wird, dann wird es gefährlich“

Herta Müller blickt besorgt auf die aktuellen politischen Entwicklungen in zahlreichen europäischen Ländern: „Vor 20 Jahren hätte ich nicht gedacht, das man jetzt über Nazis sprechen muss, Faschisten als Faschisten bezeichnet werden dürfen, dass solche Leute im Parlament sitzen“, sagte die Literaturnobelpreisträgerin von 2009. Sie warnte: „Wenn die Demokratie müde wird, dann wird es gefährlich. Das sehen wir ja jetzt.“

dpa/Astrid Theil

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