Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Handbuch der Kunstdenkmäler

In die Hand versprochen

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Der neueste "Dehio" über die Kunstdenkmäler in Hessen-Darmstadt.

Der "Dehio", so heißt er, so liegt er mit seiner ganzen Autorität in der Hand. Und nimmt mit, ob er nun in den eigenen vier Wänden anleitet oder über den Einflussbereich von Tisch, Bett und Leselampe hinaus in Bewegung versetzt. Nachschlagewerk und Reiseführer ist der "Dehio" bereits über den Zeitraum eines Jahrhunderts, seit 1905 lässt sich mit ihm gemeinsam das deutsche Kunstdenkmal gezielt aufsuchen, lassen sich Routen, die die graue Vorzeit oder die klassische Moderne berühren, methodisch festlegen, lassen sich Wochenenden oder gar Ferien systematisch verplanen, wie auch jetzt wieder, da soeben der Band "Hessen II. Der Regierungsbezirk Darmstadt" in einer Neuauflage erschienen ist.

Dazu ist zu sagen, dass sich der Umfang seit der letzten Auflage von 1982 verdoppelt hat, überhaupt folgt der neue "Dehio" dem alten nicht etwa stur. Der nackte Eintrag "Postamt, 1899", mit dem der Michelstadtbesucher vor einem Rätsel stand, ist getilgt, denn auch das Michelstadtkapitel wurde bereichert, fortgeschrieben wie etwa auch der Eintrag über die Burg Münzenberg, vor 25 Jahren die "bedeutendste aus dem hohen Mittelalter erhaltene Burganlage neben der Wartburg". Das sieht der "Dehio" heute differenzierter! Für all das Abstoßende in Offenbach-Mitte werden Gründe angeführt, für die Erweiterung der Technischen Hochschule in Darmstadt, 1956/57 entworfen von Ernst Neufert, ein paar angemessene Worte gefunden.

Die Neuauflage liefert bei größeren Städten einen historischen Abriss, skizziert städtebauliche Aspekte und schreibt den Kanon der hessischen Kulturdenkmäler fort, so dass die klassische Moderne zu ihrem Recht kommt. Allein das letzte Vierteljahrhundert hat es noch sehr schwer. Exemplarisch dafür steht das Frankfurter Museumsufer, eine Anstrengung der 1980er Jahre, und es steht noch sehr, sehr karg da, wie die Auflistung auf einem Memo-Zettel.

Georg Dehio (1850 - 1932) erfand das Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Da hatte der Kunsthistoriker bereits einen Denkmalbegriff entwickelt, der noch heute ein solides Fundament abgibt: kritische, um ihre Zeitgenossenschaft wissende Rekonstruktion anstelle steriler Musealisierung. Je weiter sich der "Dehio" entwickelte, desto stärker differenzierte er sich aus nach Regionen - Bundesländern, wie es schließlich hieß, auch wenn er nach '45 weiterhin an einer knappen Darstellung der Kunst-Topographie Deutschlands festhielt, und auf diesem Wege einen Bildungsauftrag fortschrieb für diejenigen Stände, bei denen etwa ein Piano nobile nicht nur im kleinen Lexikon der Fachausdrücke besonderen Anklang fand.

Über das, was im "Dehio" steht und was erstmalig in sein alphabetisches Verzeichnis aufgenommen wird, entscheidet heute die Dehio-Vereinigung, wobei seit 2001 auch die Landesdenkmalpflege und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zum Herausgebergremium zählen. Mit dem "Dehio" über Hessen-Süd, dem rasch der Band über Hessen-Nord, an die Seite gestellt werden soll, wächst zwischen vier Buchdeckeln zusammen, was seit Mitte des 16. Jahrhunderts und bis ins 20. Jahrhundert nicht zusammengehören wollte. Der "Dehio" wäre nicht der Wegweiser zu den deutschen Kunstdenkmälern, wenn er nicht dazu einlüde, diese aufzusuchen wie Gedächtnisorte. Bei der Gelegenheit verspricht er einem das, was zählt, sozusagen in die Hand.

Georg Dehio: Handbuch der Kunstdenkmäler. Hessen II. Der Regierungsbezirk Darmstadt. Deutscher Kunstverlag, München 2008, 910 S., 58 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare