Buchvorstellung

Fürchterliche Kreatur namens ü

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Abbas Khider stellt in Frankfurt sein Buch „Deutsch für alle“ vor.

Es ist eine große Freude, zusammen mit Abbas Khider über das Ungetüm zu lachen, das deutsche Grammatik heißt und vom Fremdsprachler nicht zu bändigen ist, aber auch von den Muttersprachlern nicht zu verstehen. Aber es ist ein Wunder, es ist eine immense Lebensqualität, als Fischlein im deutschen Satzbau herumzuschwimmen.

Abbas Khider spricht eher vom Ballern, Boxen und Kneten. Die Artikel, die Deklination und das Sturmgewehr, das seien die schlimmsten Erfindungen der Deutschen. Sagt er nicht als Fischlein, aber als glänzender Konstrukteur und Connaisseur, und er mag heute Komposita wie Arbeiterunfallversicherungsgesetz, Fremdschämen, Kummerspeck, Lebensplanung oder Warmduscher.

Die fürchterlichen (!) Umlaute sind sein Feind geblieben. Er erzählt von den Umlautumgehungssätzen, die in Interviews den Eindruck erweckten, hier spreche eben ein Orientale. Umlautumgehungssatz, auch das ist ein schönes Wort. Beim Vorlesen machen er und Moderatorin Anna Engel sich den Spaß, dass sie die Umlaute und die entsprechenden Wörter einspricht. Sein neues Buch ist so verspielt wie er bei der Vorstellung im Frankfurter Literaturhaus.

„Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch“ macht sich gutgelaunt über Grammatik lustig und Vorschläge zu ihrer Vereinfachung. Herrlich natürlich, wie naiv sich der Vereinfacher dabei gibt, obwohl er weder naiv noch seine Vereinfachungen einfach sind. Nichts ist einfach.

Khider spricht über die beiden Phasen des Exils. Zunächst der Traum, auf jeden Fall in den Irak zurückzukehren. Dann, als das 2003 möglich war, das Erlebnis, wie aus einem Traum ein Alptraum werden könne. Nach seiner zweiten Ankunft in Deutschland habe er neue Ziele entdeckt und ernsthaft angefangen, die Sprache zu lernen. Sehr hilfreich sei die Sendung „Richterin Barbara Salesch“ gewesen.

Das Publikum im knallvollen Saal ist in Stimmung, auch Khider kichert vergnügt. Engel will wissen, ob man ein solches Buch über das Arabische schreiben könnte. Schwierig, meint Khider, vielen werde die Sprache des Koran als zu heilig erscheinen, um Späße darüber zu machen.

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