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Die Deutsche Nationalbibliothek zeigt "Comics made in Germany" - eine Rückschau auf 60 Jahre graphische Literatur

Comics gehören einfach dazu. Sie gehören längst zum Mainstream unserer Pop- und Jugendkultur. Sie gehören als noch gar nicht so alte Gattung der graphischen Literatur wie selbstverständlich zum modernen Leben. Sie gehören in allen ihren Spielarten auf jede Buchmesse, der an ihrer Zeitgenossenschaft gelegen ist. Sie gehören zum Programm der um ihren Lesenachwuchs stets besorgten Verlage, aber auch zum Angebot zahlreicher, dabei am Existenzminimum werkelnder Kleinstunternehmen, mit dem noch die abseitigsten Bedürfnisse befriedigt werden…

Obwohl sie also ganz unumwunden dazu gehören, sorgt das Bekenntnis, auch als Erwachsener sehr gerne und sogar regelmäßig Comics zu lesen, bei einem erwachsenen Publikum immer noch für Heiterkeit ob dieser - ja, was eigentlich: regressiven oder subversiven? - Neigung. Heiter war es jedenfalls bei der Eröffnung, der kleinen, aber feinen Ausstellung "Comics made in Germany" in der Frankfurter Dependance der Deutschen Nationalbibliothek. In groben Zügen wird hier ein Rückblick auf die letzten 60 Jahre geboten: Ein willkommener Anlass für das eine oder andere beherzte Eingeständnis.

Ja, ja, die Comics. Über sie und die, wie es bei der Eröffnung treffend hieß, "bildungsbürgerliche Leseleitung" lassen sich viele Geschichten erzählen. Etwa die: Nach einem kurzen Boom in den 1950ern wollte man die jugendverderbenden "Schundhefte" bereits in den 60ern wieder aus dem Verkehr ziehen; in Frankfurt wurde eine - ausgerechnet! - Bücherverbrennung auf dem Römer in letzter Sekunde verhindert. So war das damals. Und so lässt sich von einem jung gebliebenen Bildungsbürgertum der anrüchig-verquere Charme der Comics auch heute noch beleihen.

Dabei gibt es in Frankfurt etliche, nun ja, Preziosen zu entdecken. Etwa die erste, 1947 in einer Auflage von immerhin 10 000 veröffentlichte und für zwei Reichsmark zu erwerbende "Bilderfolge voller Abenteuer" - die Detektivgeschichte "Bumm macht das Rennen" des später auch als politischer Karikaturist bekannt gewordenen Klaus Pielert. "Bilder voller Abenteuer", so die damals genretypische Bezeichnung, boten auch "Jackel und Bastel" von Hans Füsser aus dem Jahre 1948. Nimmt man diesen beiden frühen Comics, so zeigt sich bereits hier ein bis in die Gegenwart fortwirkender Unterschied: Während Pielert sich an den angelsächsischen, vor allem amerikanischen Vorbildern orientierte und zum graphischen Experiment neigte, stand Füsser noch ganz in der Tradition der Bilderbuchzeichnung.

Hier zeigt sich allerdings auch ein Manko der Frankfurter Ausstellung: Sie beschränkt sich zu sehr auf die Cover. Zwar mag man sich noch vage an Manfred Schmitts "Nick Knatterton" und vielleicht etwas genauer an die unvermeidlichen "Fix und Foxi" von Rolf Kauka erinnern, doch bleibt der Wunsch nach einem genaueren Einblicke etwa in das fabulöse Schaffen eines Hansrudi Wäscher oder den DDR-Comic mit seinen "Abrafaxen" und "Digidags". Einziger Ausweg: Man schaue sich die Comics in der Nationalbibliothek an - sie ist ja im selben Haus.

Dortselbst stapelt sich der umfängliche Bestand graphischer Literatur aus Deutschland. Was die Ausstellung nur grob umreißen kann, die bewegte Geschichte des Comics von seinen nur scheinbar unschuldigen Anfängen über die kulturrevolutionären, zumal politischen Avancen bis hin zu den zeitgenössischen Spielarten, lässt sich im mächtigen Archiv mit einigem Gewinn studieren.

Deutsche Nationalbibliothek,

Frankfurt: bis 24. Mai. www.d-nb.de

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