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Was für Fleisch liegt an der Kühltheke? Eine Frage, auf die ein Krimi u. U. besonders unangenehme Antworten hat.
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Was für Fleisch liegt an der Kühltheke? Eine Frage, auf die ein Krimi u. U. besonders unangenehme Antworten hat.

Neue Krimis

Die Guten und die Omnivoren

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Sind Veganer die besseren Menschen? Diese und andere gewichtige Fragen in drei spannenden Kriminalromanen von Paul Mendelson, William McIlvanney und Christine Lehmann.

Weißer Bulle, schwarzer Bulle

Und schon wieder ein Polizist, der zu viel trinkt, raucht und brütet, seiner Familie entfremdet ist und zunehmend auch den korrekten Dienstwegen. Das führt im Debütroman des Südafrikaners Paul Mendelson zu einem problematischen Schluss, doch bis dahin ist „Die Unschuld stirbt, das Böse lebt“ (Original: „The First Rule of Survival“) ein dicht geschriebener, auch mal einen neuen Ton anschlagender Thriller. Dazu kommt eine beiläufige wie auch pointierte Darstellung der Spannungen zwischen Schwarz und Weiß im Land. Eine der Fragen, an deren Bedeutung erinnert wird: Wie viel Zeit wird in die Aufklärung von Morden gesteckt, wenn sie an Weißen und wie viel, wenn sie an Schwarzen begangen werden? Colonel Vaughn de Vries weiß natürlich, dass der Aufwand, der für weiße Opfer betrieben wird, ungleich größer ist. Er weiß auch, dass ihm die weiße Gesellschaft ungleich vertrauter ist und er darum bessere Erfolgsaussichten hat, den Täter zu finden. Es gilt, sich die Aufgaben klug zu teilen mit seiner rechten Hand, dem schwarzen Ermittler Don February, mit dem er sich bereits zu gegenseitigem Vertrauen zusammengerauft hat. Es geht in „Die Unschuld stirbt“ um die Jahre zurückliegende Entführung dreier Jungen – auch damit war de Vries schon befasst. Zwei von ihnen sind jetzt erst ermordet worden; der dritte könnte also noch am Leben sein. Unter anderem bekommen es die beiden Beamten mit einem Pädophilen zu tun, der bezaubernde, einfühlsame Illustrationen für Kinderbücher macht.

Guter Bruder, Gaunerbruder?

Der Ende vergangenen Jahres verstorbene William McIlvanney hat seine Kriminalromane wie wenige seiner Kollegen mit Poesie angereichert. Besonders in seiner Trilogie um den Polizeiermittler Jack Laidlaw taucht er tief in dessen mit Zweifeln, Ängsten, Melancholie gefüllte Seele ein. Der Kunstmann-Verlag hat die zwischen 1977 und 1991 erschienene Trilogie spät, aber schön übersetzen lassen; der letzte Band, „Fremde Treue“, erschien erst Ende 2015. Auf ihn sei hier noch hingewiesen, mit Nachdruck, denn herzzerreißend ist, wie Jack Laidlaw den Tod seines Bruders Scott zu klären versucht, der scheinbar, betrunken, einem Verkehrsunfall zum Opfer fiel. Die Schatten der Vergangenheit muss er dafür aufrufen, die Zeit, in der sich die Brüder fremd wurden. Erst am Ende eines mühevollen, traurigen Weges, am Ende eines großen Romans, begreift der Polizist, wie verstrickt sein Bruder in Schuld und Schuldgefühle war: „Ich liebte ihn in seiner Wut und seiner Schwäche und der Torheit seines Sterbens ebenso sehr, wie ich ihn in seiner Stärke und Güte geliebt hatte.“

Tiermörder, Menschenmörder

Um ein aktuelles Thema nie verlegen ist die im Schwäbischen beheimatete Christine Lehmann – und schafft es immer wieder, parbleu!, einen Krimi daraus zu machen. In ihrer jüngsten Lisa-Nerz-Großtat ist ein Fernsehkoch verschwunden und taucht, zumindest teilweise, in Supermarkt-Kühltheken wieder auf. Denn irgendein Hardcore-Veganer scheint zu finden, dass die Menschen, die Tiere essen, sich auch beim Tier Mensch nicht so anstellen sollten. Die „Allesfresser“ finden naturgemäß, Kannibalismus gehöre nicht zu diesem Alles. Zu Beginn kocht Staatsanwalt Richard Weber für Lisa Nerz Ente – aber denke nur kein Leser, es handele sich hier um einen netten Krimi mit Rezepten. Christine Lehmann kann bitterböse sein, wenn sie ausholt, dann zu einem Rundumschlag. Veganer, Vegetarier, Omnivoren, die einen kriegen ihr Schweinefett, die anderen ihre Sahne oder ihre Sojamilch ab. Facettenreich werden dabei die moralischen Probleme angespielt – über die Krimibande angespielt –, die sich bei allen Ernährungsformen ergeben. Inklusive Spintisierereien, was zum Beispiel geschähe, wenn alle Menschen auf einen Schlag Veganer würden und alle Tiere freiließen.

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