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Ein deutscher Neonazi.
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Ein deutscher Neonazi.

Neuer Tabor Süden

Gehobene Neonazi-Kreise

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Friedrich Anis neuer Kriminalroman begibt sich auch in rechte Münchner Ecken. Ganz so, als hätte der Autor an Beate Zschäpe Maß genommen.

M wie in Fritz Langs berühmtem Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“? Oder einfach „M“ wie München? Einstige „Hauptstadt der Bewegung“ und in Friedrich Anis jüngstem Kriminalroman mit dem Titel „M“ Zufluchtsort für Neonazis, die sich im deutschen Osten mittlerweile doch ein wenig unter Beobachtung fühlen. Die Detektei Liebergesell – schon vor einer Weile ist Anis einstiger Kommissar Tabor Süden dort untergekommen – nimmt darin einen Auftrag an, der das Privatermittler-Quartett mitten ins Herz der bayerischen Neonazi-Kreise führen wird. Dass es sich um eine böse, bedrohliche Sache handelt, das bezweifelt man nach Aufdeckung der NSU-Morde keinen Moment mehr.

Was kann die Frau dafür?

Ein ganz normaler Auftrag, so scheint es zunächst: Eine Tageszeitungsjournalistin, Ende 30, will von der Detektei ihren verschwundenen Freund suchen lassen. Mia Bischof, so heißt die Frau, übt ihren Beruf tadellos aus. Nie ist sie irgendwo aufgefallen, immer war sie verbindlich, korrekt, hilfsbereit sogar, organisierte unter anderem Mutter-Kind-Freizeiten. Und was kann die Frau dafür, dass das Hotel ihres Vaters, dass also ihr gutsituierter, großbürgerlicher Vater im Ruf steht, seine Räume gelegentlich an Neonazis zu vermieten? Man könnte meinen, der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani hat, was die Unauffälligkeit Mia Bischofs betrifft, auch an Beate Zschäpe Maß genommen.

Puzzleteil um Puzzleteil stellt sich heraus, dass Mia Bischof zwar äußerst diskret ist, die rechte Gesinnung aber mit ihrem Vater teilt und auch mit einigen, durchaus gewaltbereiten, durchaus nicht vor Mord zurückschreckenden Bekannten. Aber was ist mit dem verschwundenen Freund, einem Taxifahrer? Ab und zu sollen in seinem Wagen schon mal die üblichen, die üblen fremdenfeindlichen Sprüche zu hören gewesen sein. Haben seine eigenen Kumpels ihn aus irgendeinem Grund beseitigt? Oder – Ex-Polizist Tabor Süden hat da einen entsprechenden Verdacht –, war er ein verdeckter Ermittler?

Friedrich Ani, Jahrgang 1959 und seinem Tabor Süden zumindest äußerlich recht ähnlich, ist einerseits ein sehr produktiver, andererseits trotzdem ein sorgfältiger Autor. Es gibt einen ganz besonderen Ani-Klang, eine markante atmosphärische Verdichtung, die doch jedes Klischee vermeidet. Seine Figuren, allen voran Tabor Süden, tragen die Dunkelheit, den Zweifel, die Angst im Herzen und schaffen es doch irgendwie, ihrem Tagwerk nachzugehen. Süden laboriert immer noch und immer wieder daran, dass sein Vater ihn als Kind von einem Tag auf den anderen verlassen hat; Edith Liebergesell, Gründerin der Detektei, laboriert daran, dass einst ihr kleiner Sohn entführt und getötet wurde. Die Verzweiflung ist ständiger Begleiter dieser Figuren, aber Ani erzählt nie davon in der Manier des Krimi-Routiniers.

Meist führen seine Romane ins Milieu der kleinen Leute und in Münchner Ecken, die weder schick noch leuchtend sind. Diesmal nun sind es unter anderem die rechten Ecken. Die Kneipe etwa, die gemütlich sein könnte, wäre sie nicht Heimstatt für Glatzenträger mit einschlägigen Tätowierungen.

Bei der Polizei, die in „M“ bald auch ins Spiel kommt, kann man nicht sicher sein, ob sie unfähig ist, blind auf dem rechten Auge, oder ob sie gar ihre schützende Hand über die Neonazis hält. Auch das erinnert irgendwie an das NSU-Ermittlungsdebakel.

Friedrich Ani: M. Ein Tabor Süden Roman. Droemer Verlag 2013. 366 Seiten, 19,99 Euro.

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