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Für Fred ein vertrautes Terrain, seine Mutter ist Friedhofsverwalterin.

Neue Kinderbücher

Wer glaubt schon einem Affen?

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Kinderbücher, die die Spannung steigen lassen: Neues, fabelhaft Unterhaltsames von Jakob Wegelius, Philip Kerr und Kai Lüftner.

Die düsteren Gassen von Lissabon: Unschuldig sitzt ein Mann im Gefängnis. Dem Seemann Henry Koskela ist Schlimmes widerfahren, als er merkte, dass sein Schiff für Schmuggelware benutzt werden sollte. Und nun gilt er als Mörder des Mannes, der ihm die Sache eingebrockt hatte. Koskelas Maschinist könnte die Wahrheit mitteilen. Doch wer glaubt schon einem Affen? Das Gesicht auf dem Buchtitel gehört zu Sally Jones, der Erzählerin des Romans. Sie ist ein Gorilla, kann zwar nicht sprechen, aber schreiben. Um ihren besten Freund ins Recht zu setzen, schreibt sie dieses Buch, einen prachtvollen Abenteuerroman mit Gefahren und Tricks, Halunken und Helfern. Die Handlung führt in Kneipen und in Opernhäuser, in die dunklen Gassen Lissabons und in einen indischen Palast. Jakob Wegelius, der eigentliche Autor, ist nicht nur ein großartiger Erzähler, sondern auch ein filigraner Zeichner. All die sprechenden Illustrationen im Buch stammen von ihm (ab zehn).

Buchladen mit dunklem Geheimnis: Philip Kerr ist ein Autor, der von erwachsenen Krimilesern geschätzt wird. Dass er auch spannend für Kinder schreiben kann, das bewies er mit der Serie „Kinder des Dschinn“. In der „Schaurigsten Geschichte der Welt“ führt er nun ein bücherliebendes Kind (was es ja kaum noch geben soll) in eine Buchhandlung (ein Ort, der kaum noch gebraucht wird), wo es nicht nur spukt wie in der Geisterbahn, sondern der Besitzer auch noch haarsträubende Geschichten erzählt. Er ruft sogar einen Wettbewerb aus (was ja heutzutage sehr beliebt ist). Kerr hat Witz und ein gutes Gefühl dafür, wie man eine gruselige Szene ausschmückt. Und gerissen ist er außerdem. Wenn er empfiehlt, ein Kapitel kleineren Geschwistern vorzulesen, „am besten vor dem Schlafengehen“, müsste es richtig heißen: Hände weg, sonst werdet ihr kein Auge zumachen (ab elf)!

Eine Familie aus dem Jenseits: In diesem Buch bekommt das Wort Friedhofsgemüse einen ganz neuen Klang. Fred lebt nämlich auf dem Friedhof, nicht als Gespenst, sondern in einem Haus mit Garten, denn seine Mutter arbeitet dort als Verwalterin. Gelegentlich bittet sie ihn um Mithilfe, mal muss er die Gitter der Grüfte kontrollieren, mal muss er sich als scheinbarer Trauergast in die Kapelle setzen. Spuk begegnet ihm zunächst nur in der Schule – in Gestalt eines Orks, eines unflätigen, angeberischen Mitschülers. Doch dann erwachen die Steinskulpturen in der Finsterstein-Gruft zum Leben. Kai Lüftner, einer der unterhaltsamsten Kinderbuchautoren deutscher Zunge, hat Fred erfunden, lässt ihn erzählen und sich dabei um Kopf und Seele reden. Seine „Finstersteins“, der Beginn einer Serie, sind eine genüssliche Parodie auf einen Gruselkrimi. Jegliche Gefahr wird mit Humor gebannt (ab neun).

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