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Wie gut, dass es Frauen gibt

Damen in Not: Véronique Olmi beschäftigt sich in ihrem Roman "Eine so schöne Zukunft" vor allem mit dem weiblichen Leiden an kultivierten Männern

Von SABINE PETERS

Wenn man zu Beginn eines Romans zwei gut situierte, intellektuelle, großstädtische, glückliche Paare vorgesetzt bekommt, kann man davon ausgehen, dass sich alsbald Konflikte entwickeln. So verhält es sich im dritten Roman der französischen Autorin Véronique Olmi: Clara, eine erfolgreiche Journalistin, wurde überraschend von ihrem langjährigen Geliebten Boris mit seinem Kinderwunsch unter Druck gesetzt; dabei sollte sie sich selbst erst einmal mit dem dunklen Fleck in ihrer eigenen Kindheit auseinander setzen. Elisabeth, eine Mutter von zwei kleinen Töchtern, verheiratet mit dem Regisseur Pascal, war hinter der Fassade des perfekten Familienlebens nicht recht zufrieden; besonders die Tatsache, dass sie als Schauspielerin kaum mehr Aufträge bekam, bedrückte sie.

Man hat sie sich in ihrem Kummer so vorzustellen: Elisabeth nahm bei Musik und Kerzenschein ein Schaumbad, stand auf, "das Wasser floss herab, ölig, zart, der Schaum rann über ihre Brüste... sie betrachtete sich im beschlagenen Spiegel... sie war nicht schlecht,... groß, schlank, blaue Augen, lockiges Haar... Sie drehte sich, um ihren Po zu sehen, nahm ihn in beide Hände. Gut. Das ging. Was dann? Was kam nicht mit? Der Kopf? Aber sie hatte doch alles im Kopf, es musste nur jemand ihren Käfig öffnen, sie konnte sehr gut fliegen."

Schweine und Kaputtniks

Elisabeth und Clara lernen sich kennen, als aller schöne Schein sich in Luft auflöst: Pascal gibt zu, eine Geliebte zu haben und erweist sich im Scheidungsprozess als Schwein. Clara muss feststellen, dass Vater und Großvater Schweine bzw. Kaputtniks waren, und Boris mit seinen verworrenen Wünschen ist auch nicht besser - "ihr seid alle Schlangen, Kriechtiere, Betrüger, Mörder". Wie gut, dass es Frauen gibt.

Da ist etwa Leila, die eine schwere Jugend hinter sich hat und jetzt Kosmetikvertreterin lernen will, um nur noch an Schönheit zu denken. Elisabeth bewundert sie, "deren Hoffnungen so klar und rein waren." Doch das Schönste ist die Freundschaft zwischen Clara und Elisabeth. Clara begreift: "Etwas war in ihr Leben gekommen... Ein Licht. Ein Verstehen. Eine Hand auf ihrer Schulter." Und Elisabeth bekommt Lust, auf ein neues Leben zuzugehen. "Offen. Voller Verheißung. Für sie gemacht."

Genug. Man kann bei der Lektüre dieses Buchs nicht davon ausgehen, dass Veronique Olmi eine Parodie auf den Frauenschicksalsroman schreiben wollte. Die Autorin hat sich auch in ihren beiden vorausgehenden Büchern mit dem Thema Familie unter besonderer Berücksichtigung der Frauen befasst. Meeresrand beschrieb die verzweifelte, schließlich mörderische Liebe einer Mutter zu ihren beiden Söhnen, und Nummer sechs schilderte die übergroße Liebe einer Tochter zum unerreichbaren Vater. Beide Romane wurden auch hierzulande enthusiastisch gelobt; dabei konnte sich allerdings bei der Lektüre gelegentlich ein Misstrauen einschleichen angesichts des sehr hohen Tons, angesichts der zahlreichen Sentenzen und Allerweltsweisheiten. Immerhin war aber Meeresrand ein tragischer Roman, da mochte das Pathos einer am Theater geschulten Autorin angemessen sein.

Botschaft von vorgestern

Und jetzt? Die Nöte und Hilfsstrategien der Damen des gehobenen Mittelstands. Nicht die Thematisierung von deren Not ist das eigentliche Problem - wenn auch die Welt noch etwas mehr umfasst als das Leiden privilegierter Frauen an entsprechenden Männern. Das wirkliche Ärgernis sind die hier vorgestellten Hilfsstrategien und, natürlich, die unsäglich kitschige Schreibweise. Reichen die Verblödungen und das Für-blöd-gehalten-werden durch Fernsehserien und Frauenzeitschriften denn immer noch nicht aus? Veronique Olmis bisherige Texte bekamen den Wert von Literatur zugesprochen - das neue Buch ist allenfalls das, was gern beifällig als "gehobene Unterhaltungsliteratur" bezeichnet wird. Aber gegen was denn "gehoben"? So sehr viel weiter runter im Niveau geht es nun wirklich nicht. Was der Einen ihr Arztroman, mag der Anderen dieses Buch sein. Eine so schöne Zukunft lehrt die alte Botschaft von vorgestern: Auch kultivierte Männer sind oft miese Typen, Frau braucht eine schwesterliche Freundin. Das angeschlagene Selbstbewusstsein repariert sie, indem sie sich aufbrezelt und schick essen geht. - Ein Buch, geölt mit tiefer Zustimmung zur Badezusatz-Industrie.

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