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Auch auf Schafherden muss die Polizei gefasst sein.
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Auch auf Schafherden muss die Polizei gefasst sein.

Kriminalroman

Garry Disher „Barrier Highway“: Und manchmal hackt er Holz

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Der Australier Garry Disher erzählt zum dritten Mal von Constable Hirschhausen, seinen Taten und Nöten.

Es kommt der Moment, als der zutiefst frustrierte Constable Hirschhausen am liebsten alles „mit einer ausladenden Handbewegung vom Tisch gefegt“ hätte, vom Schreibtisch im schäbigen Büro. Aber dann findet er, eine so melodramatische Geste passe nicht zu ihm. „Außerdem gab es niemanden, der den ganzen Mist wieder aufheben würde.“ Abgesehen von ihm selbst.

Paul Hirschhausen – die Teenagertochter seiner Freundin nennt ihn derzeit nur „Haus“ – ist unter den Figuren des Australiers Garry Disher der wohl unauffälligste, durchschnittlichste. Er geht noch Streife, frühmorgens vor dem Frühstück, er klappert auch einsam gelegene Häuser regelmäßig ab, er hackt sogar Holz. Ohne Groll sieht er sich als „Beichtvater, Therapeut, Sozialarbeiter, Ausputzer und Mittelsmann“. Letzteres, ein Vermittler, versucht er diesmal angesichts eines Händlers zu sein, der plötzlich nicht mehr zahlt. Doch ein Farmer, der einen Scheck erhalten hat, der geplatzt ist, beginnt einen Rachefeldzug.

Dishers Hirschhausen-Krimis, „Barrier Highway“ ist der dritte, nehmen fast unmerklich an Fahrt auf. Bis sie, so ist das Leben, hier eher gut, da unentschieden, dort schlecht ausgehen.

Das Buch:

Garry Disher: Barrier Highway. Kriminalroman. A. d. Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, Zürich 2021. 346 S., 22 Euro.

Diesmal gibt es, Handlungsfaden eins, einen Schlüpferdieb. Er stiehlt die Unterwäsche alter Frauen – und mag er auch harmlos sein, so macht er doch Angst. Faden zwei: eine Elfjährige ist eingesperrt und vernachlässigt, glücklicherweise merkt es die Lehrerin, die ihr Fernunterricht gibt. Das kann der Polizist schnell ans Jugendamt weiterreichen.

Gestalkt wird er auch

Faden drei: Farmer Ayliffe rastet erst in der Schule aus – er muss das Schulgeld doch wegen des geplatzten Schecks schuldig bleiben –, nur scheinbar kann der Constable seine Wut besänftigen. In noch einem Strang sind Betrüger unterwegs, die alten Menschen einreden, dringend müsse ihr Dach repariert werden. Eine alte Frau stellt dabei fest, dass von ihrem Konto Geld verschwunden ist. Und schließlich: Hirschhausen wird gestalkt. Er mag schon gar nicht mehr auf sein Handy schauen, wenn es plingt. Aber er muss doch andererseits auf sein Handy schauen, es könnte ja ein Notfall sein. Das Dilemma macht ihm zu schaffen.

Ausdehnung und Natur Australiens spielen natürlich eine Rolle, die Polizei hat weite Wege. Das Dienstfahrzeug kann schon mal in einer Schafherde feststecken, der Wachhund Hirschhausen schon mal auf einen Tisch jagen. Aber die Menschen, die Disher beschreibt, die Jovialen und Jähzornigen, Warmherzigen und Egoistischen, Gutgläubigen und Misstrauischen kommen einem allemal vertraut vor.

Garry Disher ist ein nüchterner, fast könnte man sagen kaltblütiger Erzähler. Ein so guter Stilist, dass er den Drama-Pegel mit zusätzlicher Action hochschrauben könnte, wenn er das wollte. Oder auf Witzigkeit setzen könnte. Aber er passt sich der Ernsthaftigkeit und Rechtschaffenheit seines Provinzpolizisten an, zu dem Melodramatik – und sei es auch nur für einen Moment – tatsächlich nicht passen würde.

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