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"Frieden ist ein Kampf"

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Anselm Kiefer erhält 2008 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Anselm Kiefer erhält 2008 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. © rtr

Glaubt man Anselm Kiefer, wird es nie einen echten Frieden geben. Das hindert den Künstler aber nicht daran, am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels anzunehmen.

Frankfurt/Main. Frieden ist für den Maler und Bildhauer Anselm Kiefer kein dauerhafter Zustand. "Es gibt keinen endgültigen Frieden", sagte Kiefer, der am Sonntag als erster bildender Künstler den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. "Frieden ist eine Utopie, etwas Unerreichbares." Er müsse täglich im eigenen Kopf neu erschaffen werden. "Frieden ist ein Kampf."

In seiner Begründung hatte der Stiftungsrat erklärt, Kiefer konfrontiere seine Zeit "mit der störenden moralischen Botschaft vom Ruinösen und Vergänglichen". Zudem habe der 63-Jährige durch seine auf Texte anspielenden Installationen das Buch selbst, die Form des Buches, zu einem "entscheidenden Ausdrucksträger" gemacht.

Literatur und das Schreiben bezeichnete Kiefer als eminent wichtig in seinem Leben. "Besonders die Poesie, die Dichtung, das ist die einzige Realität", sagte er. Zudem schreibe er jeden Tag selbst - seine Gedanken und wenn er in seinem Werk nicht weiterkomme. Sein erstes Buch habe er als Neunjähriger geschrieben: "Ich habe mir eine kleine Geschichte ausgedacht und sie mit Wasserfarben illustriert." Mit der Schriftstellerei habe er immer wieder geliebäugelt, sich dann aber für die bildende Kunst entschieden.

Bei der Verleihung des Preises am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche werde Kiefer zeigen, dass Künstler auch Schriftsteller sind, kündigte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, an. Die Wahl des Malers und Bildhauers zum Friedenspreisträger 2008 bezeichnete er als überfällig und verwies auf die Statuten, nach denen Persönlichkeiten aus Literatur, Wissenschaft und Kunst mit dem Preis ausgezeichnet werden.

"Einen Musiker gab es schon, aber bislang keinen bildenden Künstler." Mit dem mit 25000 Euro dotierten Kulturpreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt, die zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Im vergangenen Jahr erhielt der jüdische Historiker Saul Friedländer die Auszeichnung. In den Jahren zuvor waren der Soziologe Wolf Lepenies und der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk ausgezeichnet worden. (dpa)

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