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Das zerstörte Beirut im Jahr 1976.
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Das zerstörte Beirut im Jahr 1976.

Iman Humaidan

Die Geschichtensucherin

  • VonCornelia Geissler
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Iman Humaidan erzählt in "Fünfzig Gramm Paradies" von den Frauen von Beirut.

Das erste Kapitel dieses Buches liest sich wie eine Filmszene. Eine junge Frau, Nura, läuft eilig durch die Straßen einer Stadt. „Irgendwo knallten Schüsse, bald näher, bald ferner, wie eine Schaukel aus Geräuschen, die in stetem Rhythmus Furchen über den Himmel zog.“ Wir befinden uns in Beirut im August 1978. Es ist das dritte Jahr des Bürgerkriegs, der noch bis ins Jahr 1990 toben wird. Nura will zu ihrem Baby zurück, das sie bei ihrer Nachbarin Sabah gelassen hatte. Sie schlägt Haken, sie lässt das Taxi absichtlich nicht bis vors Haus fahren. Doch dann richtet ein Geheimdienstmann seine Waffe mit Schalldämpfer auf sie. Diese Journalistin war im Weg, sie wusste zu viel. Aber was wurde aus ihrem Sohn?

Die Autorin von „Fünfzig Gramm Paradies“, Iman Humaidan, ist zu jener Zeit aus dem Libanon geflohen, mittlerweile lebt sie sowohl in ihrer damaligen Exilheimat Paris als auch wieder in Beirut. Schon in ihrer Magisterarbeit als Soziologin beschäftigte sie sich mit Menschen, die im Bürgerkrieg verschwanden – die ermordet wurden, verschleppt oder unter anderen Namen in Sicherheit gebracht. Maja, neben Nura und Sabah eine der drei Hauptfiguren in ihrem Roman, ähnelt ihr in dieser Hinsicht: Sie ist 1994 als Filmemacherin zurück nach Beirut gekommen, um dem Schicksal von Nura und ihrem Sohn nachzuspüren. Und so erklärt sich auch der zuweilen filmische Blick der Autorin.

Iman Humaidan setzt in Episoden und aus einem Briefwechsel, den sie erfindet, Lebenswege zusammen. Ihr eindringlicher Roman handelt von Menschen zwischen den Mahlsteinen der Politik, gefangen auch in familiärer und religiöser Tradition. Nura ging aus Syrien nach Beirut, weil sie glaubte, dort frei arbeiten zu können. Die aus der Türkei stammende Kurdin Sabah musste nach einer unglücklichen Liebe einen Mann heiraten, den ihre Familie ihr bestimmte. Und Maja forscht in den Geschichten anderer Menschen und findet dabei den Angelpunkt für ihre eigene.

Iman Humaidan ist jede ihrer Figuren wichtig, mit ihnen macht sie Fremdes vertraut. Manchmal fällt es schwer, ihr zu folgen, wenn sie über die Zeiten springt. Doch dann lohnt es sich, noch einmal zurückzublättern.

Iman Humaidan : Fünfzig Gramm Paradies. Roman aus dem Libanon. Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Lenos, Basel 2017. 270 Seiten, 22 Euro.

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