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Heldinnen außer sich

Annika Reich, Sabine Neumann und Susanne Fischer

Von Jamal Tuschick

Eine junge Frau erlebt die Liebe als Enteignung. Im Verlust der Autonomie entdeckt sie ein Vergnügen, das gesteigert werden will. Davon handelt Teflon, die Geschichte, mit der Annika Reich im Frühjahr bei Suhrkamp debütierte. Sie veröffentlicht in einer Reihe mit Sabine Neumann und Susanne Fischer, die beide gerade ihr zweites Buch vorgelegt haben. So lag es nah, die Autorinnen auch in räumlichen Zusammenhang zu bringen. Das geschah in der Autorenbuchhandlung.

Zur Einführung erklärte Lektorin Susanne Gretter, wie Teflon in die Welt kam, zuerst ins All, dann in die Küche. In Annika Reichs Geschichte bezeichnet das Material die sterilen Verhältnisse einer Familie, ein Muster für Sprachlosigkeit und Gefühlstaubheit. In diesem Rahmen erscheint die normale Heftigkeit eines Liebhabers als Sensation. Er zerstört das Konzept der kühlen Existenz und bringt die Heldin außer sich.

Annika Reich, von Haus aus Ethnologin, trug ihre Geschichte so direkt vor wie sie geschrieben ist. Eine Tendenz zur sachlichen Darstellung zeigt sich auch in Sabine Neumanns anrührender Erzählung Das Mädchen Franz. Darin wehrt sich jemand, dem das eigene Geschlecht unklar ist, "gegen eine falsche Vereinnahmung". Als Zuhörer fühlte man sich an Jeffrey Eugenides' Middlesex erinnert. Erst die Pubertät zwingt die jungenhafte Franziska dazu, biologische Tatsachen anzuerkennen. Selbst in diesem Entwicklungsstadium besteht sie auf einer selbständigen Deutung ihrer geschlechtlichen Identität. Sie wird unterstützt von einem Großvater, der ihr den Trotz beibringt. Sabine Neumann, die so glanzvoll mit Streit debütierte, dass ein Rezensent das Wort "gelungenst" dafür erfand, las verhalten. Sie schien den eigenen Text zu erwägen.

In jeder Hinsicht robuster trat schließlich Susanne Fischer auf. Die Geschäftsführerin der Arno-Schmidt-Stiftung kennt man auch als taz-Kolumnistin. Unter Weibern heißt ein Band mit 13 Geschichten, die Susanne Gretter "gender studies der besonderen Art" nannte.

In der Geschichte, die das Publikum in der Autorenbuchhandlung zu hören bekam, fesselt eine Frau ihren Achim ans Bett. Sie sagt von ihm, dass er "noch nicht einmal Flugangst haben kann, ohne albern zu wirken". Ihr Friseur musste dran glauben, weil er in seiner Ansprache nachgelassen hatte. Das erfährt man über eine Polo-Fahrerin, die ihre Abgründe parfümiert. Susanne Fischer ist mit Unter Weibern ein Buch gelungen, in dem der Elan einer Frau triumphiert, die mit vierzig noch an keiner Grenze gescheitert ist.

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