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Der Kolumnist Harald Martenstein.

Glosse zur Buchmesse

Harald Martenstein langweilt auf der ARD-Bühne

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Eine riesige Menge hat sich am Messesonntag vor der ARD-Bühne versammelt, um Harald Martenstein zu sehen. Es wird applaudiert und gelacht. Aber warum? Seien wir doch mal ehrlich, der Typ ist saumäßig langweilig und seit Jahren mit der gleichen Leier unterwegs.

Natürlich spricht Harald Martenstein auch an diesem Tag über Tabus und vermintes Gelände, auf das er sich immer wieder wage, über seinen Kollegen Axel Hacke von der SZ, darüber, dass er gerne sehr billig fliegt und über seinen Hang zum Morbiden. Wie sein Kollege Stefan Niggemeier es treffend zusammenfasste: „Er schreibt stellvertretend für die sich für schweigend haltende Mehrheit weißer, heterosexueller, alter Männer, die die Welt nicht mehr verstehen.”

Harald Martenstein, der arme Märtyrer der politisch Inkorrekten, der sich für all jene, die ihre Meinung nicht sagen dürfen, aufopfert – denn es gibt ja in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr – und stoisch den auf ihn niederprasselnden Shitstorm erträgt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den Themen seiner Kolumne um Frauen, Bio oder Flüchtlinge, und immer betont Martenstein, dass er ja eigentlich gar nichts gegen Frauen, Bio oder Flüchtlinge habe, aber…! In seinem Buch „Jeder lügt so gut er kann: Alternativen für Wahrheitssucher“, diesen Monat bei C. Bertelsmann erschienen, soll es um – Achtung Überraschung – Frauen, Bio und Flüchtlinge gehen. Sorry, selbst nicht gelesen, Angst vor Eintönigkeit.

Harald Martenstein schreibt gerne über Frauen, Bio und Flüchtlinge

Gerne spricht Martenstein auch über die Rechten. Betont dabei natürlich stetig, dass er eigentlich schon etwas gegen die habe, verteidigt sie dann aber irgendwie doch,  weil die ja ebenfalls ihre Meinung nicht sagen dürften. Wolf Biermann und die DDR erwähnt er auch gerne: In Deutschland herrschten ja gerade wieder Verhältnisse wie in der DDR, keine Meinungsfreiheit und so. Manchmal schreibt Martenstein auch nicht über Frauen, Bio, Flüchtlinge oder die DDR. Dann geht es noch ein bisschen mehr um ihn selbst und das Mitleid, das er verdient hat. Denn alle sind doch irgendwie gegen ihn, und das nur, weil er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg halte. Wir sagen: Der arme Alte. Alles sehr schwer für einen, der mal links war.

Martensteins Kardinalfehler: Immer der Gegenseite, der radikalen Mitte, einen Mangel an Differenzierungswillen vorzuhalten, aber selbst nicht bereit zu sein, die eigene Haltung zu hinterfragen und alles, aber auch alles in den Topf „politische Korrektheit“ zu schmeißen. Eine steife, immer gleiche Argumentationslinie. Bitte, lieber Herr Martenstein, hören Sie auf uns zu langweilen. Vielleicht eine Zeit Schweigekloster. Da sind schon manchem neue Ideen gekommen.

   

In der Rubrik „Unter Dreißig“ berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

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