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Ein freier Kopfstand an der New Yorker Straßenecke 13te/Hudson.
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Ein freier Kopfstand an der New Yorker Straßenecke 13te/Hudson.

Fotoband über Yoga

Die großen Meister

Michael O’Neills überwältigender Fotoband „Über Yoga: Die Architektur der Freiheit“ versammelt Poppiges wie Meditatives.

Von Natalie Soondrum

Es ist ein fulminanter Bildband geworden, einer, den man sich immer wieder anschauen will und auch muss, bevor man wirklich etwas dazu sagen kann. Zehn Jahre lang hat der New Yorker Fotograf und Yoga-Übende Michael O’Neill Protagonisten des Yoga in den USA fotografiert. Darüber hinaus ist er nach Indien zu den großen Meistern und an heilige Orte gereist. Er hat alles mit der Kamera festgehalten, die Gurus, die spektakulären wie die einfachen Yoga-Posen, die nackten Heiligen, die Stimmungen und die Rituale.

Für die Aufmachung des Buches „Über Yoga: Die Architektur der Freiheit“ hat der Verlag prächtige Vorsatzpapiere ausgewählt. Schlägt man den Band auf, taucht man ein in ein leuchtendes Zinnoberrot. Das ist die Farbe der Sadhus, der indischen Heiligen am Ganges, die Farbe der Tücher, in die sie sich hüllen, sofern sie überhaupt noch Kleidung tragen. Es ist aber auch die Farbe der buddhistischen Mönche, die Meditation, auch eine Form des achtfachen Yogapfades, üben. Die Üppigkeit der Aufmachung spielgelt die überwältigende Fotoauswahl.

Die Fotografien sind gegliedert in fünf nach den traditionellen indischen Elementen benannte Kapitel: Wasser, Erde, Feuer, Luft und Raum. Wobei O’Neill das Element Raum in „Geist“ umbenannt hat. Eine kleine Übersetzungsleistung, hat er doch den letzten Teil des Buches der Meditation und den Meditierenden, allen voran dem Dalai Lama vor goldleuchtendem Hintergrund, gewidmet. Die Verbindung zwischen Geist und Meditation ist einem westlichen Publikum wahrscheinlich leichter vermittelbar als die zwischen Akasha und Brahman, Raum und Bewusstsein. Einen sinnlichen Eindruck letzterer Verbindung bildet O’Neill dennoch ab in den Porträts eines buddhistischen Mönches in der verschneiten Gebirgslandschaft im Himalaya.

O’Neills Arbeiten sind auf den ersten Blick ein erstaunliches Sammelsurium. Die ästhetische Bandbreite reicht von hyperästhetisch ausgeleuchteten Bildern amerikanischer Yoga-Promis in poppigen Farben, wie vom Top-Model Christy Turlington oder der Erfinderin des Flow-Yoga, Shiva Rea, bis zu klassischen Schwarzweißaufnahmen. Sie vermitteln vertraute Indienbilder im Stile des humanistischen Neorealismus eines Satyajit Ray. Grässlich, diese Anhäufung, möchte man ausrufen, nur sind die einzelnen Fotografien es nicht.

Man kann es drehen und wenden wie man will, jedes Bild hat eine Seele, so wie jeder Mensch nach der Lehre des Yoga mit einer ewigen, individuellen und unverwechselbaren Seele ausgestattet ist. In dem authentischeren der beiden Essays zum Vorwort (der zweite ist von Eddie Stern verfasst, dem bekannten Ashtanga-Yoga-Lehrer aus New York) schreibt der Meister Swami Chidanad Saraswatiji: „Ein Buch über Yoga sollte Yoga nicht nur als Lehre vermitteln, sondern auch die damit verbundene sinnliche Erfahrung und Transformation. Die Bilder sollten eher Fenster denn Gemälde sein, Fenster, durch die wir – wenn wir genau genug schauen – sehen und erfahren können, wie unser eigenes Selbst eins wird mit dem Göttlichen.“ Tatsächlich hat der Fotograf es verstanden, den Abgebildeten liebevoll Raum für ihre Selbstdarstellung, für ihren spezifischen Ausdruck zu geben. Der Versuch, eins zu werden mit dem Gegenstand der Betrachtung. Das ist Yoga.

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