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Geldrelevante Fragen

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Alles dreht sich ums Geld - aber  nicht das ist das Problem, sondern unser Verständnis vom Geld, sagt der Anlageberater, Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Felix Martin.
Alles dreht sich ums Geld - aber nicht das ist das Problem, sondern unser Verständnis vom Geld, sagt der Anlageberater, Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Felix Martin. © rtr

Eine sinnvolle Investition: Drei Bücher über Finanzen und Moral.

Von Dirk Pilz

Von der Waffe zum Werkzeug Man kann etwas tun! Aber Theorie allein hilft auch nicht, sagt Christian Felber, einer der prominenten Globalisierungskritiker derzeit. Man muss etwas tun – und man kann etwas tun. Wir alle können an der „demokratischen Weiterentwicklung der Geldordnung“ mitwirken, was für ihn zugleich heißt, die Demokratie selbst weiterzuentwickeln. Das vor allem brauche es, meint Felber, weil nur so das Geld „von der Waffe zum Werkzeug werden“ könne. Er schlägt deshalb die Einberufung von Geldkonventen vor, in der alle geldrelevanten Fragen, auch die theoretischen, vom Souverän, also vom Volk, verhandelt werden. Er denkt dabei zunächst an kleine, lokale Konvente, die sich zu größeren, am Ende womöglich globalen zusammenschließen.

Sein neues Buch „Geld“ begründet ausführlich, warum es gerade solche Konvente braucht, und es zeigt detailliert, wie man sie auf den Weg bringt. Auch ein ausführlicher Fragenkatalog ist dem Buch beigegeben. Für Felber ist damit alles beisammen, was es für die Umwälzung der Geldordnung bedarf. Man muss es nur umsetzen.

Geld ist ein Maß und keine Ware Wie es zur weltweiten Finanzkrise kommen konnte? Weil sich alles ums Geld dreht, sagt der britische Anlageberater, Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Felix Martin. Aber das ist nicht das Problem, sondern unser Verständnis vom Geld: Es ist schlichtweg falsch. Denn Geld nehmen wir als Ware, dabei war es einst aus guten Gründen lediglich ein Maß für wirtschaftliches Handeln und das Aufnehmen von Krediten, um Handelsbeziehungen zu ermöglichen. Seit dem 18. Jahrhundert aber hat sich ein Warenverständnis des Geldes durchgesetzt, das uns erst in die Finanzkrise bringen konnte. Sagt Martin und schlussfolgert entsprechend, dass nur eine „sachgerechte Restrukturierung des Geld- und Bankenwesens“ aus der Krise führen kann.

Das bleibt in seinem Buch „Geld, die wahre Geschichte. Über den blinden Fleck des Kapitalismus“ zwar eine löchrig begründete Behauptung, dafür aber liefert es eine erhellende, überraschungsreiche Geschichte des Geldes, die auf der westpazifischen Insel Yap im 19. Jahrhundert beginnt und in die Gegenwart führt.

Der Markt hat Moral Geldkritik, Kapitalismuskritik. Das ist natürlich nicht neu. Das kapitalistische Marktverhalten wird kritisiert, seit es in Erscheinung trat – und es wurde immer auch schon verteidigt. Schwer zu sagen, ob es in Sachen Markt und Moral Fortschritte gibt. Eher scheint es, dass die auch heute noch üblichen Argumente für und wider eine marktwirtschaftliche Gesellschaft immer wieder vergessen und immer wieder entdeckt werden.

Auch entdeckt werden müssen. Das lässt sich hervorragend an dem von Lisa Herzog und Axel Honneth herausgegebenen Sammelband „Der Wert des Marktes. Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ studieren. Er bündelt zentrale Texte von Adam Smith bis Karl Marx und Rosa Luxemburg, von Hegel und Amartya Sen. Daneben auch wichtige Aufsätze, die hierzulande weniger bekannt sind, von dem US-amerikanischen Ökonomen und Aktivisten Michael Albert oder dem Soziologen Eric Olin Wright etwa. Vielleicht muss auch in Kapitalismus- und Marktfragen das Rad nicht immerfort neu erfunden werden? Vielleicht hilft das Studium der Geschichte doch?

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