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Nicht hinterm Mond, aber im Staub: australisches Outback.

Garry Dishers „Hope Hill Drive“

Der Kummerkastenpolizist

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Garry Dishers feiner neuer Outback-Roman „Hope Hill Drive“.

Hier hatte es jemand auf Kupferkabel abgesehen, wollte die Kunststoff-Umhüllung abbrennen. Die Feuerwehr muss den dürren Busch löschen, so werden die Kabel überhaupt erst entdeckt. Dort fehlt eine Schaufel, aber die könnte auf den rumpeligen Wegen auch vom Pickup gefallen sein. Allerdings wurde außerdem das Telefonkabel der Farm durchtrennt; und es ist nicht das einzige. Nan Washburn vermisst ihren Wagen noch gar nicht, sie hat ihn lange nicht gefahren, als Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, ihn am Straßenrand stehen sieht. Die zwei Jungs, die ihn geklaut haben, müssen sich bei Mrs. Washburn entschuldigen.

Möchte er einen Tee?

Und Hirsch sitzt später wie ein armes Sünderlein in der Stadt vor zwei Beamten der Internen und muss sich rechtfertigen für Allerlei. Für zu viel Milde, zu viel Zeit, für ein bisschen kostenlosen Teer auf seinem Zufahrtsweg. Ja, Sir, sagt er. Und: Es wird nicht wieder vorkommen, Sir.

Zum zweiten Mal nach „Bitter Wash Road“ lässt der Australier Garry Disher den wegen zu viel Ehrlichkeit strafversetzten Constable Hirschhausen durchs staubige Outback Streife fahren. Dieser Polizist weiß, dass er vor allem auch der Kummerkastenonkel der Gegend ist. Es wird von ihm erwartet, dass er regelmäßig „nachsieht“, kurz bleibt, Tee oder Kaffee trinkt. Und sich vor Weihnachten – so ist die Tradition – aufs Pferd setzt in voller Weihnachtsmann-Montur, auch wenn die Hitze flimmert und er beim Geschenkeverteilen fast herunterrutscht von dem Riesengaul.

Das Buch:

Garry Disher: Hope Hill Drive. Kriminalroman. A. d. Engl. v. Peter Torberg. Unionsverlag, Zürich 2020. 336 S., 22 Euro.

Garry Disher, Jahrgang 1949, hat seine Polizisten schon immer fehlbar und alles andere als überlebensgroß sein lassen. Er holt sie auf den staubigen australischen Boden, er erspart ihnen keine Routinen. Und keine peinlichen Abendessen bei Nachbarn.

Doch geht es auch in „Hope Hill Drive“ bald nicht nur ums Klein-Klein der Polizeiarbeit. Jemand hat die Ponys Nan Washburns angegriffen, einige liegen in ihrem Blut. Und eine Frau, deren Kleinkind Hirsch aus dem heißen Auto befreite, gibt ihm einen falschen Namen und eine falsche Anschrift. Noch dazu kursiert im Internet nun das Video, wie diese Unbekannte plötzlich die Waffe des Constable in der Hand hat. Sie lässt sie sofort fallen, es passiert nichts, aber Hirschhausen sieht dabei mindestens, nun ja, ungeschickt aus.

Dann aber nicht mehr. Denn Garry Disher versteht die Handlungsschraube anzuziehen, just wenn man denkt, der Krimi könnte allzu gemütlich werden. Das aber sind Disher-Romane nie. Zwar haben sie ständig ein Auge auf die Details des Alltags, die die Handlung grundieren und glaubhaft machen. Aber sie weichen dem Elenden, Hässlichen, Bösen in all seinen Spielarten nicht aus: Armut, Alkoholismus, Diebstahl, Gewalt gegen Frauen, Tierquälerei. Schließlich Mord. Und in all dem gelten Dishers Sympathien nicht nur seinem Constable, sondern auch taffen Teenager-Mädchen, die schon lernen mussten, eine Familie zusammenzuhalten, eine kleine Schwester zu versorgen. Das Richtige zu tun.

Wieder einmal ist in „Hope Hill Drive“ die Balance perfekt zwischen Realismus und moderater Action. Und wieder einmal zeichnet Garry Disher ein differenziertes Gesellschaftsbild aus dem abgelegenen Australien, wo sich nicht nur Kängurus und Giftschlangen Gute Nacht sagen, sondern auch Menschen aller Charakter-Schattierungen.

Im Original heißt der Roman übrigens schlicht „Peace“, Frieden. Und zuletzt gibt es tatsächlich ein bisschen Frieden im fiktiven Tiverton, Australien. Jedenfalls für die Frau, die von ihrem Mann geschlagen wurde und den Mut findet, ihn zu verlassen.

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