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William Trevor ist gestorben.
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William Trevor ist gestorben.

William Trevor ist tot

Für die Glücklosen und Verlorenen

Zum Tod des irischen Autors William Trevor. Der Autor von „Felicias Reise“ wurde 88 Jahre alt.

William Trevor gehört in die Reihe irischer Autoren (Swift, Wilde, Joyce, Beckett), die zwar Irlands Ruhm als Kaderschmiede für Dichtung in die Welt hinaus trugen, aber nicht von Irland aus. 1928 in der Grafschaft Cork geboren, wanderte Trevor als junger Lehrer in den fünfziger Jahren nach England aus. Nicht weil er es unbedingt gewollt hätte, erklärte er später, sondern um zu schreiben. „Es waren sehr schwere Zeiten. Ich hätte nicht mal eine kleine Familie ernähren können, wenn ich nicht eine Arbeit angenommen hätte, die ich nicht wollte.“ Aufschlussreich auch sein Bekenntnis: „Ich hätte die gleichen Romane und Kurzgeschichten schreiben können, wenn ich Irland nie verlassen hätte. Aber nicht über Irland.“

Wie die Dinge dann lagen, wurde Trevor in mehr als einem Dutzend Romane und in seinen zahlreichen Erzählungsbänden zu einem Chronisten und Biografen der alten Heimat: Sonderlinge interessierten ihn, Gescheiterte, Spielbälle in der bewegten irischen Geschichte seit den zwanziger Jahren, und überhaupt schloss man aus seinen Büchern natürlich auf irische Gegebenheiten – und die Schicksale der Ausgewanderten –, wobei Trevor selbst immer betonte, er schreibe ohne vorgefasstes Ziel. „Ich bin ein Geschichtenerzähler.“

Im englischsprachigen Raum machte ihn das berühmt – dreimal gewann er den hochdotierten Whitbread Award, der heute Costa Book Award heißt –, in Deutschland nicht ganz so sehr, wie es sich seine Leser wünschten. Am bekanntesten wurde er hierzulande vielleicht mit dem eigenartigen Psychothriller „Felicias Reise“ (1994), der von einer an sich äußerst entschlossenen jungen Auswanderin erzählt, die fürchterlich den Boden unter den Füßen verlieren wird (Atom Egoyan verfilmte den Stoff unter dem Titel „Felicia, mein Engel“).

Auch er Nobelpreis-Kandidat

Oft wird zitiert, dass Trevor Patricia Highsmith als Vorbild sah, von der er gewiss die Kunst der Andeutung lernte und für seine Zwecke verwendete: Sei es das Abdriften der glücklosen Mary Louise Dallon in einen verhältnismäßig friedfertigen Wahn („Turgenjews Sommer“, 1991), sei es die unauffällige Verlorenheit des auch buchstäblich verlorengegangenen Kindes Lucy („Die Geschichte der Lucy Gault“, 2002).

Zuletzt war William Trevor noch einmal, einmal wieder als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch. Das hat zwar bekanntlich nicht zu viel zu sagen, aber etwas schon. Am Sonntag ist Trevor, wie sein Verlag Penguin am Montagabend mitteilte, im Alter von 88 Jahren gestorben.

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