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Das haben sie nicht verdient

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Von: Sylvia Staude

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Arne Dahl, der seiner wahrlich legendären A-Gruppe ein letztes Buch gewidmet hat: "Der elfte Gast".
Arne Dahl, der seiner wahrlich legendären A-Gruppe ein letztes Buch gewidmet hat: "Der elfte Gast". © imago/Horst Galuschka

Unter skandinavischen Krimiautoren geht derzeit ein seltsames Wirrheits- und Wichtigkeits-Virus um. Jetzt verabschiedet sich Arne Dahl mit „Der elfte Gast“ ausgesprochen albern von seiner A-Gruppe.

Unter skandinavischen Kriminalroman-Autoren grassiert ein seltsames Virus. Man kann nur hoffen, dass es nicht auf andere Länder und andere feine Krimischreiber übergreift.

Ake Edwardson hatte keine Lust mehr auf seinen Kommissar Erik Winter und schrieb „Die Rache des Chamäleons“ – einen wirren Psychothriller um einen Mann, der nach gefühlten 350 Jahren von seiner Vergangenheit eingeholt wird.

Von Hakan Nesser erschien zuletzt der bis ins Unverständliche verschraubte, auf geschätzten 27 000 Ebenen spielende Roman „Himmel über London“, in dem auf einer der Ebenen Nesser selbst thront.

Und nun kommt Arne Dahl, der mit der „legendären A-Gruppe“ (und das ist kaum zu viel gesagt von der Klappentext-Werbung) und gibt eine A-Gruppen-Zulage, auf die man gut und gern hätte verzichten können: „Der elfte Gast“.

Da trifft ein Brief ein, um die bereits aufgelöste A-Gruppe noch einmal zu vereinen bei einem gemeinsamen Festessen. Da reisen sie an, sogar der vor kurzem noch todkranke Viggo Norlander, fahren allesamt zu einem ganz einsam gelegenen Haus (!), zu dem Dahl eine spinnwebige, in Geheimgängen sich rumtreibende Vorgeschichte liefert. In einer Kammer hinter tausend Türen sitzt dort ein Mann und schreibt. Oh Nachtigall, man hört dich trapsen wie einen Ochsen.

Geisterhaft mit Essen versorgt wird die A-Gruppe in diesem einsamen Haus im tiefen Wald. Und ist aufgefordert (ist bereits in der Einladung aufgefordert worden) je eine Geschichte mitzubringen. So spielen sie also nun Decamerone, die famosen Ermittler, jeder erzählt brav, teils Gruseliges, teils einfach nur Seltsames, teils geradezu Langweiliges.

Aber warum nur, fragt man sich alsbald, hat Arne Dahl keine Kurzgeschichten-Sammlung veröffentlicht, wenn er das denn wollte? Warum diese an den Haaren herbeigezogene Konstruktion, in die er sich wie Kollege Nesser schließlich selbst reinschreibt als Autor im Kämmerlein? Am liebsten möchte man seine Figuren verteidigen: Einen solchen Abschied hat jedes einzelne Mitglied der A-Gruppe nicht verdient – es hätte ein toller Fall sein dürfen, nein, müssen.

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