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Mitte der 90er im protestantischen Stadtteil von Belfast. An der Wand Werbung für die paramilitärische Ulster Volunteer Force.
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Mitte der 90er im protestantischen Stadtteil von Belfast. An der Wand Werbung für die paramilitärische Ulster Volunteer Force.

Krimi aus Nordirland

Granaten & Gedichte

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Adrian McKinty schickt seinen kunstsinnigen Sean Duffy wieder auf Spurensuche.

Der von Adrian McKinty erdachte katholische Nordire Sean Duffy ist der größte Snob und Angeber unter wahrscheinlich allen Krimi-Ermittlern. Auch einigermaßen abgelegene Musikstücke – selten Gespieltes von Hindemith, Schostakowitsch, Arvo Pärt etwa – vermag er nach ein paar Takten zu identifizieren (und hält mit diesem Wissen keineswegs hinter dem Berg), er geht zu Lyriklesungen, hat diesmal Peter Careys fabelhaften Roman „Oscar und Lucinda“ auf dem Nachttisch liegen und, klar, er fährt auch noch seinen schicken schwarzen teuren BMW. 150 auf irischen Straßen? Ja, Sean Duffy ist zweifellos todessehnsüchtig. Allerdings dann doch nicht so todessehnsüchtig, dass er nicht vor dem Losfahren jedes Mal unters Auto blicken würde, ob eine Bombe den „katholischen Verräter“ ins Jenseits schicken soll.

Die IRA bewegt sich

Das Buch:

Adrian McKinty: Alter Hund, neue Tricks. Thriller. Aus dem Engl. von Peter Torberg. Suhrkamp, Berlin 2020. 368 S., 15,95 Euro.

Bombe? Auch McKintys mittlerweile achter Duffy-Roman spielt noch während der so genannten Troubles, einige Jahre vor dem Karfreitagsabkommen 1998 und dem Frieden in Irland (den die britische Regierung durch den Brexit wieder gefährdet). Aber in der IRA scheint es Anfang der 90er zwei Lager zu geben, das eine möchte es mit ein bisschen Frieden versuchen. Das andere hat irgendwie Pech, denn Jungs, die ein Auto klauen wollten, haben aus Versehen oder Panik einen IRA-Killer umgebracht. Jedenfalls beginnt der CID mit dieser Theorie die Ermittlungen.

Der in New York lebende Belfaster McKinty packt die blutige irische Geschichte in hochspannende Kriminalromane. Und sein Ich-Erzähler mag zwar ein Klugscheißer sein, aber wehleidig ist er nicht. Die katholischen und protestantischen Killerkommandos und Verheerungen nimmt er oft mit schwarzem Humor, erfrischendem Zynismus, Schlagfertigkeit. Der Kalte Krieg ist zu Ende gegangen, überlegt er einmal, die Berliner Mauer gefallen – „doch hier in Irland spielten die Männer der Gewalt weiter lustig ihr Spielchen“. Einmal lockt die IRA die nordirischen Polizisten in einen Hinterhalt, Granaten fliegen. Ein Wunder, dass nur ein Beamter ums Leben kommt. Der Tote schafft es dann in Großbritannien nicht mal in die Kurznachrichten.

Duffy ist schon halb im Ruhestand und verbringt viel Zeit bei Frau und Kind im so herrlich friedlichen Schottland. Das heißt aber nicht, dass dieser (mittel-)alte, harte Ermittler-Hund, wie der deutsche Titel ankündigt, nicht noch neue Tricks lernen könnte. Schon gar nicht darf man ihm sagen, dass er’s gut sein lassen soll. Da fliegt er gleich noch in die USA.

Nur noch etwas mehr als ein Jahr hat Sean Duffy, bis er 1994 in Rente gehen will. Es wäre vermutlich so lehrreich wie unterhaltsam, würde Adrian McKinty ihn vorher seine Nase auch noch ein bisschen in die gewiss intrikaten und gefährlichen Friedensverhandlungen stecken lassen.

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