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Auch Hunkeler versteht es, sich in Basel umzuschauen.

Hunkeler-Krimis

Hansjörg Schneider „Hunkeler in der Wildnis“: Zu Fuß durch die Nacht

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Hansjörg Schneiders zehnter Fall für den unverwechselbaren Altkommissär Hunkeler.

Inzwischen, wir lesen den zehnten Fall, hat Hansjörg Schneider seinen eigenbrötlerischen Kommissär, seinen Misanthropen Hunkeler in den Ruhestand geschickt. So dass Hunkeler – und warum auch nicht? – eine gewisse Routine entwickelt hat, nämlich morgens vor dem Kiosk von Erkan Kaya einen Kaffee zu trinken und die Zeitung zu lesen. Vielleicht auch ein bisschen einzunicken. Bis eines Tages eine aufgeregte alte Frau aus dem Park gelaufen kommt, auf türkisch schreiend. Kaya übersetzt, Hunkeler geht nachschauen, ob da tatsächlich ein Toter liegt – und während der Kiosk-Besitzer die Polizei ruft, macht der Altkommissär sich davon. Damit will er nichts mehr zu tun haben.

Er kennt den Toten, dieser war, Achtung, Kritiker. Und offenbar kein milder. Aber wer jetzt fürchtet (oder auch hofft), es folge ein Kritiker-Bashing, täuscht sich: Hunkeler „flieht“ erst einmal über die Grenze in sein elsässisches Bauernhaus, ein streunender Hund läuft ihm zu, er besucht seine Nachbarin, die ein Zicklein mit der Flasche aufzieht, er fährt mit einem geliehenen Moped nach Basel, wird aber trotz des Helms erkannt, einmal wandert er des nachts zu Fuß zurück aufs Land. Er hat so seine Gedanken, gern bei einem Wein.

Allemal geht es bei Hansjörg Schneider mehr um Lebensphilosophie in schweizerischer Gelassenheit und leiser Melancholie, als um einen Whodunnit. Die Sache mit dem toten Kritiker ist bald nur ein Nebenbei. Und es stimmt schon, dass Hunkeler auch aufbrausend sein kann. Aber als Leserin kommt man mit ihm zur Ruhe, wird trotzdem nicht im Seichten unterhalten.

Hansjörg Schneider:  Hunkeler in der Wildnis. Roman. Diogenes, Zürich 2020. 222 S., 22 Euro.

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