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Das geheime Leben einer Frau

Marlene Streeruwitz' cleveres Sterbe-Stück

Von INA HARTWIG

Vor zwei Jahren hat Marlene Streeruwitz mit ihrem umfangreichen Roman "Entfernung" über die Wiener Kulturangestellte Selma, die ihre Midlife-Larmoyanz kombiniert mit der eiskalten Mikrostudie echten Unglücks, für Furore gesorgt; und für Polemik, wie immer. Rainer Weiss, der in seinem neuen Verlag nun ein kurzes brillantes Zwischen-Prosastück der Autorin veröffentlicht (ihr nächster Roman wird dann wieder bei S. Fischer erscheinen), sei zitiert mit dem Statement: "Sie ist eben wirklich klug. Und das mögen die meisten Männer nicht."

Wieder lesen wir den Monolog einer Frau, deren Alter man mit um die sechzig wohl richtig vermutet. Er handelt vom Sterben einer Vertrauten; laut Titel ist es "Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin", und man staunt einmal mehr, wie unerbittlich, wie unsentimental Marlene Streeruwitz sich der Aufgabe stellt, auf die - wie man bald einsieht - ungleiche Freundschaft zurückzublicken. Dieser Rückblick ist natürlich auch eine Selbst-Befragung, und obwohl dabei einige bittere Tatsachen zutage gefördert werden, ist es dennoch kein bitteres Buch.

In gewisser Weise könnte man dieses kurze Stück über den Tod und seine Rituale (" Aber. Bewältigung ist das auch nicht.") das Gegenstück zu Ulla Berkéwicz' jüngster Sterbe-Prosa "Überlebnis" nennen, wo die Verschmelzung von Liebes- und Todeserfahrung als literarische Überhöhung erscheint. Streeruwitz verliert allerdings nicht den Mann, sondern eine Freundin, der sie viele Jahre lang heikle Dienste geleistet hat: indem sie die Alibis für das erotische Doppelleben der verheirateten Businessfrau arrangierte - nicht ohne Genuss ob der Heimlichkeit.

Und hier, in der Lakonie, in der echten Anteilnahme am falschen Leben, läuft Streeruwitz zur Hochform auf. Die Erzählerin ist also Komplizin von Lydias Betrugs-Räuschen. Bis Lydia dann Krebs bekommt. Nun wird der Krebs so hyperorganisiert bekämpft, wie zuvor die Treffen mit den Liebhabern organisiert worden waren. Mit Streeruwitz gesagt: "Offensichtlich verwandelt sich ab einem bestimmten Punkt der Verdammnis alles in Ironie".

Dies Büchlein ist so flink wie tief, so traurig wie ernüchternd - und so grotesk morbide, wie es vermutlich nur den Kakaniern gegeben ist.

Marlene

Streeruwitz:

Der Abend nach dem Begräbnis der

besten Freundin.

Weissbooks,

Frankfurt/M. 2008,

61 Seiten, 12 Euro.

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