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Schafe, hier in China.
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Schafe, hier in China.

Eckhard Fuhr

Große Aufgaben warten auf das Schaf

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Autor Eckhard Fuhr setzt in seinem „Schafe“-Buch große Hoffnungen auf den sanften Wiederkäuer.

Mit vielem war zu rechnen. Nicht aber mit einem Tier, das die Menschheitsgeschichte seit Beginn flankiert, das die aus der Zeit gefallenen Tugenden Duldsamkeit und Sanftmut geradezu verkörpert. Ausgerechnet das Schaf soll den blauen Planeten mitsamt Bewohnern in hellere Zeiten geleiten. Dorthin, wo keine Landschaften unter Anleitung eines spätkapitalistischen Ausbeutungswahns verheert werden, wo die Entfremdung vom Mutterboden aufgehoben ist.

Eine Wiederauferstehung des alten, von Wolle bedeckten Heilsbringers? Die Wandlung vom Opfer- zum Leittier? Es ist ein kühner Gedanke, den Eckhard Fuhr an das Ende seines innerhalb der lobenswerten Reihe „Naturkunden“ erschienenen Büchleins stellt. Was zunächst unter der Fahne eines Tierporträts – schön gestaltete Kleinoktav-Bände zu Esel, Eule, Schmetterling oder Hering sind zuvor schon erschienen – segelt, gipfelt in der Forderung nach einer „grundlegenden Agrarwende“. Gerade das abschließende Kapitel „Mit Schafen klug werden“ sei jedem empfohlen, dem noch etwas Sensibilität unter der Schädeldecke verblieben ist.

Alles beginnt mit dem Wolf. Mit dessen Rückkehr in deutsche Gefilde hat sich der Autor – ein in Hessen geborener Journalist, Korrespondent und Jäger – zuletzt ausführlich beschäftigt. Auf des Räubers Fährte gelangt Fuhr geradewegs zu Hirt und Herde. Und entdeckt, „welch faszinierende Geschichte in den Schafen steckt“. Vorbehaltlos darf hier beigepflichtet werden: Wer sich jemals tiefer ins Mysterium von Ovis gmelini aries eingearbeitet hat, bewegt sich auf schier endlosen Saumpfaden des Wissens. Was mit dem stammväterlichen Mufflon als Ausgangspunkt anhebt, endet keineswegs beim „metaphysischen Mehrwert“ der Schafhaltung.

Schmal ist dieser 31. Naturkunden-Band aus dem Hause Matthes & Seitz, angereichert mit reichlich Bildmaterial und den bewährten Darstellungen ausgewählter Rassen. Wichtige Fragen finden ihre Antwort: So trägt das berühmte Merinolandschaf – andernorts eher als „Württemberger“ bekannt – „ein Vlies mit einer Wollfeinheit von 24 bis 28 Mikrometern“. Der Leser bekommt Elementares zum Thema ebenso geliefert wie Deutungen von ungeheurer Tragweite. Da wird die komplette Nutzbarmachung der Herde (Wolle, Milch, Fleisch, Dünger) zur kulturhistorischen Revolution, zum größten aller Menschheitsschritte. „Trotz Raumfahrt und Digitalisierung.“

Welche Lasten dem genügsamen Wiederkäuer im Verlaufe der Jahrtausende aufgebürdet wurden: Als „Lamm Gottes“ muss es den Monotheismus voran bringen, als bukolisches Wesen dem Sehnsüchtigen eine Parallelwelt offerieren, als geklonte „Dolly“ die natürliche Ordnung außer Kraft setzen.

Um das kostbare Fell wurde lange gerungen. Es ist Gegenstand der Mythologie und verantwortlich für eine der bemerkenswertesten Episoden deutscher Agrargeschichte. Auch von der „legendären schwäbischen Merino-Expedition“ im ausgehenden 18. Jahrhundert erzählt Eckhard Fuhr. Danach ist in Europa und der Welt nichts mehr wie zuvor.

Dass auf Schaf und Schäfer noch große Aufgaben warten, wird jedenfalls offenkundig. Gründen Sie eine genossenschaftliche Schäferei!

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