Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Von geistreicher Hand

Mär von den Musen: Brigitte Roßbeck über Caroline Schlegel-Schelling

Gewiss ist es nützlich, einen Menschen an der Seite zu haben, der einen unterstützt in allen Dingen. Dabei ist nicht nur an das Braten eines Spiegeleis zu denken, bevor das Tagwerk beginnt. Auch hat der Unterstützte wenig Grund, das an die große Glocke zu hängen.

Dass Caroline Schlegel (1763 - 1809) ihrem Mann August beim Übersetzen von Shakespeares Dramen behilflich war, als Wortfinderin (und was eigentlich ist eine Wortfinderin anderes als eine Mit-übersetzerin?), Glätterin, Endredakteurin, hat sich in der Literaturgeschichte kaum festgesetzt. Als August 1828 seine "Kritischen Schriften" herausgab, räumte er ein: "Die in der Inhalts-Anzeige mit einem Sternchen bezeichneten Stücke sind nicht ganz von mir, sondern zum Theil von der Hand einer geistreichen Frau ..."

Auch ihre Buchrezensionen waren beliebt und wurden gerne gedruckt. Als Augusts Nachfolger Friedrich Wilhelm Schelling von einem Herausgeber nach "vorzüglichen" Besprechungen "gewöhnlicher Buchprodukte" (=Romane) gefragt wurde, dachten offenbar beide Herren an dieselbe Person. Schelling schrieb damals zurück: "Schicken Sie eine Anzahl Bücher aus diesem Fach hierher an mich. Sie erhalten davon Recensionen; finden Sie diese gut, so übernehme ich ein für allemal die Besorgung und kann für eine Anzahl Beyträge von derselben Hand stehen." -

"Gemäß dem Umgang mit geistigem Eigentum weiblichen Ursprungs wurde nichts davon unter Carolines Namen gedruckt", schreibt jetzt Brigitte Roßbeck. Die selbst fleißig publizierenden Intellektuellen behielten die Lage im Griff, und der Haushaltskasse war dennoch geholfen. Wie auch von Carolines literarischen Versuchen ging so allerdings vieles verloren.

Roßbecks Biografie "Zum Trotz glücklich" gibt sich dabei nicht kämpferisch. Aus der Abschweifung abholden Erzählung - vier Nachnamen (aus drei Ehen) und ein gutes Dutzend Wohnorte gliedern Kapitel und Unterkapitel - ergibt sich aber wie von selbst das auch exemplarische Bild eines Frauenschicksals aus den besseren Kreisen um 1800.

Da sind die schwächelnden, im Göttinger Professorenhaushalt aber vorhandenen Bildungsmöglichkeiten. Da ist der Traum von der Liebesheirat und mit Blick auf den ersten Gatten Böhmer außerdem noch die bescheidene Erkenntnis, dass es hätte schlimmer kommen können. Da sind die Schwangerschaften, keineswegs ein Randthema: Die Ehe mit einem Geistlichen schlägt die junge Böhmersche Witwe auch aus, weil sie befürchtet, der Herr wünsche reichlich Nachwuchs. Von ihren vier Kindern (eins ist unehelich und muss streng geheim gehalten werden) überlebte nicht eines die Mutter.

Dass Roßbeck mehr auf Zickenkriege und Hahnenkämpfe eingeht als auf die so genannte große Politik, entspricht ihrer Heldin. Ohne dieser zu nahe zu treten, macht sie plastisch, wen wir von uns haben: eine gescheite, in ihren (ausführlich zitierten) Briefen witzig reflektierende, naiv demokratische, vor allem in Schelling (mit dem sie schon während der Ehe mit Schlegel "gewaltig beschäftigt" war) verliebte, höchst zeitgenössisch erscheinende Frau.

"Zum Trotz glücklich" gehört in die Reihe jüngerer Romantikerinnen-Bücher, die die Mär von den "Musen" nach und nach beiseite räumen und durch Biografien handelnder Hauptpersonen ersetzen.

Brigitte Roßbeck: Zum Trotz glücklich.

Caroline Schlegel-Schelling. Siedler Verlag, München 2008, 366 Seiten, 22,95 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare