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Von ganz jung bis heute

  • VonChristoph Schröder
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Frankfurts Linke, melancholisch

Die Frankfurter Linke, jene spezielle Ex-Subkultur, aus deren revolutionärem Gestus heraus sich Figuren kristallisiert haben, die die Leitlinien der deutschen Politik der vergangenen sieben Jahre maßgeblich mitbestimmt haben (das jedenfalls will man gerne glauben) - sie hat zur Zeit wenig Grund zur Freude. Rot-grün: abgewählt. Joschka Fischer, Gravitationspunkt, Identifikations- und Hassobjekt zugleich: zurückgetreten. Das ist besonders hart für eine Szene, deren Mitglieder ihren individuellen Werdegang nicht ausschließlich, aber doch maßgeblich an ihrem früheren Verhältnis zum Noch-Außenminister messen ("mochte ihn von Anfang an", "kam zum Schluss gar nicht mehr klar mit ihm" undsoweiter).

Ende der Woche stirbt ein weiteres Refugium, das Buchhandels-Antiquariat Karl Marx, eröffnet von, na wem wohl, Joschka Fischer, der keine Lust mehr hatte, Taxi zu fahren ("der Joschka wollte mal was anderes machen, was mit Büchern"). Was mit Büchern wollte auch KD Wolff machen. Beziehungsweise wusste KD Wolff damals, Ende der Sechzigerjahre, überhaupt nicht genau, was er machen sollte. 38 Strafverfahren hatte er hinter oder noch vor sich, zumeist wegen Landfriedensbruch; das ist für die Karriere eines Juristen eher hinderlich. Wolff, der 1967 Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbundes (SDS) geworden war, gründete 1970 den Verlag Roter Stern, in dem er Objekte wie die Zeitschrift Erziehung und Klassenkampf oder Bücher mit Titeln wie Zur Sozialisation proletarischer Kinder publizierte.

Und wieder war es ein Zufall, dass Wolff auf D. E. Sattler stieß, der den Dichter Hölderlin verkannt sah und mit dem Wolff sich auf das editorisch völlig neue Projekt einer historisch-kritischen Ausgabe verständigte, das in einer Darstellung der Genese vom Faksimile zur Endfassung die Arbeit des Dichters sichtbar machte. Es folgten, bis heute, Kleist- und Kafka-Ausgaben; Klaus Theweleit und Peter Kurzeck wurden Autoren des Hauses.

Am Wochenende feierte der Verlag Stroemfeld/Roter Stern, wie er nach einem Konkurs im Jahr 1993 heute heißt, im Frankfurter Kunstverein seinen 35. Geburtstag. Es gab Schaumküsse (heißt das politisch korrekt so?) und Sekt, an den Wänden ein umlaufendes Band von Schwarz-Weiß-Fotografien: KD Wolff in jung mit jungen Revolutionären und Autoren, KD Wolff in ein wenig älter mit älter werdenden Revolutionären und Autoren und immer wieder Peter Kurzeck, von ganz jung bis heute. Die CDU-Oberbürgermeisterin kam vorbei und sprach ein Grußwort (in früheren Zeiten hätte man sie wahrscheinlich gar nicht reingelassen), und die Gäste brachten Geschenke mit, wie es sich gehört. Einer davon (einer von Joschkas Weggefährten, siehe oben) hatte Schwimmkerzen dabei, vier rote Sterne: "Die gehen auch nicht unter."

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