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Amos Oz, der 2018 seiner Krebserkrankung erlag. Jetzt ist in Israel die Autobiografie seiner Tochter Galia Oz erschienen.
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Amos Oz, der 2018 seiner Krebserkrankung erlag. Jetzt ist in Israel die Autobiografie seiner Tochter Galia Oz erschienen.

Amos Oz

Galia Oz über ihren Vater Amos Oz: „Das war kein vorübergehender Kontrollverlust“

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Galia Oz, Tochter des Schriftstellers Amos Oz, berichtet in einem verstörenden Buch von Misshandlungen.

Als ich ein Kind war, hat mein Vater mich geschlagen, mich verflucht, mich gedemütigt.“ Mit diesem Satz beginnt die Autobiografie von Galia Oz, Tochter von Amos Oz, Israels berühmtestem, herausragendem und preisgekröntem Literaten, der 2018 an einem Krebsleiden starb.

Das Buch hat sie, eine bekannte Kinderbuchautorin und Dokumentarfilmerin, nach seinem Tod geschrieben. Unter dem Titel „Etwas, das sich als Liebe verkleidet“ ist es auf Hebräisch vor zehn Tagen im Verlag Kinneret Zmora Dvir erschienen. Die israelische Zeitung „Haaretz“ hat jetzt das erste Kapitel ins Englische übersetzt und veröffentlicht.

Schon die Lektüre dieser wenigen Seiten verstört. Weil Galia Oz darin einen tyrannischen Vater beschreibt, was überhaupt nicht zusammenpasst mit dem Bild, das die Leserschaft von Amos Oz hat, der weit über Israels Grenzen hinaus ein moralischer Kompass war: friedliebend und menschenfreundlich, ein Kritiker der Besatzung und Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung.

Weil die Tochter schonungslos und reflektiert eine Geschichte von Psychoterror, Scham und Schuldgefühlen erzählt, die ihre Wahrheit ist und dennoch nicht die ganze. Ihre Mutter und ihre beiden Geschwister jedenfalls teilen sie nicht. „Wir kannten einen anderen Vater“, ließ Fania Oz-Salzberger, die ältere Schwester, im Namen der Angehörigen über Twitter wissen. Einen, der seine Familie mit Fürsorge und Hingabe geliebt habe.

„Es scheint“, schreibt sie weiter, „Galias Schmerz ist real und herzzerreißend, aber wir erinnern uns anders. Völlig anders.“

„Er nannte mich Müll“, schreibt Galia Oz über ihren Vater Amos Oz

Galia Oz hat den Kontakt zu ihrer Familie vor inzwischen sieben Jahren abgebrochen. Ein Grund dafür mag sein, dass es unmöglich gewesen sei, „unter uns“ über die väterliche Gewalt zu sprechen, wie es in ihrem Buch heißt: „Die positive Fassade haben wir nicht nur für Fremde aufrecht erhalten.“

Dahinter taten sich nach ihrer Darstellung Abgründe auf. „Er nannte mich Müll. Das war kein vorübergehender Kontrollverlust oder eine Ohrfeige ab und an, sondern eine Routine sadistischen Missbrauchs. Mein Vergehen war ich selbst, und so war die Strafe dafür endlos. Er hatte das Bedürfnis sicherzugehen, dass ich brechen würde.“ Dieses Muster der Einschüchterung und des Bestreitens habe sich nie geändert, „bis zu dem Tag, als mein Vater starb“.

Ihr Motiv, dies öffentlich zu machen, lasse sich allzu leicht als bösen Klatsch über einen berühmten Mann abtun, so Galia Oz. Tatsächlich gehe es in diesem Buch, „um mich. Aber ich bin nicht die einzige“, verweist sie auf die #MeToo-Bewegung, die sie offenbar ermutigt hat, aus dem Schweigen herauszutreten. „Natürlich komme ich nicht wirklich darüber hinweg“, erklärt sie. „Aber ich schreibe.“

Ihr Bruder Daniel Oz hat inzwischen eingeräumt, in ihren Worten stecke „ein Körnchen Wahrheit“. Yehuda Atlas, ein mit Galia Oz befreundeter Autor, ging einen Schritt weiter. „Es fällt uns Linken schwer. Amos Oz war unser goldener Prinz. Aber anscheinend hat auch der Mond eine dunkle Seite.“

Das Werk ihres Vaters schmälere das allerdings nicht, sagte Galia Oz in einem Interview. Auch Tolstoi oder Dickens seien schreckliche Familienmenschen gewesen. Eine Person in ihrer Komplexität zu sehen, bedeute nicht, seine Bücher zu boykottieren.

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