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Buchmesse 2016 Lesungen

Geisterstunde im Panikraum

Den Gästen der Kriminacht lief es gestern Abend eiskalt den Rücken herunter. Zum einen wegen der acht schaurig-schönen Texte. Vor allem aber war die Location schuld.

Von Malte Baumgarten

Kriminacht. Da denkt man an gedimmtes Licht, gemütliche Atmosphäre und warmen Kakao. Der Festsaal im neu gebauten Frankfurter Stadthaus bietet so ziemlich das komplette Gegenteil. Kahle, hohe Wände mit Holzvertäfelung, eine kalte, grelle Beleuchtung, hallende Akustik. Und Kakao gibt’s auch nicht. „Irgendwie hat das was von 'ner Kirche“, raunt eine Dame ihrer Sitznachbarin zu. Wohl wahr: Der Saal wirkt wie eine Mischung aus Kirchenkapelle und Panikraum. Wobei in diesem Fall eher der Raum selbst zu Panikattacken führt.

Krimimimi führt durch den Abend

Als es gerade richtig ungemütlich zu werden droht, betritt Moderatorin Miriam Semrau, auch Krimimimi genannt, die Bühne. Endlich kann die Kriminacht beginnen. Sophie Bonnet ist die erste Autorin des Abends. Und ehe man sich versieht, findet man sich, statt im ungemütlichen Stadthaus, in der Provence wieder. Ihr Buch „Provenzalische Intrige“ führt in die Abgründe der südfranzösischen Seifenindustrie. So richtig schaurig oder gar blutig ist dieser Krimi nicht. Soll er aber auch nicht sein. Viel mehr „ein bisschen Urlaub“, wie Sophie Bonnet verrät.

Deutlich spannender ist da schon das Werk von Arno Strobel. Sein Buch „Die Flut“ handelt von einem durchgeknallten Killer, dem es Vergnügen bereitet, anderen beim Todeskampf zuzusehen. Vorzugsweise Liebespaaren. Parallelen zur eigenen Person weist Arno Strobel selbstverständlich kategorisch von sich. Dennoch gelingt es ihm erschreckend gut, sich in die Denkweise des Killers hineinzuversetzen.

Die jüngste Autorin des Abends ist Krimi-Shootingstar Melanie Raabe. Ihr Debüt „Die Falle“ war 2015 einer der großen Überraschungserfolge, eine Verfilmung des Thrillers ist bereits in Planung. Mit „Die Wahrheit“ hat die 35-Jährige nun ein nicht minder erfolgreiches Buch nachgelegt. Und die Story um die vermeintliche Rückkehr eines Verschollenen, der in Wirklichkeit ein Fremder ist, ist so packend, dass es im Saal gefühlt noch etwas kälter wird.

Junge Autoren? Fehlanzeige!

Am Beispiel der Kriminacht zeigt sich nicht nur, wie eine verfehlte Wahl der Location den Gesamteindruck einer Lesung beeinträchtigt, sondern auch ein Problem der Krimi-Branche: Es gibt keine jungen Autoren. Bis auf Melanie Raabe ist keiner „ungefähr dreißig“ und im Publikum sieht es nicht anders aus. Einige der betagteren Gäste halten nicht bis zum Ende durch und verlassen die Kriminacht vorzeitig.

Unglücklicherweise kommt durch die lichten Reihen nun der Saal wieder mehr zur Geltung. Schöner ist er in den vergangenen drei Stunden nicht geworden.

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