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Ein Gespür für den guten Ton

Der Hamburger Jumbo-Verlag setzt auf eine Mischung aus Nachfrage, Qualität und Experiment

Von HEIKE BYN

Mit einem Ohr sind Papa und Mama immer dabei. Bei offener Kinderzimmertür mitten in der Sesamstraße oder auf dem Bauhof von "Bob der Baumeister". Da wünscht man sich mit Kurt Tucholsky ganz dringend ein Paar Ohren-Lider. Es sei denn, die Eltern dürfen einen der eher seltenen Hörgenüsse mit ihren Kindern teilen. Zum Beispiel mit einem Hörbuch aus dem Jumbo-Verlag.

"Für Kinder nur das Beste" ist das Motto des Hamburger Jumbo-Verlages, den 1991 sieben Kreative aus der Taufe hoben. Einer von ihnen war der Kinderliedermacher und Autor Ulrich Maske, inzwischen Jumbo-Programmchef. Seither posaunt der knallrote Elefant im Logo, als "Patengeschenk" entworfen von Jutta Bauer, imposante Töne in die Hörbuch-Landschaft. "Kinder gehen mit offenen Augen durch die Welt, und wir begleiten sie dabei, ohne sie medial zuzukleistern", beschreibt Ulrich Maske das Verlagsprogramm. Hörbilder, Geschichten und Lieder gibt es für Babys, Kindergarten- und Grundschulkinder. Jugendliche und Erwachsene finden bei "Goya", dem literarischen Hörprogramm des Jumbo-Verlags, Klassiker und Bestseller.

Etliche der rund 600 Jumbo-Produktionen standen schon auf Bestenlisten; einige erhielten den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Nicht zuletzt auch ein Verdienst von Ulrich Maske, der viele Lieder komponiert und textet, und auch als Regisseur und Produzent von Hörbüchern wirkt. In erster Linie will Maske mit Musik Atmosphäre schaffen, Kinder zum Spielen anregen und zum eigenständigen Denken animieren. Viel konsequenter als andere Kinderliedermacher bezieht Maske dabei traditionelle Kinder- und Volkslieder mit in seine wohlüberlegten Abläufe ein.

Musik ist beim Jumbo-Verlag mehr als eine angenehme Begleiterscheinung von Hörbüchern. Erst recht seit Marko Simsa mit seinem "Klassik für Kinder"-Programm dabei ist. "Die Idee hatten schon andere, aber unsere Umsetzung ist neu, denn Simsa nähert sich dem Thema selbst wie ein Kind. Unbefangen und verspielt", so Maske. Im Herbst-Programm bringt Simsa den Kindern die Flötentöne bei. Mit den Blockflöten-Hits für Kinder befreit er sie vom Flötenkreis-Mief und macht sie zum Star von Boogie-Woogie und Blues.

Sachthemen plastisch und kindgerecht darzustellen, das ist dem Ravensburger Verlag mit seiner "Wieso? Weshalb? Warum?"-Reihe gelungen. Für die Hörfassung mit Geräuschen und Musik haben Maske und sein Team Tommi Piper gewonnen, die deutsche Stimme von Alf, der sich mit den Kindern an seiner Seite neugierig durchs Thema fragt. Wer da die Ohren spitzt, hat gleich etwas für die ersten Schuljahre gelernt. Das Ohrenspitzen erwartet auch der Leselöwe, das energische und dennoch sympathische Maskottchen einer Jumbo-Reihe mit Detektiv- und Dachbodengeschichten, Monster- und Torjägerabenteuern, die alle auch im Buchverlag Loewe als Leseausgaben erschienen sind. Ein gewollter Synergie-Effekt: "Über das Hören der Geschichten schulen die Kinder auch das Lesen, denn sie sind neugierig auf Bücher geworden."

Die Idee mit der Literatur für die Ohren boomt. Dabei ist sie nicht neu, sondern noch älter als die Buchdruckkunst, sagt Ulrich Maske. "Am Anfang waren das antike griechische Theater und das gesprochene Wort", so Maske. Doch ob Aristoteles und Co. wirtschaftlich so erfolgreich waren wie der Jumbo-Verlag? "Wir fahren alle keine Porsches, aber zum guten Leben reicht es", gibt sich der Jumbo-Chef bescheiden. Das glauben wir sofort, freute man sich doch bei Jumbo im letzten Jahr über 45 Prozent Umsatzzuwachs. Kein Wunder, dass der Verlag konzernunabhängig agiert.

Auch in Zukunft setzt das Jumbo-Team auf eine Mischung aus nachfrageorientierten Produktionen und Experimenten. Unangepasstes wie die Vertonung von Denk dir die Welt von Brigitte Labbé, mit der Musik von Matthias Meyer-Göllner findet seinen Platz neben erfolgreichen Reihen wie der "Wieso?"-Serie. Und die Zusammenarbeit mit bekannten Autoren wie Kirsten Boie oder Cornelia Funke geht ebenso weiter wie die mit Musikern vom Schlage eines Marko Simsa.

Kulturpessimisten sehen mit dem Boom von Hörbüchern das Ende des Buches nahen. Doch genau betrachtet, ist damit auch ein Neubeginn möglich. Vor allem mit jungen Nicht-Lesern, die durch das Hörerlebnis vielleicht Lust aufs Original bekommen.

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