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Gewäsch aus dem globalen Dorf

Der französische Journalist Eric Laurent nährt noch einmal die Gerüchte um die Terroranschläge vom 11. September 2001

Von RALF HANSELLE

Die Wahrheit ist ein rares Gut. Eindeutige Tatsachen und zweifelsfreie Ereignisverläufe sind in der Postmoderne jedoch nur noch selten anzutreffen - vermutlich mit ein Grund dafür, dass in kaum einer Epoche seit der Aufklärung so viele Verschwörungstheorien und Parallelwahrheiten auf den Markt gekommen sind. Der 11. September 2001 hat diesen Trend noch beschleunigt: Selten hat ein Ereignis so viel Widerspruch und so viele Gegendarstellungen provoziert, wie der Zusammenbruch der Zwillingstürme des World Trade Centers.

Familie Bush auf dem Kieker

Einer, der hinter all den Synchronerzählungen, Legenden und Teilwahrheiten noch ein geschlossenes Wirklichkeitsbild ans Tageslicht fördern will, ist der französische Journalist Eric Laurent. So heißt sein jüngstes Werk über die Ereignisse von New York und den Krieg gegen den Terror denn auch schlicht 9/11/01. Die Wahrheit. Bereits hier macht Laurent unmissverständlich deutlich: Er hat Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse. Der 600 Seiten starke Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zum 11. September enthält für den prominenten Freien Mitarbeiter des Magazins Le Figaro eine Sicht auf die Terrorangriffe, die er nicht zu teilen bereit ist.

Schon öfter hat Eric Laurent in den vergangenen Jahren seine Einsprüche gegen die Weltsicht der gegenwärtigen US-Regierung zu Papier gebracht. Mit Büchern wie Die Kriege der Familie Bush oder Die neue Welt des George W. Bush entwickelte er sich zu Frankreichs oberstem Bush-Basher. Mit seinem neuesten Werk läuft Laurent allerdings dem Zeitgeist hinterher: Die großen Alternativerklärungen zu den Ereignissen und Hintergründen der Terroranschläge von New York und Washington sind entweder alle längst auf den Grabbeltischen Moderner Antiquariate gelandet oder wandern im Internet von Weblog zu Weblog.

Der Clou an Laurents Buch ist ein anderer: Er verspricht aufwändige Ermittlung und lupenreine Beweisführung. Eine Arbeit, bei der er nach eigenen Angaben immer wieder auf ein Schweigekartell aus Politik, Wirtschaft und Geheimdiensten gestoßen sei. Vielleicht mit ein Grund, warum Laurent letztlich nicht viel mehr zu erzählen weiß als das, was sich Autoren wie Matthias Bröckers oder Andreas von Bülow mit ihrer unnachahmlich kreativen Recherche bereits vor Jahren zusammengedichtet hatten: etwa jene längst widerlegte Legende, nach der sieben der Attentäter vom 11. September noch am Leben seien.

Gestützt auf zum Teil fragwürdige Zeitungsartikel und angefeuert vom Ehrgeiz, eine große Schweinerei aufzudecken, zimmert sich Laurent nicht nur an dieser Stelle eine äußerst luftige Weltsicht zusammen. Denn Beweise hat er natürlich keine. Was seiner Argumentation als Unterpfand fehlt, das wird stets durch die Aussagen geschwätziger Zeugen und Informanten angefüllt. Da gibt es "Finanzexperten", "Spezialisten" und "Verantwortliche aus dem Pentagon". Kurz: All die gut informierten Kreise, die aus einer holprigen Geschichte eine runde Sache machen. Warum Eric Laurent seine Gewährsmänner an keiner Stelle beim Namen nennt, bleibt über 260 Seiten des Buches sein großes Geheimnis.

Durchaus interessant ist immerhin jenes Kapitel, in dem er darauf hinweist, dass es in den Vereinigten Staaten einen Softwarekonzern gäbe, der sicherheitsrelevante Daten für das FBI, die Luftfahrtbehörde und die Nato aufbereite. Hauptaktionär: Ein Saudi namens Yasin al-Quadi, der als wichtiger Finanzier des internationalen Terrorismus gilt. Sollten diese Informationen stimmen, dann kratzen sie erheblich am Ethikkodex zahlreicher US-Geschäftsleute. Was all das jedoch mit den Selbstmordattentätern um Mohammed Atta zu tun haben soll, erwähnt Eric Laurent an keiner Stelle.

Eine Vorgehensweise, wie sie typisch ist für dieses Buch. "Gerüchte gibt es viele", so schreibt Laurent an einer Stelle, an der es um den wieder erblühenden Drogenanbau im Nachkriegs-Afghanistan geht. "Vielleicht sind sie übertrieben, aber wohl selten ganz aus der Luft gegriffen." Trefflicher hätte Frankreichs grand reporter, wie Laurent von seinem deutschen Verlag genannt wird, seine eigene Arbeitsweise nicht auf den Punkt bringen können. Sie bläst Anekdoten, Geflüster und Gewäsch aus dem globalen Dorf zum großen Fama von der Konspiration auf.

Ungeahnte Motive

Welche Macht am Ende wirklich hinter den Anschlägen auf das World Trade Center gestanden hat, verrät Eric Laurent mit keinem Wort. Wer sich bis ans Ende des Buches durchbeißt, erfährt einiges über die Topographie Afghanistans, die Arbeitsweise von Al Dschasira oder die Ränkespiele des Mossads. Letzterer hat seit Jahren einen festen Platz im Basispaket der Geheimbündelei. Da kommt es Laurent natürlich zupass, dass der israelische Geheimdienst die CIA bereits vor den Anschlägen auf das World Trade Center vor einem Terrorakt gewarnt haben soll. Warum der Autor dieses seit zwei Jahren bekannte Wissen jedoch als Insiderinformation präsentiert, bleibt ebenso sein Geheimnis, wie die ungenannten Motive, die jemand an einem mehr als dreitausendfachen Mord haben könnte.

Eric Laurent:9/11/01. Die Wahrheit. Aus dem Französischen von Enrico Heinemann. Piper Verlag, München 2005. 270 Seiten, 18,90 Euro.

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