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Kriminalroman

Gauner mit Nerven wie Bindfädchen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Mercedes Rosendes fabelhaft dichter und schneller Montevideo-Krimi „Krokodilstränen“.

Dieser Kriminalroman ist vor allem eines: herrlich unberechenbar. Er wechselt sein Erzähler-Mäntelchen manchmal von Kapitel zu Kapitel (und es sind recht kurze Kapitel). Er pfeift darauf, alle Rätsel, die er stellt, am Ende auch gelöst zu haben. Und Leonilda Lima, durchaus attraktiv schielende Kommissarin in Montevideo, Uruguay, blickt auch nicht durch. Man kann allerdings hoffen, dass sie dranbleibt, wenn dieser schmale, schnelle Roman schon wieder endet.

Mercedes Rosende, geboren 1958 in Montevideo, ist Anwältin, Journalistin und hat für diverse Romane und Erzählungen schon manchen bedeutenden Preis erhalten, unter anderem den Nationalpreis ihres Landes. „Krokodilstränen“ (Orig. „El Miserere de los Cocodrilos“, 2016) wirft Schlaglichter auf elende Gefängnisse und korrupte Anwälte, auf soziale Unterschiede und familiäre Abgründe.

Letzteres in der Familie López, wo die kleine, nicht so hübsche, nicht so schlanke Úrsula von ihrem Vater immer wieder gedemütigt und im Finsteren eingesperrt wird. Man könnte sagen, sie hat ihre Traumata dann im Alter von 40 recht gut verarbeitet, wird sie doch keine unerhebliche Rolle beim Überfall auf einen Geldtransporter spielen. Und eine weit kaltblütigere als Germán, der wegen einer total verpatzten Entführung kurze Zeit im Gefängnis saß und Nerven hat wie Bindfädchen. Ein mörderischer, nicht nur mit Tattoos bis an die Zähne bewaffneter Psychopath, Gaunername El Roto, spielt ebenfalls mit. Und ein den Luxus, klassische Musik und Gott liebender Anwalt, der jeden lästerlichen Fluch sofort beichtet. Ein Auftragsmord liegt ihm weniger auf dem Gewissen. Womöglich aber unterschätzt er am Ende die Kommissarin mit dem Silberblick.

Mercedes Rosende lässt sich mal Zeit für Atmosphäre und Details – den Besucherraum im Gefängnis, die traurig-müden Ehefrauen, die mit faserigen Schnitzeln in Plastikdosen anreisen –, zieht dann wieder gehörig das Action-Tempo an. Und allemal sind ihre Sätze treff- und stilsicher, egal, ob es um Germáns rasende Angst geht oder Úrsulas coole Gehässigkeit, um Anwalt Antinucci, der den Ledergeruch seines neuen teuren Audi genießt, oder El Rotos blutrünstige, vernichtende Wut.

Úrsula López’ Lieblingssatz lautet: „Den Lauen aber wird Gott ausspeien“. An dem Kriminalroman, in dem sie nach und nach zur Hauptfigur wird, ist jedenfalls gar nichts lau.

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