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Oberbürgermeister Feldmann (rechts) im Gespräch mit FR-Redakteur Göpfert.

Rechtspopulismus

Gemeinsam gegen rechts

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Am FR-Stand sind Oberbürgermeister Feldmann und Direktor Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank zu Besuch. Es dreht sich um Rechtspopulismus und Diskussionen innerhalb linker Gruppen.

Der Internationalen Automobilausstellung im September war Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ferngeblieben, weil er seine gegenüber der Autoindustrie kritischen Rede nicht halten durfte. Zur Buchmesse kam er und durfte auch reden: Am Stand der Frankfurter Rundschau sagte er im Gespräch mit FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert, dass es inzwischen „vergnügliche Gespräche mit Vertretern der Autoindustrie“ über einen Fortbestand der Messe in Frankfurt gegeben habe. „Das Image von leicht bekleideten Frauen auf glänzenden Autos ist auch da aus dem letzten Kopf verschwunden.“ Man habe über eine Mobilitätsmesse gesprochen, bei der verschiedene Verkehrssystemen integriert werden könnten.

Auch um Rechtspopulismus drehte sich das Gespräch. Der Zuspruch dafür sei ungebrochen, sagte Göpfert und fragte, was die Stadt dagegen tun könne. Für Feldmann ist klar, dass man da ansetzen sollte, wo es in der Vergangenheit noch nicht so sehr geschehen sei: Kinder und Jugendliche sollten aufgeklärt werden. Sie sollten über ihre eigene Geschichte lernen. Über die Schule, aus der Schüler und Lehrer herausgeholt wurden etwa. „Das öffnet Emotionalität.“ Und die Antwort von Frankfurt sei immer „mehr Demokratie, mehr Vielfalt“. Außerdem habe die AfD in Frankfurt das schlechteste Ergebnis auf nationaler Ebene eingefahren. „Da muss man als Oberbürgermeister nicht in Tränen ausbrechen.“

Um Diskussionen innerhalb linker Gruppen ging es dagegen im Gespräch am FR-Stand mit Direktor Meron Mendel und Pädagogischer Leiterin Saba-Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank. Sie sind Mit-Herausgeber des Buches „Trigger-Warnung: Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen“. Es drehte sich um die Frage, warum sich linke Gruppen eher beharken, statt sich gegen Rechte zusammenzuschließen. „Es hat sich bei mir die Wahrnehmung gefestigt, dass deutsche Linke einen absoluten Wahrheitsanspruch haben“, sagte Mendel. Man wolle sich immer sicher sein, auf dem richtigen Fleck zu stehen. „Und wer einen Zentimeter zu weit links oder rechts steht, der wird zum Kollaborateur mit dem Bösen“.

Oft genug reiche ein Wort, um Leute in ihren Emotionen zu verletzen, sagte Mendel. Dann werde ein gemeinsames Ziel aufgehoben. Cheema kennt das aus der Arbeit in der Bildungsstätte. Bei einer Erwachsenenfortbildung wurde darüber gesprochen, warum das Wort „Zigeuner“ nicht mehr verwendet wird. „Zwei Teilnehmerinnen sind aufgestanden und wollten nicht weitermachen, weil das Wort benutzt wurde und sie sich verletzt fühlten“, sagte Cheema. „Das ist ein Totschlagargument, es war nicht mehr möglich, weiterzuarbeiten.“ Das gemeinsame Ziel ging verloren. Mendel plädierte insgesamt für etwas mehr Lockerheit. „Man muss in der Lage sein, es auszuhalten, dass es Menschen gibt, die nicht unsere Begriffe nutzen.“

FR-Redakteur Viktor Funk, der das Gespräch moderierte, fragte, ob etwa das Umbenennen von Straßen und Entfernen von Denkmälern wie aus der Kolonialgeschichte eine Lösung sei. „Verschwinden dann nicht auch die Fragen?“ Für Mendel ist eine Diskussion immer wertvoller als ein Entfernen. „Ein Verbot ist immer die falsche Antwort.“

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