Margaret Atwood

Genau, sie ist ein Parasit

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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„Die Füchsin“: Unidyllische Gedichte von Margaret Atwood.

Jeder weiß“, so Michael Krüger im Vorwort, „dass Gedichte irgendwie nicht mehr dazugehören.“ (Daran wird auch kein Nobelpreis etwas ändern.) Er, der selbst Lyrik schreibt, spricht hier von der ja eigentlich weltumfassenden Bekanntheit Margaret Atwoods (ah, „Report der Magd“), trotz der aber ihre rund 20 Gedichtbände kaum wahrgenommen wurden und werden, nicht einmal in Kanada. Erstmals hat der Berlin-Verlag jetzt eine Auswahl der Jahre 1965-1995 getroffen und sie übersetzen lassen, von Kolleginnen wie Ann Cotten, Ulrike Draesner, Elisabeth Plessen, Alissa Walser.

Man trifft hier nicht auf eine andere, unvertraute Atwood, denn auch in ihren Gedichten ist sie unumwunden, nüchtern, dazu aber sparsam, gehärtet und präzise wie ein teures japanisches Messer. Sie kommt auf den Punkt, hat kein Interesse am Ungefähren und an Originalitätsschleifen. Kein Wort nur um des Wortes Willen.

Zum Buch

Margaret Atwood: Die Füchsin. Gedichte 1965-1995. Berlin Verlag. 416 S., 40 Euro.

Liebesgedichte? Eher nicht, obwohl sie „Nichts“ beginnt: „Nichts bringt so wie Liebe wieder / Blut in die Sprache.“ Und obwohl oft ein Gegenüber angesprochen wird. Atwood weiß um „Machtpolitik“ – so der Titel eines Bandes von 1971 – zwischen Partnern und schont ihr Sprecher-Ich nicht. „Du batest um Liebe / Ich gab dir nur Beschreibungen // Bitte stirb sagte ich / So kann ich über sie schreiben“ („Ihre Haltungen unterscheiden sich“). Zum Gegenüber macht sie auch Tiere oder wechselt die Seiten, gibt ihnen eine kräftige, bisweilen wütende Stimme. Der „Gesang der Würmer“ enthält keine Demut, sondern eine Drohung: „Bald werden wir einmarschieren wie Unkraut, / überallhin, aber langsam.“

Auch die Ratte triumphiert – „Genau, ich bin ein Parasit“ – und pisst aufs vom Menschen ausgelegte Gift („Rattengesang“). So viel hier von der Natur die Rede ist, romantisch kann man die Gedichte der Kanadierin beim besten Willen nicht nennen. Keine Idylle, nirgends, dafür scharfe Zähne, harte Wälder, „abgenagte Knochen“. Und in der sogenannten Zivilisation „abgelatschte Straßen“ und „abgestandne Gebäude“.

Die Lyrikerin Atwood zielt auf den Kern, er liegt wie in einem Fadenkreuz, und wenn es sein muss, legt sie sich dazu, alles riskierend: „Ich bin keine Heilige und kein Krüppel, / Ich bin kein Wundmal; jetzt werde ich sehen, / ob ich ein Feigling bin.“ („Sein/Kein“)

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