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Von: Christoph Manus

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Persönlicher als in den meisten Hotel geht es bei der privaten Vermietung an Touristen zu.
Persönlicher als in den meisten Hotel geht es bei der privaten Vermietung an Touristen zu. © Airbnb

Die Hoteliers sind wütend, dass die Buchmesse diesmal mit Airbnb, einem Vermittler von privaten Unterkünften an Touristen, kooperiert. Auch die Stadt Frankfurt ist über den Erfolg der Plattform nicht nur glücklich.

Vor allem jüngere Touristen schwören drauf. Statt in teuren oft austauschbaren Hotelzimmern schlafen sie für wenig Geld auf einer Bettcouch, buchen ein WG-Zimmer oder auch zu mehreren ein ganzes Appartement. Mehr als 1000 Frankfurter wiederum überlassen ihre Wohnung, wenn sie zum Beispiel verreist sind, gern gegen Geld an Touristen. Unternehmen wie Airbnb bringen Gäste und Gastgeber zusammen. Die Anbieter präsentieren sich auf dieser Plattform mit Bild ihrer Wohnung und einem Porträtfoto. Alles wirkt locker und unkompliziert, wie in einem sozialen Netzwerk. Und die Nutzerzahlen steigen und steigen.

Nun wirbt auch noch die Frankfurter Buchmesse offensiv für Airbnb. Über eine exklusive Kooperation mit dem US-Unternehmen aus dem Silicon Valley will sie potentielle Besucher ansprechen, die sonst wegen der zu Messezeiten stets besonders teuren Hotels den Weg nach Frankfurt scheuen würden. „Übernachtungsproblem gelöst!“, behaupten die neuen Partner bereits.

Doch der Trend zur privaten Übernachtung stößt nicht nur bei Hoteliers auf kräftigen Widerstand. Was für manchen Frankfurter eine nette Gelegenheit ist, sein Konto etwas aufzubessern und vielleicht sogar nette Leute kennenzulernen, hält die Stadt in vielen Fällen schlicht für den Entzug von ohnehin knappen Wohnraum, teilweise sogar für illegal. Nichts spreche zum Beispiel gegen einen so genannten Wohnungstausch im Urlaub, sagt Mark Gellert, Sprecher von Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne). Dass eine erhebliche Zahl von Wohnungen aber dauerhaft dem Wohnungsmarkt entzogen werde, wolle die Stadt nicht einfach durchgehen lassen.

Daher verkauft es Gellert auch als Erfolg, dass nach einer Informationskampagne, zu der auch Kontrollen gehörten, im vergangenen Jahr 430 private Anbieter aufgaben. Sie sahen sich offenbar nicht in der Lage, die Auflagen zur privaten Vermietung an Touristen zu erfüllen. Denn die sind durchaus streng, und bei Missachtung drohen Bußgelder. Wer selbst Mieter ist, muss den Wohnungseigentümer um Erlaubnis bitten. Selbst Eigentümer stehen aber vor beträchtlichen Hürden. Weil die Stadt schnell gewerbliche Zwecke unterstellt, müssen die Anbieter nicht nur die Einnahmen versteuern, sondern sind gehalten, ein Gewerbe anzumelden. Die Bauaufsicht muss zudem einer Nutzungsänderung zustimmen. Sicherheitsauflagen sind einzuhalten.

Einen allzu hohen Aufwand betreibt die Stadt beim Kampf gegen nach ihrer Ansicht illegale Anbieter aber derzeit offenbar nicht. „Es gibt keine Abteilung, die täglich das Internet durchforstet“, sagt Gellert. Wenn das Land ein Zweckentfremdungsverbot für Wohnraum beschließe, wie etwa in Berlin geschehen, würde das die Stadt nach seinen Angaben zwar begrüßen. Wichtiger um den Mangel an Wohnraum zu bekämpfen, sei aber etwa die Wiedereinführung der Fehlbelegungsabgabe.

Airbnb sieht die Verantwortung für die Befolgung der Auflagen offenbar bei den einzelnen Anbietern. „Vergewissere Dich, dass Du mit allen Genehmigungen, Begrenzungen, Sicherheits- und Gesundheitsregelungen vertraut bist, die auf Dich zutreffen könnten. Die Behörden vor Ort können hier hilfreiche Ansprechpartner sein“, heißt es auf der Plattforum des Unternehmens.

Attraktiv für junge Leute

Mehr Einsatz von der Kommunalpolitik gegen den Trend zu privaten Übernachtungsangeboten verlangt nicht ganz unerwartet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und fordert die Städte auf, sämtliche rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Dass für diesen Markt nicht die selben Einschränkungen und Auflagen gelten würden wie für die Hotels sei eine „eklatante Wettbewerbsverzerrung“, beklagt Eduard M. Singer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Frankfurt. Besonders wurmt ihn der Kooperationsvertrag der Buchmesse mit Airbnb. Man dürfe nicht den Fachkräftemangel beklagen, es aber gleichzeitig zulassen, dass „private Laien“ professionelle Messepartner würden. „Die bilden nämlich außer ihrem eigenen Geldbeutel nicht aus und leisten keinen Beitrag zum Wirtschaftskreislauf der Region“, behauptet er.

Die Veranstalter der Buchmesse verteidigen die Kooperation mit Airbnb dagegen. Ziel sei es, eine junge nachwachsende Generation anzusprechen, sagt PR-Manager Frank Krings. Er gehe zudem davon aus, dass Airbnb den Hotels keine Gäste wegnimmt, sondern Besucher anspricht, die sich die Hotelpreise nicht leisten können.

Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus- und Congress GmbH, kann den Ärger der Hoteliers über Wildwuchs bei privaten Vermietungen dagegen nachvollziehen. Zwei Herzen schlügen bei diesem Thema allerdings in seiner Brust, sagt er der Frankfurter Rundschau. Als Tourismusverantwortliche sei er schließlich auch bestrebt, dass die Übernachtungspreise in Frankfurt auch zu Messezeiten bezahlbar blieben.

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