Lesung

Max Goldt im Frankfurter Mousonturm: Sich nicht gehen lassen

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Jahr um Jahr, ohne Überdruss: Max Goldt im Frankfurter Mousonturm.

Überdruss bei seinem Publikum lässt Max Goldt keinen aufkommen – so stetig er auch seit Jahrzehnten immer um Weihnachten herum in Frankfurt gastiert, von ein paar Ausnahmen abgesehen im Mousonturm, jetzt auch wieder, für zwei Abende. Der unaufgeregte Charakter, der aus einer derartigen Regelmäßigkeit spricht, ist prägend auch für das enorme literarische Werk, das allerdings in den letzten Jahren ob einer von dem Schriftsteller öffentlich bekannten Schreibblockade nicht mehr sonderlich angewachsen ist.

Goldt vermag einen immer wieder zu überraschen, was die Auswahl seiner Texte angeht; ebendies macht zugleich auch die Beschaffenheit seiner Texte aus, die ein ums andere Mal mit ungeahnten assoziativen Sprüngen und Wendungen aufwarten. Auch diesmal wieder ging es unter anderem um den Menschen, dem in Stil- und Haltungsfragen die Orientierung abgeht, viele Dinge aber an diesem Abend lassen sich sozusagen dem „reinen Humor“ zuordnen, etwa die in jüngerer Zeit entstandenen Dramolettfassungen von Bildfolgen des zusammen mit dem Zeichner Stephan Katz betriebenen Duos Katz und Goldt, in dem Goldt der Szenarist ist.

Mit dem Humor selbst hat sich Max Goldt in dem Text mit dem Titel „Humor und so“ beschäftigt, den er im Frühjahr als Rede zur Eröffnung einer Ausstellung über das Lachen am Deutschen Literaturarchiv in Marbach gehalten hat. „Komik hat keine Pointe. Das mit den Pointen heißt Witz.“ Menschen, die „vorgestanzte Witze“ erzählen, kenne er gar keine mehr. Und er widerspricht einer berühmten Sentenz von Charlie Chaplin: Mitnichten müsse ein Tag ohne Lachen ein verlorener sein; man könne ja auch einfach viele sinnvolle Dinge erledigt haben – ohne zu lachen. Eine heitere Lebenseinstellung, Gelassenheit, Fähigkeit zum Selbsttrost, all das mache den Humor aus. Ein kluger Mann, so Goldt, habe ihm einmal gesagt, Humor sei das Gegenteil von sich gehen lassen.

Im übrigen hat Max Goldt die soeben erschienene, sechs CDs umfassende Box „Draußen die herrliche Sonne“ (Tapete Records) zum Erwerb empfohlen – worin ihm zu folgen ist. Die von Goldt sorgfältig zusammengestellte – von der Hitnummer „Wissenswertes über Erlangen“ beispielsweise ist die ursprüngliche Schredderfassung zu hören – und im Beiheft kommentierte Sammlung mit Stücken von 1980 bis 2000 bietet einen Überblick erster Güte unter anderem über das Werk des New-Wave-Duos Foyer des Arts (mit Gerd Pasemann), das in seinem musikalisch offenen Experimentierwillen auf der Höhe der damaligen Zeit agierte.

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