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"Wahn" heißt Stephen Kings neuer Horror-Roman.
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"Wahn" heißt Stephen Kings neuer Horror-Roman.

Horror von Stephen King

Große bunte Geisterbahn

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Stephen Kings neuer Horror-Roman "Wahn" beginnt furios, treibt dann aber zu viel Hokuspokus. Das ist die Meinung von FR-Krimi-Expertin Sylvia Staude.

Der Bauunternehmer Edgar Freemantle hat einen schweren Unfall gehabt. Sein Kopf wurde dabei eingedrückt, ein Arm musste ihm abgenommen werden. Oft weiß er die einfachsten Wörter nicht mehr, er hat Blackouts und Wutanfälle. Zu seiner weinenden Frau sagt er Dinge wie "mach den Alligator anderswo", weil ihm der Begriff "Krokodilstränen" nicht einfällt. Dann versucht er sie zu erwürgen - und vergisst es sofort wieder.

Von seinem Psychologen bekommt er nicht nur eine "Wutmanagementpuppe", sondern auch den Rat, für einige Zeit ganz woanders hin zu ziehen. Er entscheidet sich für ein Haus auf der Insel "Duma Key", vor Florida. "Duma Key" ist eine erfundene Insel und der dezente Originaltitel des neuen Romans von Stephen King, in Deutschland erscheint er heute als "Wahn".

Einen langen Anlauf nimmt King darin, ehe er seine große bunte Geisterbahn anfahren lässt, aber es sind gerade die ersten rund 150 Seiten, die zeigen, wie nervenzerfetzend gut er schreiben kann. Dann setzt er seine in Dutzenden von Büchern geölte Horror-Maschinerie in Gang. Und zum Schluss ist "Wahn" im doppelten Wortsinn nur noch Kinderkram.

Aber zuerst ist Edgar Freemantles Krankenhausaufenthalt, seine ganz langsame Rückkehr von den fast Toten, eine minutiös beobachtete und angemessen drastisch formulierte Leidensgeschichte - King wurde 1999 selbst schwer verletzt, als ihn ein Auto erfasste. Nur gerade so, dass man es fast überlesen kann, streut er Andeutungen auf kommende Schrecken.

Deren Tür und Tor sind diesmal die Bilder, die Freemantle malt, und die gedacht waren als eine weitere - psychische - Reha-Maßnahme. Bald wird dem ehemaligen Bauunternehmer vor seiner Staffelei klar, dass irgendwas, irgendwer ihm den Pinsel führt. Die Kunstwelt ist ahnungslos und von den Werken entzückt, während er auf seiner Insel, auf der nur ein einziges anderes Haus noch bewohnt ist, immer tiefer in die Geister-Bredouille gerät.

Spätestens nach der Hälfte nimmt die Bereitschaft ab, diesen 900-Seiten-Horror-Ziegelstein (und seine Kunst-Philosopheleien) zu stemmen. An einem Ende von Duma Key gibt's üble Pflanzen-Ausdünstungen, ein Spuk- Schiff und ein riesiger Breitmaul-Frosch treiben ihr Unwesen, natürlich spielt ein kleines Mädchen eine entscheidende Rolle.

Man muss empfänglich sein für solchen Hokuspokus, für die zwar sorgfältig gebauten (und, der Kalauer sei erlaubt: angemalten), aber doch bekannten Figuren des Kingschen Jahrmarktsbetriebs, um das noch spannend zu finden.

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