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Die Früchte freien Schaffens

McKenzie Wark und sein Aufruf an Hacker und andere Kreative

Von MATTHIAS PENZEL

Die Utopie unserer Kindheit - dass Maschinen und Computer unsere Arbeit übernehmen, so dass wir Unmengen an Freizeit haben - ist eingetreten. Zugleich gibt es heute mehr Akademiker denn je, gebildete Kreative, Hersteller von soften Produkten. Die Folgen beider Entwicklungen waren so nicht absehbar: Arbeitnehmer wurden zum Auslaufmodell, die Früchte der Arbeit von Kreativen, Patent- und Lizenzrechte, bescheren einer schrumpfenden Anzahl von Monopolisten unfassbare Gewinne. Diese neue Ungleichheit beschäftigt den Australier McKenzie Wark im Hacker Manifest. Den Begriff des Hackers verwendet Wark freizügig. Für ihn sind Hacker nicht nur Chaos verursachende Computerkids, sondern Kreative im weitesten Sinne, Lieferanten von Ideen. Deren Produkte sind keine materiellen Gegenstände, für die Zukunft sind sie jedoch so essenziell wie der Traktor auf dem Acker, der Treibstoff im Tank. Für Wark ist das Digitale sogar der Treibstoff zu sozialen Umwälzungen. So wie die Folgen von Buchdruck und Ottomotor nicht absehbar waren, ist kaum einzuschätzen, wohin der Siegeszug der Bits führen wird. So weit, so vertraut.

Programmierer aller Länder, vereinigt euch!

Wenn sich nach Wark Programmierer aller Länder vereinigen sollen, also auch Musiker und Dichter, Chemiker und Denker, dann, weil sie gemeinsam gegen die sie beherrschende Klasse vorgehen müssen. Diese Kreativen treiben Fortschritt und Wachstum voran, doch genauso wenig wie Land-, später Industriearbeiter besitzen sie die Früchte ihres Schaffens. Einige Thesen, zu denen diese Überzeugung den Autor Wark führt, sind anregend - nicht zuletzt dank unkonventioneller Vermixung von Digital-Theorien mit der Avantgarde-Poetin Kathy Acker, von Fluxus und Beat-Literatur mit Karl Marx: "Wo einst Religion das Opium des Volkes war, ist nun (das Streben nach Markenprodukten wie dem Parfum)Opium® die Religion des Volkes."

Nebenbei zeigt Wark auf, welches Potenzial die Digitalisierung mit sich bringt, wenn eben ganze Bibliotheken, Banken an Wissen, auch an Klang und Bildern, für wenige Cents zugänglich sind. Information, so seine Kernbotschaft, will frei sein - und sie kann es, solange die Vektoralistenklasse das nicht unterbindet.

Auch Warks Manifest ist in den Weiten des Worldwide Web bereits abrufbar. In diesem typischen Internet-Rauschen laufen viele Gedanken Warks ins Leere. Endlosschleifen, Wortwiederholungen, immer gleiche Phrasen - am Bildschirm liest man darüber hinweg, mithilfe der Nicht-mehr-nagelneuen Technologie Gutenbergs wird manifest, dass diese Rhetorik genau das ist, was ein Computerprogramm zum Abstürzen bringt.

Auch sind die Verhältnisse komplexer, als Wark es wahrhaben will: Das intellektuelles Eigentum eines Mediziners, dessen Erfindung Millionen Menschen retten könnte, würde sie diesen nicht von Konzernen vorenthalten, ist nicht vergleichbar mit dem geistigen Eigentum von Unterhaltern und Filmproduzenten. Deren Produkte wären übrigens auch nicht mehr bezahlbar, wenn die Hundertschaften an Mitarbeitern statt wenig gar kein Honorar bekommen. Wie nötig solche Differenzierungen beim Schutz softer Ware sind, übersieht Wark - genauso wie die Gesetzgeber. So wie das Dilemma der Realität gewordenen Utopie von immer mehr Freizeit für immer mehr Menschen, hat auch die Digitalisierung ihre ganz eigenen Dilemmata. Die Vielfalt der Anwendungsfälle verästelt sich geradezu ins Unermessliche - durchaus vergleichbar mit dem Quellcode für das Betriebssystem Windows, der inzwischen um die 30 Millionen Zeilen umfasst.

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